Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Wien (OTS) - Das BZÖ wird liberal

Erwin Pröll ist ein alter Profi. Das hat er im Handy-masten-Krieg besser denn je gezeigt. So unsinnig die Idee einer neuen Steuer auch war und ist, so elegant hat er sich letztlich doch dank seiner Hartnäckigkeit - die einer besseren Sache würdig wäre - aus der Affäre gezogen, sodass niemand mehr vom einstigen Fehler, sondern jeder von der jetzigen guten Lösung spricht.
Jetzt muss Pröll nur noch den Ausweg aus dem Semmering-Tunnel finden. Der dürfte freilich ziemlich lang sein.

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Das BZÖ will eine moderne liberale Bewegung sein. Nimmt man dieses Ziel wirklich ernst, dann gehört da schon mehr dazu als die bloße Überschrift. Wie wär‘s etwa mit passenden Inhalten?
Oder hält man beim Bündnis das populistische Verlangen nach Herbstferien etwa für modern oder liberal? Ist darunter gar das Gemurkse der Sozialministerin bei der Schwerarbeiterregelung zu verstehen, wo sich doch sogar schon die Gewerkschaft allmählich von der bürokratieträchtigen Schaffung einer neuen Privilegienklasse verabschiedet?

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Die üblichen politischen Aufgeregten der Kulturszene werden schon lange nirgendwo mehr ernst genommen. Daher ist auch der empörte "Zensur"-Ruf ungehört verhallt, als der ORF den Beitrag eines politisierenden Kabarettisten nicht gerade drei Tage vor der Wiener Wahl ausstrahlen wollte. Inzwischen konnte man dessen Bemühungen am Bildschirm sehen; und war verblüfft, als man im Nachspann erfuhr, dass das Ganze mit freundlicher Unterstützung der - Stadt Wien finanziert worden ist. Plumper geht‘s wirklich nicht mehr.
Oder vielleicht doch: Denn auch beim österreichischen Ableger von "Reporter ohne Grenzen" hat sich herausgestellt, dass diese sich immer sehr einseitig erregende Vereinigung vom Wiener Rathaus unterstützt wird.
Schließlich verfügt man dort über die dickste (vom Steuerzahler gefüllte) Kasse des Landes, um Medien im gewünschten Sinn zu beeinflussen.

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