"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Thema verfehlt" (Von IRENE HEISZ)

Ausgabe vom 29. Oktober 2005

Innsbruck (OTS) - Punktgenau zwischen Nationalfeiertag und Allerheiligen, also zu Gelegenheiten, an denen sich gern so genannte Fenstertage ergeben, bricht wieder einmal die Diskussion über die Einführung von Herbstferien aus. Oder präziser: bricht Bildungsministerin Elisabeth Gehrer die Diskussion vom Zaun.

Misstrauische Eltern - das sind in der Regel diejenigen, die sich Sorgen oder zumindest Gedanken über die Qualität der Ausbildung ihrer Kinder machen - könnten eine derartige Debatte für einen nur mäßig geschickten Versuch halten, von weit drängenderen Problemen abzulenken. Zumal die Ministerin nicht etwa einen konkreten Vorschlag auf die Schulbank gelegt hat, sondern großzügig verkündete, sie wolle die Wünsche der Eltern berücksichtigen.
Die Angesprochenen in ihrer konzentrierten Erscheinungsform als Elternvereine jedoch sind, das ist der Ministerin möglicherweise nicht unbekannt, alles andere als einig in Sachen Herbstferien. Die eine Hälfte ist dafür, die andere dagegen. Ein Kompromiss zielt auf eine Reduktion der schulautonomen Tage und die Einführung von generellen Herbstferien.

Die einen wollen eine weitere Anpassung des Schulkalenders an den gesellschaftlichen Trend zum kurzfristig gebuchten Kurzurlaub. Denen - wie auch der Lehrerschaft - kommt es entgegen, wenn Schulen jene Tage, über die sie außerhalb des Ferienkalenders frei verfügen können, so legen, dass entgegen der bisherigen Absicht des Gesetzgebers eben doch eine Art Herbstferien dabei herauskommt.

Die anderen haben nicht nur ohnedies kein Geld für einen schicken Kurztrip, sondern auch ihre eigenen Urlaubsansprüche schon für die regulären Ferien verbraucht und deshalb große Schwierigkeiten, eine Betreuung für das von der autonomen Schule tagweise auf die Straße gestellte Kind zu organisieren. Oder gar für mehrere Kinder, die verschiedene Schulen mit unterschiedlichen Autonomie-Vorstellungen besuchen.

Dass Herbstferien und/oder schulautonome Tage zumindest regional koordiniert werden müssen, ist also nichts weiter als eine Banalität. Es bleiben wesentlichere Fragen: Wie, zum Beispiel, ist sicherzustellen, dass Lehrer einen Teil ihres überlangen Urlaubs dazu nützen, sich fortzubilden? Oder auch: Sind Ferien als Regenerationsphasen unter pädagogischen Aspekten vielleicht ganz anders aufzuteilen? Eventuell sogar so, dass weniger Kinder Nachhilfe brauchen und mehr das Klassenziel allein durch den regelmäßigen Besuch des Unterrichts erreichen?

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung
Chefredaktion
Tel.: 05 04 03 DW 601

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0002