Wiener Linien sind beim Busverkehr international Spitze

Neue technische und organisatorische Strukturen beim Öffentlichen Personennahverkehr - Fragen der Regionalisierung

Wien (OTS) - Die kürzlich in Wien abgehaltene Regionalverkehrsversammlung der UITP gewährte neben der Erörterung der Situation und von Lösungsmodellen beim Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) aus österreichischer Sicht, mit den Referaten ausländischer Verkehrsexperten - vor allem aus dem EU-Raum, aber auch aus der Schweiz - neue, durchaus bemerkenswerte Einblicke. Dazu UITP-Vizepräsident und VOR-Geschäftsführer Direktor Manfred Novy: "Die Fragen der Verkehrsorganisation beim öffentlichen Personenverkehr und die Lösungsansätze dazu sind natürlich keine Einbahn. Die Tagung bietet den internationalen Teilnehmern einerseits Einblicke in die österreichische Verkehrsstruktur, andererseits scheuen wir uns nicht, von den Erfahrungen ausländischer Regionalverkehrsbetreiber zu lernen. Dass heimische Verkehrsunternehmen vielfach auch international als vorbildlich gelten, erfüllt uns mit Freude und Genugtuung". So wird auf der Tagung der Busbetrieb der Wiener Linien als "international Spitze" bezeichnet, eines der Hauptkriterien: schon seit Anfang der 70er-Jahre wird besonders umweltfreundlich mit einer Flotte von 500 Bussen mit Flüssiggas gefahren. Das wird, so der international anerkannte Busexperte Stefan Kutsenits "weltweit von keinem Stadtverkehr erreicht".

Einen aufschlussreichen Einblick beim Personenverkehr gewährt die Schweizer Situation. Die Betreiber im Regionalverkehr bestehen zu 60 bis 70 Prozent aus Kleinen und Mittleren Unternehmen (KMU), der finanzielle Druck nimmt zu, nicht zuletzt weil die Beteiligung der Kantone und überhaupt der öffentlichen Hand um 26 Prozent gesunken ist. Der Bund forciert mit Budgetkürzungen die Reformen, nicht unbedingt aber Fusionen, erläutert Andreas Flückinger, Leiter der Unternehmensentwicklung der ASM AG. Das führte beispielsweise zur Gründung der RAIL plus, in der 6 kleine Bahngesellschaften - ohne zusammenhängendes Netz - zusammengeschlossen sind, die nicht nur die klassische Beförderungstätigkeit ausüben, sondern auch Postdienste, Reisebüros u.a.m. betreiben. Technische Diversifikation bei Schienenfahrzeugen, vom "Flinken, leichten, innovativen Regional-Triebzug" FLIRT, für S-Bahn-Strecken gedacht, über Straßenbahnen bis zu Vollbahnen, reicht das Spektrum der Stadler Rail Gruppe, deren Chef Peter Spühler auch Mitglied des Schweizer Parlaments ist. Als Verkehrspolitiker ist er naturgemäß auch mit Sicherheitsfragen konfrontiert. Unter dem Sicherheitsaspekt werden bei Straßenbahn und U-Bahn-Garnituren Durchgang und Durchsicht verlangt. Für die Brandbekämpfung wiederum ist das abträglich, nun versucht man, mit eigens entwickelten "Wassernebellöschanlagen" das Problem zu lösen.

Was den U-Bahn-Verkehr betrifft, gibt ein Blick nach Budapest, gelenkt von Botond Aba, Generalsdirektor der Budapester Verkehrs AG (BKV) Aufschluss über Umbauvorhaben und innovative Projekte. Wurde hier im Jahr 1896 die erste U-Bahn eröffnet, so denkt man in unseren Tagen an die Errichtung einer "kleinen vollautomatischen U-Bahn", allerdings gibt es dafür noch keine geeigneten Fahrzeugtypen. Ein weiteres Projekt soll vom Zentrum nach Szentendre führen. Eine 4. U-Bahnlinie mit 10 Kilometer Länge, für die Baukosten von 1,1 Milliarden Euro veranschlagt werden und die eine Unterquerung der Donau vorsieht. Auch beim rollenden Material - es fahren auch noch 40 Jahre alte, aus der ehemaligen DDR stammende Garnituren - sind große Investitionen vorgesehen. Budapest setzt auf ein "Walk & Ride System" und macht entsprechende Anstrengungen, "um die Masse der Verkehrsteilnehmer anzulocken", formuliert Botond Aba, "die Großstädter brauchen integrierte Verkehrsdienstleistungen, und die bis zur letzten Haltstelle". Ein Ansatz bei der Straßenbahn: sie soll demnächst auf den Großen Ring in Zeitfolgen von 1,5 Minuten fahren, und zwar mit 40 Meter langen Niederflurgarnituren, die rund 350 Fahrgäste aufnehmen können.

Der Regionalisierung des ÖPNV und Fragen des Regionalverkehrs widmet sich Dkfm. Wilhelmine Goldmann, Vorstandsdirektorin der ÖBB-Personenverkehrs AG. Und führt zum Grundsätzlichen aus: Es geht primär nicht um Eigentumsübergang, sondern um "Verländerung der Mittel", das Ministerium wolle die Mittel auf dem niedrigen Niveau von 1999 einfrieren. Zwar wurden die Zahlungen nicht valorisiert, es werden aber "wesentlich mehr gemeinwirtschaftliche Leistungen als 1999 erbracht". Als Aktiengesellschaft muss man nach betriebswirtschaftlichen Kriterien arbeiten, für das Jahr 2005 müssten 100 Millionen Euro mehr zur Verfügung stehen, auf diese Finanzierungslücke wurde hingewiesen. Auf Sicht sind beim Fuhrpark für neue Fahrzeuge im Nahverkehr 400 Millionen Euro erforderlich, Mittel in gleicher Höhe für Fahrzeuge im Fernverkehr. Als Fazit fordert die Verkehrsexpertin eine gemeinsam mit den jeweiligen Bundesländern, auf der Basis von Marktpreisen eine marktgerechte und bestellerkonforme Verkehrsorganisation. Beim Postbus liegt "ein Verkehrsangebot aus einer Hand vor", im Fahrplan 2005/2006 finden sich etwa 200 neu hergestellte Anschlüsse. Verkehrsdiensteverträge sind anzustreben, bei den Kosten eine Aufteilung Bund/Land/Region von 40/40/20 Prozent. Ein Einsparungspotential auf der Schiene bietet sich bei der Traktion an, derzeit laufen 51 Prozent im Personenverkehr, 49 Prozent im Güterverkehr. "Wir wollen wissen", so Goldmann, "wie viel jeder Zug auf jeder Strecke kostet". Auf der ganzen Welt gibt es kein Verkehrssystem, das nicht öffentlicher Mittel bedarf, die Sparwut hier zu Lande sei eine "kurzsichtige Strategie", es werden noch 10 bis 20 Jahre mit massiven Investititonen notwendig sein. Bei der Bahn sieht man den Integrierten Taktfahrplan ("Schweizer Modell") als vorbildlich, es hat auch dort sehr lange gebraucht, Auslöser war die Krise der Schweizer Staatsbahnen (SBB) vor etwa 20 Jahren.

Dass der ÖPNV auch entsprechende innovative Konzepte für das rollende Material braucht, illustriert ein österreichischer Busexperte, Stefan Kutsenitss aus Hornstein, dessen jüngstes Produkt demnächst im Stadtverkehr Oslo eingesetzt wird. Die in Österreich bestehenden (alle Zahlen gerundet) 1100 Busunternehmen verfügen über 9000 Busse, und erbringen beachtliche Leistungen im Sinne der Daseinsvorsorge. 6000 Busse laufen im öffentlichen Regional- und Stadtverkehr, davon 3500 bei den Verkehrsverbünden, 1200 im Stadtverkehr - herausragend, wie schon eingangs erwähnt, die Wiener Linien, 350 als Schülerbusse. Der Postbus verfügt über 2000 Einheiten. Gab es früher beim Busbau zahlreiche Erzeuger (auch in Österreich eine Tradition mit Gräf & Stift, Lohner, Saurer, Steyr), ist jetzt eine Konzentration auf fünf große Konzerne eingetreten, die zwar teilweise alte Markennamen bestehen lassen, deren Produktionsstätten sich aber nur mehr zu 20 Prozent in der / alten) EU der 15 befinden, 80 Prozent der Busse werden in Polen und in der Türkei gefertigt. Laufende Innovation und Flexibilität bei der Konstruktion haben dennoch ihre Chance, wie das Beispiel des österreichischen Unternehmens zeigt, das schon bei der Konzeption von City-Bussen mit dabei war. (Schluss) red

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