"Kleine Zeitung" Kommentar: "Wie dauerhaft rot wird die grüne Mark unter Voves?" (Von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 26.10.2005

Graz (OTS) - Demokratie ist Macht auf Zeit. Das wissen alle, die sich der Politik verschrieben haben. Wenn allerdings der Wähler das geliehene Mandat wieder entzieht, ist die Bestürzung über den Machtverlust groß.

Besonders bitter ist der tiefe Sturz, den Waltraud Klasnic erlitten hat. Kaum eine andere Karriere gleicht der Achterbahn der ersten Frau an der Spitze eines Bundeslandes. 1995 übernahm sie unter schwierigsten Bedingungen das Amt des Landeshauptmanns. Bloß 2000 Stimmen retteten der ÖVP den Thron, auf den die selbstbewusste, aber selbstgefällig gewordene Landeshauptmann-Partei eine Erbpacht zu haben glaubte.

Die Angst vorm Scheitern verlieh Kräfte und schweißte das Regierungsteam zusammen. 2000 konnte Klasnic mit einem furiosen Sieg die Ernte einfahren. Umso tiefer war der Sturz 2005. Der Niederlage, deren Ausmaß nicht nur ihr ungerecht schien, folgten Demütigungen aus den Reihen, die ihr früher gehuldigt haben. Zwei Tage vor ihrem 60. Geburtstag, der ein Fest für das ganze Land hätte werden sollen, endet unter schmählichen Umständen ihre Amtszeit.

Wird mit der Wahl von Franz Voves die grüne Mark dauerhaft rot? Die Mär vom schwarzen Bollwerk ist eine Legende. Bei Nationalratswahlen gab es in der Steiermark seit 1970 (mit Ausnahme von 2002) stets eine Mehrheit der SPÖ, mitunter eine haushohe, was die ÖVP im Gegenzug zur Festigung ihrer Mehrheit im Land nutzte.

Der neue Landeshauptmann kann auf eine breite Grundströmung bauen. Sein auf Harmonie und Konsens ausgerichtetes Naturell wird Voves die Aufgabe erleichtern. Wie lange die Schonzeit dauert, ist allerdings eine andere Frage. Irgendwann wird der Wahlkampf die SPÖ einholen:
Man kann nicht vorher Klasnic für den Strompreis verantwortlich machen, um nachher, wenn man selbst Landeshauptmann ist, zu behaupten, die Preiserhöhung durch die Energiefirma des Landes gehe die Politik nichts an.

Voves muss sich vor seinen Mitstreitern hüten. Er scheint elastisch genug, um Zusammenstößen auszuweichen. Die Ankündigung, mit der Landes-Holding Standorte zu sichern - etwa bei der zum Verkauf anstehenden Elin-Gruppe in Weiz - ist vergessen. Auch der Lehrlingsfonds mit Zwangsbeiträgen ist bloß ein Programm auf dem Papier.

Die Erneuerung, die Voves versprochen hat, wird im Stil und weniger im Inhalt erfolgen. Mehr Transparenz und weniger Feudalismus, damit könnte er punkten. Ein Land erobert man nicht aus eigener Kraft, sondern durch fremde Fehler.****

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