"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Zweierlei Maß" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 25.10.2005

Wien (OTS) - Wenn der Internationale Währungsfonds, Wirtschaftsforscher oder die OECD die österreichische Budgetpolitik loben, ist Finanzminister Karl-Heinz Grasser zu Recht hoch erfreut. Kritisiert hingegen der Rechnungshof das neuerdings wieder ausufernde Haushaltsdefizit, wittert der Minister mangelnde Objektivität der Kontrollore.
Das ist pikant, weil ja Grassers einstiger Parteifreund Josef Moser an der Spitze des Rechnungshofes steht. Es zeigt aber auch, wie wenig sachbezogen sich der Finanzminister mit Lob und Tadel umgeht. Wer ihm Honig um den Mund schmiert, ist der Gute; wer es wagt, auf ein Haar in seiner Budgetsuppe hinzuweisen, muss sich "parteipolitische Machenschaften" vorhalten lassen.
Doppeltes Maß anzulegen, ist Grasser beruflich wie privat in Fleisch und Blut übergegangen. Als er Anfang März in Paris turtelnd mit seiner jetzt angetrauten Fiona ertappt und fotografiert wurde, protestierte er gegen das Eindringen in sein Privatleben. Tage später ließ er ablichten, wie er seiner damaligen Verlobten nach einem Unfall einen Blumenstrauß ins Spital brachte. Dann kamen die Schmuse-Fotos mit Fiona in Capri - Klage! Die Hochzeitsfotos sind wieder ok.
Der Rechnungshof wird die Grasser-Schelte also mit Fassung tragen. Sie ist parteipolitisch motiviert und nicht Ernst zu nehmen.

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