Schwarzböck: Bauern verlangen faire Preise für ihre Produkte

Differenz zwischen Erzeugerpreis und Verbraucherpreis wächst kontinuierlich

Wien (AIZ) - Obwohl der Durchschnittshaushalt für das Essen heute nur mehr 13% der Gesamtausgaben aufwendet, haben viele Konsumenten den Eindruck, dass seit Einführung des Euro Anfang 2002 alles teurer geworden ist, vor allem Lebensmittel. Offizielle Statistiken über Inflationsraten und Preisindizes weisen jedoch keine überdurchschnittlichen Preissteigerungen durch den Euro aus. Laut Statistik Austria haben sich Preiserhöhungen bei Lebensmitteln an der Inflationsrate im Jahr 2001 noch mit 0,51 Prozentpunkten auf den Verbraucherpreisindex (VPI) ausgewirkt. Dieser Wert ist in den darauf folgenden Jahren deutlich gesunken und beträgt derzeit nur 0,24 Prozentpunkte.

Preisgestaltung im Handel zu Lasten der Bauern

Die Preisgestaltung des Einzelhandels wird für die heimische Landwirtschaft zunehmend zum Problem, denn die Schere zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreis wird immer größer, wie etwa die Preisentwicklung bei Weizen zeigt. Laut WIFO ist der Erzeugerpreis für Weichweizen zwischen 1986 und 2003 um 61,4% zurückgegangen, der Verbraucherpreis für Mischbrot ist im gleichen Zeitraum aber um 31,7% gestiegen.

"Wenn die bäuerlichen Erzeugerpreise zurückbleiben und die Vermarktungsspannen ständig steigen, kann das auf Dauer nicht gut gehen, denn höhere Qualitätsstandards sowie Umwelt- und Tierschutzstandards sind dann nicht mehr finanzierbar. Wir müssen daher den Konsumenten aufzeigen, welcher Anteil vom Verkaufspreis eines Produktes heute beim Bauern bleibt und dass die Existenz unserer Höfe nach wie vor von fairen Erzeugerpreisen abhängig ist", erklärte dazu Rudolf Schwarzböck, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich.

Bereits mehr Geld für Freizeit als für Ernähung ausgegeben

"In der Diskussion um faire Preise geht es einmal mehr um die Durchsetzung von Lebensmittelpreisen, die dem allgemeinen Lebensstandard entsprechen. Noch 1976 haben die Konsumenten rund 20% ihrer Haushaltsausgaben für Nahrungsmittel aufgewendet und heute sind es nur noch rund 13%. Ein ebenso großer Teil der Konsumausgaben entfällt heute auf Freizeit, Unterhaltung und Kultur. Wenn man in einer derartigen Ausgangslage das Reformtempo für die Landwirtschaft noch weiter verschärft und von den bäuerlichen Produzenten gleichzeitig immer höhere Standards bei der Produktion verlangt, dann gefährdet man unsere Lebensgrundlagen. Um den Bauernstand und den ländlichen Raum zu erhalten, brauchen wir funktionsfähige Agrarmärkte sowie kostendeckende Preise für landwirtschaftliche Produkte", betonte Schwarzböck.
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