Landwirtschaft: Scharfe Kritik an WTO-Generaldirektor Pascal Lamy

Wlodkowski: Bauern dürfen nicht der Liberalisierung geopfert werden

Graz (AIZ) - Scharfe Kritik an WTO-Generaldirektor Pascal Lamy und dessen Liberalisierungspolitik übt die Landwirtschaftskammer Steiermark. Lamy trat am Wochenende für eine weitere Liberalisierung der Weltmärkte ein, obwohl - wie er selbst sagt - viele Arbeitsplätze in der Landwirtschaft und Textilindustrie in Europa zerstört werden. Dadurch käme die Weltwirtschaft in Schwung, so Lamy. "In Wirklichkeit kränkelt die Weltkonjunktur nicht an der Agrarpolitik, sondern an den hohen Energiepreisen", bezeichnet LK-Präsident Gerhard Wlodkowski die Theorie von Lamy als schlichtweg falsch. "Es stimmt nicht, dass durch die Liberalisierung der Agrarmärkte die Konjunkturbremse auf Grund der hohen Energiepreise aufgehoben wird", stellt Wlodkowski fest.

"Lamys Liberalisierungsstrategie zeugt von einer grenzlosen Gleichgültigkeit gegenüber der europäischen und heimischen Landwirtschaft", kritisiert Wlodkowski. Allein im österreichischen Agrarkomplex wären durch weitere Liberalisierungsschritte zehntausende Arbeitsplätze stark gefährdet. Die heimische Landwirtschaft dürfe nicht das Opfer weiterer Liberalisierungsschritte sein.

Zuckermarktreform zerstört mehr als 100.000 Arbeitsplätze

"Ein drastisches Beispiel für die drohende Arbeitsplatzzerstörung ist die geplante EU-Zuckermarktreform. Durch sie sind österreichweit 9.500 Zuckerrübenbauern bedroht, europaweit sogar 100.000. Zusätzlich werden in Europas Zuckerindustrie mehr als zehntausend Menschen ihre Arbeit verlieren", warnt Wlodkowski. Europa sei bereits jetzt der weltweit größte Agrarimporteur. Eine weitere Liberalisierung würde Europa noch stärker von Lebensmitteln aus Übersee abhängig machen, während die heimische Landwirtschaft an die Wand gedrängt werde.
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