ÖGB-Leutner: Keine Rede von Rekordbeschäftigung

Angebliche Beschäftigungsrekorde sind reine Zahlenspiele - Statistikerhebungsmethoden ändern sich, die Arbeitslosigkeit in Österreich steigt

Wien (ÖGB) - "Die Bundesregierung rühmt sich ständig mit dem angeblichen Beschäftigungsrekord in Österreich, doch das sind reine Zahlenspiele. Die zunehmenden Karenzierungen und die Teilzeitjobs verzerren die Beschäftigungsstatistik", sagt der Leitende ÖGB-Sekretär Dr. Richard Leutner zur Reaktion des Bundesministeriums für Arbeit und Wirtschaft auf den gestern veröffentlichten EU-Beschäftigungsbericht. Der EU-Beschäftigungsbericht 2005 weist auf einen Beschäftigungsrückgang in Österreich hin, was das Bundesministerium mit dem Hinweis auf einen "Bruch in der Erhebungsmethode" schönredet. Leutner: "Bartenstein soll nicht versuchen, mit Statistikänderungen die steigende Arbeitslosigkeit in Österreich zu bagatellisieren. Tatsache ist, dass Österreich mit rund 270.000 Arbeitsuchenden im September 2005 die höchste Arbeitslosigkeit seit 1985 verzeichnet."++++

Während der Bericht für das vergangene Jahr ein Beschäftigungswachstum von 0,6 Prozent in der gesamten EU ausweist, verzeichnet Österreich laut der EU-Statistik einen Rückgang der Beschäftigungsquote von 69 Prozent im Jahr 2003 auf 67,8 Prozent im Vorjahr. "Das Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft argumentiert mit unterschiedlichen Erhebungsmethoden und rühmt sich der hohen Beschäftigungsquote in Österreich. Diese angeblich hohe Beschäftigungsquote beruht jedoch einerseits auf den zunehmenden Karenzierungen seit der Einführung des Kindergeldes und andererseits auf der Tatsache, dass auch Arbeitslose, die länger als drei Monate in AMS-Schulungen sind, als Beschäftigte verzeichnet werden. Zusätzlich wird die Beschäftigungsstatistik durch Altersteilzeit, Krankenstand und Präsenzdiener beschönigt", kritisiert der Leitende ÖGB-Sekretär. Auch die umjubelten 'neu geschaffenen' Arbeitsplätze müssten unter diesem Aspekt gesehen werden, denn der Großteil dieser Arbeitsplätze sind Teilzeitarbeitsplätze: In den Jahren 2000 bis 2003 sind 65.000 neue Teilzeitjobs entstanden - im selben Zeitraum sind allerdings 61.000 Vollzeitarbeitsplätze verloren gegangen.

"Derzeit gibt es rund 30 Prozent mehr arbeitsuchende Menschen als noch vor wenigen Jahren. Damals kamen vier Personen auf eine offene Stelle, jetzt sind es zwölf. Diese Tatsachen sind besorgniserregend und können auch mit Zahlenspielen nicht schöngeredet werden", so Leutner abschließend. (bm)

ÖGB, 20. Oktober
2005
Nr. 589

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