"Kleine Zeitung" Kommentar: "Zwei in einem Boot: Stabiler als die Parteien sind die Personen" (von Claudia Gigler)

Ausgabe vom 19.10.2005

Graz (OTS) - Sie sind einander nicht unähnlich, die beiden Herren, die am kommenden Dienstag in der Steiermark die Macht übernehmen werden.

Beide fühlen sich vor allem dem kleinen Mann verpflichtet - Franz Voves, der SPÖ-Vorsitzende, aus seiner persönlichen Geschichte heraus, als Arbeiterbub, Hermann Schützenhöfer als Chef des Arbeitnehmer-Flügels der VP, der sich mannhaft gegen alle Bestrebungen der Wirtschaftspartei stellt, das Gemeinwohl den Bedürfnissen der Unternehmer unterzuordnen.

Beide lieben den Konsens, nicht den Konflikt. Hermann Schützenhöfer zeichnete sich auch in schwierigen Zeiten dadurch aus, dass er unerbittlich mit seinem politischen Gegenüber tagte, bis endlich der Kompromiss winkte. Und Franz Voves verzichtet am Punkt seines größten Triumphes darauf, dem unterlegenen Gegner den Herrn zu zeigen, sondern bietet ihm die Hand.

Beide Politiker sind innerparteilich mächtig, aber ihre Autorität gründet auf unterschiedlicher Basis. Hermann Schützenhöfer ist der "alte Hase" , dessen Aufstieg von einer großen Teilorganisation der ÖVP getragen war, der die Partei auch aus der zweiten Reihe heraus durch seine Managerqualitäten zusammenhalten konnte, und dessen unendlicher Fleiß und große Erfahrung einen Ruf begründen, der jeden Gegner dreimal nachdenken lässt, bevor er sich mit ihm anlegt.

Franz Voves ist immer noch der "Neue", der dieses Prädikat nicht als Makel, sondern geradezu als Marke verinnerlicht hat, dessen Hausmacht nicht durch den mühsamen Marsch durch die Institutionen, sondern durch Sympathie und Wahlerfolg begründet wurde, und der den Zusammenhalt der Reihen hinter ihm nicht durch Konfliktmanagement erreichen musste, sondern der den zerstrittenen Haufen zunächst durch die Hoffnung in ihn und dann durch das Diktat des Ersten einte.

Beide wissen, dass den Wählern die Politik zuletzt als hässliche Fratze erschien, dass das Vertrauen in die Gewählten nachhaltig erschüttert ist. Sie setzen nicht zuletzt deshalb auf Frieden statt Krieg. Das verleiht der neuen Achse eine gewisse Aussicht auf Stabilität.

Der persönliche Erfolg der Mannschaftsführer in Hinblick auf den nächsten Wahltag hängt vermutlich davon ab, ob es Voves gelingt, durch eine Portion Schützenhöferischer Beharrlichkeit spontanen Jubel in nachhaltiges Vertrauen zu verwandeln, und ob es Schützenhöfer gelingt, mit einem Quäntchen Voves'scher Lockerheit beharrlicher Knochenarbeit Witz und Würze zu verleihen. ****

Rückfragen & Kontakt:

Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
redaktion@kleinezeitung.at
http://www.kleinezeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKZ0001