Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Wien (OTS) - Bei uns in Wien. . .

Tsunami, New Orleans, nun das Erdbeben in Pakistan. Manches ist allen Mega-Katastrophen des Jahres 2005 gemeinsam: Die betroffenen Regionen und der Rest der Welt standen ihnen hilflos gegenüber. Und überall wird über die Regierungen geschimpft. Etwa jetzt über die Pakistans:
erstens, weil etliche Opfer in andere Regionen gebracht werden; zweitens aber auch, weil nicht alle Betroffenen aus der Gebirgsregion evakuiert werden.

Beklemmend jedenfalls, wie die Natur immer öfter unseren im 20. Jahrhundert entstandenen Glauben an die Allmacht von Staaten zertrümmert.

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"Keine Gewerkschaftsgelder für Bawag-Kredit an Refco." Aussagen mit allzu sparsamem Input an Intelligenz schmerzen. So wie diese des ÖGB-Finanzchefs. Wenn die Bawag durch einen großen Betrug einen großen Betrag verliert, wen bitte sonst als den Eigentümer soll da der Schaden treffen? Nämlich durch ein Schrumpfen von Rendite, Divende und Sonderdividende, durch eine Schmälerung der wirtschaftlichen Basis. Und Eigentümer ist niemand anderer als der ÖGB. Dieser findet ja schon lange keinen Partner mehr, welcher sich an einer Gewerkschaftsbank beteiligen möchte. Was verständlich ist, solange dort mit ökonomischem Sachverstand so gespart wird, dass man ihn auch dann nicht mehr hat, wenn man ihn dringend bräuchte.

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Estland wird von Monat zu Monat mehr das europäische Musterland für technologischen und sonstigen Fortschritt. Und es versteht auch, dies zu vermarkten. Das Land lockt nicht nur viele Investoren an, weil es als erstes in Europa die Flat tax eingeführt hat. Es hat auch jetzt als erstes bei einer ganz normalen Wahl eine Stimmabgabe via Internet ermöglicht. Eine relativ einfache Sache - wenn man nur will -, aber sehr hilfreich für das Image.

Ach ja, auch bei uns finden Kommunalwahlen statt. Aber in Wien ist nicht einmal noch die Briefwahl möglich, die es im Bund schon lange gibt. Die Stadt könnte mit Fug und Recht an ihren Einfahrten plakatieren: Wien ist RÜCK + STÄNDIG.

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