Niederwieser und Broukal präsentieren Vorschläge für eine hochschulpolitische Wende

SPÖ gegen Rektoren-Plan zu generellen Zugangsbeschränkungen

Wien (SK) - Vorschläge für eine hochschulpolitische Wende, "Brücken von den Schulen zu den Unis" präsentierten Dienstag in einer Pressekonferenz SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser und SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal. Die Vorschläge setzen sowohl bei den Schulen an - modulare Oberstufe, Studienvorbereitungskurse in der Oberstufe, Berufsorientierung, Kompetenzenbilanz - als auch an den Universitäten - "Breitband"-Studieneingangsphase, Streckung der Eingangsphase für Berufstätige und Leistung statt Quote bei vorerst unumgänglichen Auswahlverfahren. Eine klare Absage kommt von der SPÖ für die heute von den Rektoren angedachten generellen Zugangsbeschränkungen. "Die SPÖ denkt nicht daran, solche Projekte zu unterstützen. Die kleine, feine, kuschelige Uni, wo man sich alles selbst aussucht, wird es nicht geben können", so Broukal. ****

Für den SPÖ-Wissenschaftssprecher erhärtet sich der Verdacht, dass die Rektoren das EuGH-Urteil zum Anlass nehmen wollen, um etwas umzusetzen, "das sie schon lange im Herzen tragen": "Generelle Zugangsbeschränkungen und Ade freier Hochschulzugang." Das Geld für Studien zu diesem Thema werde allerdings ein vergeudetes sein, so Broukal, denn die SPÖ werde in Regierungsverantwortung derartige Projekte nicht unterstützen.

Kritik an den Zugangsbeschränkungen kommt auch vom SPÖ-Bildungssprecher. Die derzeitigen Eingangsphasen würden zu Studienverzögerungen führen. Viele Studierende würden aber nicht nur Zeit verlieren, sondern durch die Verzögerungen auch Familien- und Studienbeihilfe, und Studiengebühren seien auch noch zu entrichten. "Zumindest die Nachteile bei den Transferleistungen müssen sofort beseitigt werden", so Niederwieser, der weiters kritisiert, dass Österreich bei der Studienentscheidungshilfe nicht auf dem neuesten Stand der Zeit sei. Es gebe etliche Instrumente für die Schulen, die zu einer besseren Erfassung der Potenziale beitragen könnten.

Niederwieser: Schüler besser auf ein Studium vorbereiten

Die Vorschläge für eine hochschulpolitische Wende betreffen zum einen den Schulbereich. Konkret schlägt die SPÖ vor, die modulare Oberstufe, die es derzeit nur als Schulversuch gibt, zum Standard zu machen; damit rücke man, so Niederwieser, "zur europäischen Normalität auf". In der modularen Oberstufe könnten Schwerpunkte gesetzt werden, die für ein zukünftiges Studium wichtig wären und wissenschaftliches Arbeiten gelehrt werden. In den letzten beiden AHS-Klassen sollten in Zusammenarbeit mit den Unis Freifächer angeboten werden, die Basiswissen etwa für ein Medizinstudium vermitteln. Ein Vorteil für die Universitäten dabei wäre, dass die Zahl der angehenden Medizin-Studenten in etwa absehbar wäre. Weiters solle die Berufsorientierung in der 7. und 8. Schulstufe zu einem ständigen Instrument und einem Schwerpunkt in der Lehrerweiterbildung werden. Als neues Mittel schlägt Niederwieser die "Kompetenzenbilanz" vor, die für die Schüler den Sinn habe, sich über mehrere Wochen oder Monate der eigenen Stärken und Schwächen bewusst zu werden.

Broukal fordert "Leistung statt Quote" bei jetzigen Auswahlverfahren

Für den universitären Bereich schlägt Broukal eine "Breitband"-Studieneingangsphase vor. D.h., Fachinhalte sollen auf ein Minimum reduziert werden, wissenschaftliches und methodisches Grundlagenwissen den Schwerpunkt bilden. Voraussetzung sei eine stärkere Vernetzung der Eingangsphasen verwandter Studienrichtungen; die (partielle) Anrechenbarkeit dieser Einführungsphase sollte bei einem Studienwechsel erhöht werden. Für berufstätige Studierende sollen die Eingangsphasen gestreckt werden, berufstätige Studierende sollen länger Zeit bekommen, die erste Studienphase zu durchlaufen.

Schließlich muss für jene Studien wie Medizin und Veterinärmedizin, für die vorerst ein Auswahlverfahren unumgänglich ist, die Devise "Leistung statt Quote" gelten. Die Verfahren müssen bundeseinheitlichen Kriterien folgen, die sich durch die Leistung der Studierenden und nicht nur eine vorher festgelegte Quote definieren. Studierende, die die fachlichen Anforderungen erfüllen, aber wegen Platzmangels nicht aufgenommen wurden, dürften nicht mit dem Gefühl des Versagens zurückgelassen werden. Generell, so Broukal und Niederwieser, müsse man einen weiteren Standort für eine Medizin-Uni in Österreich überlegen, auch im Hinblick darauf, dass die Ärztekammer einen Medizinermangel vorhersagt. (Schluss) cs

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