Information ist alles

Der "Schmerz-Bus" der ÖSG und eine breit angelegte Medieninitiative sollen den Informationsbedarf über die moderne Schmerztherapie bedienen

Wien (OTS) - Trotz der beeindruckenden Fortschritte der modernen Schmerzmedizin leiden rund 1,2 Millionen Österreicher unter chronischen Schmerzen. Ein Grund ist sicherlich auch in der mangelnden Aufklärung der Bevölkerung zu sehen: Das Wissen, dass auch starke Schmerzen heute meist erfolgreich kontrolliert werden können, ist zu wenig verbreitet, und immer noch herrschen alte, längst überholte Vorurteile über die gut wirksamen Opioide vor. Dabei entscheiden über den Therapieerfolg vor allem auch gut informierte Patienten und Angehörige, die ihre Bedürfnisse formulieren oder die Bedeutung der Therapietreue erkennen.

Moderne Therapien erklären

Österreichische Experten setzen daher nicht nur auf regelmäßige schmerzmedizinische Weiter- und Fortbildungen der Ärzteschaft, sondern auch auf die Aufklärung der Bevölkerung. So tourt seit kurzem ein Infobus der ÖSG unter dem Motto "Schmerz.los 2005" durch Österreich. In diesem "Schmerz-Bus" geben Spezialisten in Kooperation mit Hausärzten Auskunft und erklären Patienten und Angehörigen die modernsten Therapien.

Ärzte und Apotheker in ihrer Arbeit unterstützen soll schließlich auch der "Schmerztest" für Patienten, mit dessen Hilfe das individuelle Schmerzempfinden leichter quantifiziert werden kann

Kompetente Informationen

Univ. Prof. Ing. Dr. Andreas Schlager, Leiter der Schmerzambulanz der Univ.-Klinik für Anaesthesie der Medizinischen Universität Innsbruck, Vorstandsmitglied der Österreichischen Schmerz-Gesellschaft:

"Kompetente Informationen sind heute umso wichtiger, als in jüngster Vergangenheit in der Öffentlichkeit bestimmte Schmerz-Medikamente negative Schlagzeilen provoziert haben, und darüber hinaus manchen Schmerzmedikamenten noch immer mit Vorurteilen begegnet wird." Deshalb sei es unter anderem besonders wichtig, durch kompetente Information überholte Klischees vor allem gegenüber den Opioiden abzubauen, den wirksamsten Schmerzmitteln der modernen Medizin. Diese Schmerzmittel können bei starken chronischen Schmerzen nicht nur Krebspatienten, sondern auch vielen Menschen, die an den weit verbreiteten Schmerzen des Bewegungsapparates leiden, wirksam und rasch helfen. Jedoch werden diese Medikamente häufig auf Grund falscher Informationen nicht oder nur unzureichend verabreicht, so dass für Einsatz von Opioiden in Österreich noch immer eine Unterversorgung zu verzeichnen ist."

Wir machen häufig die Beobachtung, dass sich bei Patienten ein 'Schmerzgedächtnis' einstellt und der Schmerz damit chronisch wird. Ohne eine entsprechende Schmerztherapie auf Besserung zu warten, ist der falsche Weg. Nur die frühzeitige und ausreichende Behandlung hilft dabei, Dauerschmerzen vorbeugen. Viele Patienten mit akuten oder chronischen Schmerzen lassen sich gar nicht behandeln. Sie nehmen Schmerzen einfach in Kauf. Oft sorgt jedoch auch mangelndes Wissen über die verschiedenen Schmerzpräparate, ihre Anwendungsgebiete und Nebenwirkungen für Verunsicherung. Ärztlicher Rat ist deshalb unerlässlich.

Die Zielsetzung des Schmerz-Info-Busses besteht darin, die Bevölkerung über moderne Therapie- und Behandlungsmöglichkeiten zu informieren und nicht zuletzt auch ein grundlegendes Schmerzbewusstsein in der Bevölkerung zu schaffen. Zudem intensiviert die Österreichische Schmerzgesellschaft ihre Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten, die flächendeckend mit Informationen versorgt werden.

Univ.-Prof. DDr. Manfred Herold, Medizinische Universität Innsbruck, Klinische Abteilung für Allgemeine Innere Medizin, Rheumaambulanz

Patienten mit chronischen Schmerzen sind häufig immobil. Eine rasche und effiziente Schmerzlinderung hilft zur schnelleren Mobilisation, zur Normalisierung der gewohnten Lebensabläufe und zur Reduktion von immobilitätsbedingeten Begleiterkrankungen. Die enge Zusammenarbeit zwischen Hausarzt als ersten Ansprechpartner und Spezialambulanzen ist die Grundlage einer wirksamen Patientenbetreuung. Nach erfolgreicher Schmerzreduktion durch den Hausarzt sind Patienten auch bereit, weitere Therapieformen zu akzeptieren.

Der Schmerzbus der Österreichischen Schmerzgesellschaft tourt durch Österreich:

22.10.2005 Wörgl Vor Stadtamt
24.10.2005 Imst Rathausparkplatz
11.11.2005 Innsbruck Rennweg 1-4

Schmerzen messen mit Schmerzskalen

Schmerzen können als Alarmsignale auf Hitze oder Kälte, Verletzungen oder Krankheiten aufmerksam machen und damit Schaden abwenden. Wenn sich der Schmerz aber nicht mehr als vorübergehendes Signal äußert, sondern chronisch wird, büßt er seine Funktion als Warnhinweis ein und wird selbst zur behandlungsträchtigen Störung. Als chronisch werden Schmerzen bezeichnet, wenn sie über einen Zeitraum von mehr als drei bis sechs Monaten entweder anhaltend oder immer wieder bestehen. Häufig sind dabei zwar die Krankheitsursachen erkennbar, jedoch nicht heilbar. In vielen Fällen jedoch bleiben die Ursachen des chronischen Schmerzes unerkannt.

Grundlage für laufende Therapieanpassung

Schmerzen lassen sich nicht objektiv messen. Zudem fällt es vielen Menschen schwer, ihre subjektive Schmerzempfindung in Worte zu fassen, die Intensität ihrer Schmerzen zu beschrieben und geeignete Formulierungen dafür zu finden. Eine weit verbreitete Methode der Schmerzmessung sind Schmerzskalen, die auf der Einschätzung des Patienten beruhen. Über längere Zeit erhoben, ergeben die Skalenwerte eine Schmerzkurve, aus der Schlüsse über mögliche Ursachen und Einflussfaktoren sowie über die Wirksamkeit der Behandlung gezogen werden können. Damit bildet die Schmerzmessung eine wichtige Grundlage für die laufende Anpassung der Schmerztherapie an die aktuellen Erfordernisse.

Auch Magenschmerzen beachten

In der modernen Schmerzmedizin besteht heute Einigkeit darüber, dass chronische Schmerzen möglichst frühzeitig angemessen behandelt werden sollten. Opioide sind die stärksten, gut verträglichen und bei vielen Schmerzzuständen auch die wirksamsten Schmerzmittel. Es kommen aber auch andere Schmerzmittel wie etwa die entzündungshemmenden NSAR zum Einsatz. Obwohl gut wirksam, kann es jedoch unter NSAR zu erheblichen Magenbeschwerden kommen. Bei mittel- oder längerfristiger Einnahme traten sogar Schädigungen der Magenschleimhaut bis hin zu Magengeschwüren und Magenblutungen auf, und bei fortlaufender NSAR-Therapie ist ein adäquater Magenschutz anzudenken. Aus diesen Gründen wurde auch eine Frage nach Magenschmerzen in den Schmerztest aufgenommen.

Rückfragen & Kontakt:

Österreichische Schmerzgesellschaft
Aktion Schmerzlos 2005
Hotline: 0800 408 408
St. Veiter Straße 34, 9020 Klagenfurt
Tel.: 0463/585 6-17, Fax: 0463/514 222
www.oesg.at

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