Live in Ö1: die erste Saison-Premiere der Wiener Staatsoper mit Janacek und Puccini

Wien (OTS) - Österreich 1 überträgt am Sonntag, den 23. Oktober die Premiere von Leos Janaceks "Osud" und Giacomo Puccinis "Le Villi" live ab 19.30 Uhr aus der Wiener Staatsoper.

Zwei Werke höchst unterschiedlicher Art kombiniert die Wiener Staatsoper in ihrer ersten Saison-Premiere am 23. Oktober: Auf Leos Janaceks dreiaktige, aber mit einer Aufführungsdauer von nicht einmal eineinhalb Stunden nicht abendfüllende Oper "Osud" ("Schicksal") folgt Giacomo Puccinis Frühwerk "Le Villi", auf ein tschechisches Werk somit eine italienische Oper, auf ein Künstlerdrama ein Werk, das auf einer deutschen Volkssage basiert. In "Osud" singen u.a. Jorma Silvasti, Cornelia Salje, Anja Silja, John Dickie, Adrian Eröd, Georg Tichy und Asa Elmgren; in "Le Villi" Franz Grundheber, Krassimira Stoyanova und Jose Cura. In beiden Aufführungen wirken Chor und Orchester der Wiener Staatsoper mit, Dirigentin ist Simone Young.

Eine wahre Begebenheit stellt den Hintergrund von Janaceks Oper "Osud" dar. Im Sommer 1903 traf der Komponist im Kurort Luhacovice die schöne Kamila Urvalkova, die ihm ihre Lebensgeschichte anvertraute: Sie war mit dem Komponisten Vitezslav Celansky verlobt gewesen, musste diese Verbindung aber auf Druck ihres Vaters aufgeben. Celansky rächte sich daraufhin mit der Komposition der Oper "Kamila", die die junge Frau als gewissenlos bloßstellte. Janacek war von dieser Erzählung derart fasziniert, dass er versprach, dem an Kamila begangenen Unrecht mit einer Oper zu begegnen. Ursprünglich sollte sie den Namen "Der Stern von Luhacovice" tragen, im Verlauf der Entstehungsarbeit verschob sich aber das Interesse Janaceks von der Frauengestalt auf den Komponisten - das Thema eines Künstlers, der seine eigene Liebes- und Leidensgeschichte verarbeitet, trat in den Vordergrund. Das Theater von Brünn, an dem auch schon die zuvor entstandene "Jenufa" zur Uraufführung gekommen war, zeigte sich an Janaceks neuer Oper, zu der Fedora Bartosova nach einem Prosaentwurf des Komponisten Verse im Stile von Alexander Puschkin zu schreiben hatte, interessiert, Janacek selbst zog dann aber seine Zustimmung zur Aufführung zurück. Vom Komponisten für notwendig erachtete Überarbeitungen kamen nicht zu Stande, so dass das Werk letztendlich zu Janaceks Lebzeiten unaufgeführt blieb; erst 1958, dreißig Jahre nach dem Tod des Komponisten kam "Osud" in Brünn zur Uraufführung.

Ganz anders verlief die Entstehungsgeschichte von Puccinis "Le Villi": Der Komponist aus Lucca wurde von seinem Lehrer Amilcare Ponchielli ermuntert, 1883 an einem vom Verleger Sonzogno ausgeschriebenen Wettbewerb für Operneinakter teilzunehmen, und Ponchielli war es auch, der den jungen Absolventen des Mailänder Konservatoriums mit dem Librettisten Ferdinando Fontana zusammenbrachte. Für das Sujet einigte man sich auf eine deutsche Volkssage, die schon Adolphe Adam 1841 zu dessen Ballett "Giselle" inspiriert hatte. Das Werk, das von verstorbenen Bräuten erzählt, die als Geister ihren ungetreu gewordenen Liebsten auflauern und sie in einen todbringenden Tanz verstricken, entstand in der zweiten Hälfte des Jahres 1883 und wurde von Puccini fristgerecht für den Wettbewerb eingereicht - das hoffnungsvolle Talent ging jedoch leer aus. Man vermutet, dass die nur sehr schwer lesbare Partitur gar nicht erst einer ernsthaften Prüfung unterworfen wurde. 1884 kam es aber dennoch zur Uraufführung am Mailänder Teatro dal Verme, die endgültige Gestalt sollte Puccinis Opernerstling aber erst nach mehreren Umarbeitungen erhalten. Mehr zum Programm von Österreich 1 ist abrufbar unter http://oe1.ORF.at (ih)

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