Schüssel: Europa braucht Versöhnung

Buchpräsentation über Leistung des Österreichischen Versöhnungsfonds

Wien (OTS) - Gestern abend wurde das von Hubert Feichtlbaumer verfasste Buch "Zwangsarbeit in Österreich 1938-1945" im Wiener Haus der Industrie vorgestellt. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, der auch Vorsitzender des Kuratoriums des Österreichischen Versöhnungsfonds ist, wies in seiner Rede insbesondere auf die Vorbildwirkung des Fonds für die Konfliktbewältigung hin. Schüssel." Das was hier rückwirkend mit dem Fonds für die Opfer des Nationalsozialismus, für die Zwangs- und Sklavenarbeiter geleistet wurde, hat auch heute und für die Zukunft Aktualität. Hier wurde in versöhnender Form nicht über Individualschuld entschieden. Vielmehr ist es gelungen, einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung eines historischen Unrechts zu leisten. Das neue Europa darf nicht von seiner dunklen Geschichte überschattet sein. Notwendig ist es vielmehr aufeinander zuzugehen mit dem offenen Eingeständnis für die Verstrickungen in die Vergangenheit. Das, was wir mit dem Versöhnungsfonds geleistet haben, war und ist keine Entschädigung sondern eine Geste des heutigen Österreichs. Solche Gesten braucht das neue Europa." Das Buch selbst bezeichnete der Bundeskanzler als "lebendige Zeitgeschichte."

Ausdrücklich würdigte der Bundeskanzler in seiner Rückschau auf die Arbeit des Fonds die Leistungen von Dr. Maria Schaumayr, Botschafter Dr. Ludwig Steiner, StS Dr. Hans Winkler und von US Staatssekretär Stuart Eizenstat. Ebenso erinnerte er an den "unschätzbaren und unverzichtbaren" Beitrag von Dr. Ernst Sucharipa, der im vergangenen Juni verstorben ist.

Scharf kritisierte er hingegen die vor dem Verfassungsgerichtshof anhängigen Klagen gegen die Finanzierung des Beitrags der Wirtschaft aus dem Entgeltfortzahlungsfonds. Er nannte sie wörtlich einen " beschämenden Kleingeist in der Nähe von Großmut".

Als Vorsitzender des Komitees des Österreichischen Versöhnungsfonds präsentierte Botschafter Ludwig Steiner eine umfassende Leistungsbilanz. Insgesamt wurden 131.578 Anträge positiv bearbeitet. Zur Auszahlung kamen bislang 351,95 Millionen Euro. Der Fonds selbst ist mit 439 Millionen Euro dotiert. Maria Schaumayr, Regierungsbeauftragte für Zwangsarbeiterfragen, stellte in den Mittelpunkt ihrer Rede die moralische Dimension des Fonds. Schaumayr:
"Österreich hat das Leiden dieser Menschen als Lehre begriffen und sich seiner Vergangenheit und Verantwortung gestellt. Wir sollen nicht vergessen, dass es gerade die Zwangsarbeiter in der Industrie waren, die mit zum Wandel Österreichs vom Agrar- hin zum Industriestaat beigetragen haben." Heinz Kessler, ehemaliger Präsident der Industriellenvereinigung und Obmann der Plattform Humanitäre Aktion hob das Konsensklima in Österreich und die Kooperationsbereitschaft der Industrie in dieser Frage besonders hervor. So leistete die Wirtschaft zum Fonds einen Beitrag in der Höhe von 133,7 Millionen Euro ohne dass, so Kessler, "eine unliebsame Debatte wie in anderen Ländern entstanden sei".

Gleichzeitig mit dem Buch, das den österreichischen Schulen zur Verfügung gestellt wird, sind auch eine Broschüre und eine CD erschienen. Das Buch von Hubert Feichtlbauer: Zwangsarbeit in Österreich. 1938-1945. Anerkennung, Geschichte, Schicksale. Herausgeber Österreichsicher Versöhnungsfonds, ist um 20Euro im Buchhandel erhältlich. Übersetzungen des Buches erscheinen in englischer, russischer und polnischer Sprache.

Rückfragen & Kontakt:

Heidemarie Glück
Pressesprecherin des Bundeskanzlers
Tel.: (01) 531 15 / 2917

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NBU0001