Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Wien (OTS) - In einem Rückblick auf den Kolumnisten Herbert
Hufnagl fand sich auch folgende von ihm aufgezeichnete Begebenheit:
Ein Betriebsrat der Verstaatlichten wurde gefragt, ob für seine Forderungen nicht wieder der Steuerzahler aufzukommen habe. Die Antwort des Betriebsrats: Nein, dafür komme die Allgemeinheit auf.

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Nun, zum Glück gibt es heute kaum noch eine verstaatlichte Industrie. Was sich bei politisierten Banken abspielt, ist aber fast noch schlimmer: Da fiel die Bank Burgenland tölpelhaft einem Gauner herein, die Bank sollte dann ebenso unintelligent einem anderen dubiosen Financier überlassen werden - doch die burgenländischen Wähler belohnen die Schuldigen mit einem kräftigen Plus. Noch viel mehr Geld wurde vernichtet, als Wien die Bank Austria einer maroden deutschen Bank zuschob, welche danach mit den Reserven der einstigen Creditanstalt den eigenen Kollaps noch einmal um ein paar Jahre hinauszögern konnte - doch die dafür hauptverantwortliche Wiener SPÖ steht Umfragen zufolge vor einem Rekordgewinn. Nun ist offenbar die Bawag in Rekorddimension Opfer des nächsten Betrügers geworden - doch der Eigentümer ÖGB (der sich gerade selbst mit Sonderzahlungen aus der Bawag bedient hat) findet alles in Ordnung.
Unternehmertum bedeutet immer Risiko. Aber sobald Politiker als Kapitalisten dilettieren, wird es für Steuerzahler, Gewerkschafter oder Kunden besonders teuer. Pardon: für die Allgemeinheit.

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Nie habe beim EU-Beitritt jemand "von Österreich verlangt, mit seiner Nazi-Vergangenheit aufzuräumen", tadelt der Berliner "Tagesspiegel". Kein Zweifel, da ist manches vergessen worden. Aber in Relation zu Deutschland hat Österreich viel intensiver aufgeräumt. Und es hatte im Übrigen auch keinen Kanzler, der unkritisiert im Dritten Reich nur "seine Pflicht erfüllt hat", wie Helmut Schmidt, und keinen, der einst bei der NSDAP gewesen war, wie Kurt Georg Kiesinger, der Chef der bisher einzigen großen Koalition Deutschlands.

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