OeNB - Stabilität verlangt nach Erneuerung

Gouverneur Liebscher mahnt Umsetzung von Wachstumskonzepten ein

Wien (OTS) - "Wir befinden uns momentan in einer schwierigen
Periode der Veränderung und des Umbruchs. Die Schwierigkeit besteht darin, Gesetze und Strukturen, die für eine gewisse Zeit höchst erfolgreich und angemessen waren, nun an neue Anforderungen anzupassen. Es ist verständlich, wenn Bestehendes auch aus Ungewissheit vor dem Neuen verteidigt wird. Die Rolle der Politik muss daher darin bestehen, die Notwendigkeit von Veränderung zu erklären, angemessene Maßnahmen und Reformen umzusetzen und die Bevölkerung beim Veränderungsprozess zu unterstützen", betonte Gouverneur Dr. Liebscher anlässlich der Reihe "Wirtschaft im Gespräch" beim Kuratorium zur Förderung der Wirtschaftsuniversität Wien.

Schlagwörter wie Globalisierung, Stagnation, Ölpreise, Naturkatastrophen, Arbeitslosigkeit, Bevölkerungsalterung sowie steigende Budgetdefizite verleiten nach Gouverneur Liebscher leicht zum Pessimismus. "Ich bin jedoch überzeugt, dass wir auch diesen Herausforderungen gewachsen sind", zeigte sich Gouverneur Liebscher zuversichtlich.

Eine stabilitätsorientierte Geldpolitik, nachhaltig gesunde Fiskalpolitik sowie produktivitäts- und beschäftigungssteigernde Strukturpolitik bilden die drei Säulen der "Stabilitätsarchitektur" der Wirtschafts- und Währungsunion. Bei angemessener Umsetzung der Ziele biete diese Architektur alle Voraussetzungen für eine Steigerung des Wachstumspotenzials.

Die hohe Glaubwürdigkeit des Eurosystems trage maßgeblich dazu bei, dass die kurzfristigen Nominalzinsen auf dem niedrigsten Stand seit 100 Jahren bei Inflationserwartungen um die 2% liegen. Großer Nachholbedarf bestehe aber, so Gouverneur Liebscher, bei der Konsolidierung der öffentlichen Haushalte und weiteren Strukturreformen zur Steigerung von Produktivität, Beschäftigung sowie internationaler Wettbewerbsfähigkeit.

Die europäischen Länder sollten in der Umsetzung von Reformen nicht davor zurückscheuen, von anderen Ländern zu lernen und somit die Vorteile der Europäischen Union als Staatengemeinschaft aktiv zu nutzen. Österreichs EU-Beitritt habe als Katalysator für Neuerungen gewirkt und der Reformelan der neuen Mitgliedsländer sei beispielhaft dafür, was in kurzer Zeit an Veränderungen möglich sei.

Die EU befände sich keineswegs im Stillstand: "Die Fortschritte in der Vollendung des Binnenmarkts werden sich früher oder später in höherem Produktivitäts- und Wirtschaftswachstum sowie gesteigerter Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen niederschlagen", zeigte sich Gouverneur Liebscher überzeugt.

Rückfragen & Kontakt:

Oesterreichische Nationalbank
Sekretariat des Direktoriums /
Öffentlichkeitsarbeit
Tel.Nr.: (++43-1) 404 20 DW 6666
http://www.oenb.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | ONB0002