Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Wien (OTS) - Britische Müllsünder

Also beschloss die Bundesregierung, dass es zum 85. Jahrestag der Kärntner Volksabstimmung eine "Abstimmungsspende" in der Höhe von zwei Millionen Euro geben soll. Man wunderte sich ein wenig: Erstens darüber, was heutzutage schon alles ein rundes Jubiläum sein will. Zweitens, warum da alle Österreicher heute noch spenden sollen. Zur nachträglichen Wählerbestechung etwa?

Tags darauf wunderte man sich noch viel mehr: Aus Kärnten kam nicht etwa ein herzliches "Danke", sondern die einstimmige Forderung nach Verdoppelung der "Spende" auf vier Millionen Euro. Und die Initiative für die Forderung stammte - von der SPÖ. Jener Partei, die eine Woche zuvor noch heftig die Schulden der Republik gerügt hat.

Die "Wiener Zeitung" will da nicht zurückbleiben und fordert nicht vier, sondern acht Millionen Euro. Schließlich haben wir nicht erst nächstes Jahr Wahlen, sondern wollen schon heuer unsere Leserzahlen in Kärnten vermehren.

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Einsparungen hat Österreich dafür den Briten zu verdanken. Das Vorsitzland der EU hat den nächsten Gipfel der Union von zwei Tagen auf einen verkürzt. Das spart Reisediäten.

Wundern muss man sich aber auch hier. Denn in der EU gäbe es eigentlich sehr viel zu besprechen: die Einsparungen bei den Agrarförderungen; die in einem Bermuda-Dreieck verschwundene Verfassung; die Strategie für die nun anlaufenden Verhandlungen mit der Türkei, Kroatien und Serbien; oder den totalen Dissens über das künftige Budget. Die Briten wollen offenbar den gesamten europäischen Müll dem nächsten Vorsitzland vor die Tür leeren. Und dieses Land heißt - Österreich.

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Die neue deutsche Linkspartei macht‘s möglich: Zum ersten Mal sitzt ein hauptamtlicher Agent der ehemaligen Stasi im deutschen Bundestag. Das war eine der übelsten Mord- und Terror-Organisationen des letzten halben Jahrhunderts. Und da sage noch einer, in Deutschland gäbe es keinen Fortschritt mehr . . .

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