Franz Fischler: Die Menschen satt zu machen geht uns alle an

Wien (OTS) - "Immer noch leiden viele Menschen in unserer Welt Hunger, die ausreichende Versorgung mit Lebensmitteln und sauberem Trinkwasser weltweit ist alles andere als selbstverständlich und stellt ein gewaltiges Problem dar. Das Grundrecht auf Nahrung wurde 2000 durch die Millenniumsentwicklungsziele erneut bekräftigt, wir sind daher aufgerufen, bessere Lösungen zu finden, um alle Menschen satt zu machen", betont Franz Fischler, Präsident der Ökosozialen Foren, am Dienstag, den 11. Oktober 2005, bei der Veranstaltung in der Wiener Börse zum Thema "Macht - Globalisierung - Hunger: Wen wird die Landwirtschaft in Zukunft ernähren?", die das Ökosoziale Forum Österreich gemeinsam mit der Austrian Development Agency und dem Lebensministerium veranstalten.

Mit dem Potenzial der Landwirtschaft globalen Hunger bekämpfen "Die Landwirtschaft hätte heute das Potenzial, 12 Milliarden Menschen zu ernähren. Trotzdem müssen immer noch 14 % der Weltbevölkerung hungern. Ernährungssicherheit ist nicht so sehr eine Frage des Produktionsvolumens, sondern vielmehr eine Frage des Zugangs zu den Lebensmitteln. Entscheidend dafür, was in den Ländern der Dritten Welt angebaut wird, sind oft nicht die Bedürfnisse der eigenen Bevölkerung, sondern die Gewinne, die im Agrarexport international erzielt werden können. Die betroffenen Menschen können sich nicht einmal ein Mindestmaß an Lebensmitteln leisten", erklärte Franz Fischler.

Hunger ist kein Naturereignis - Kaufverhalten kann gegensteuern Fischler streicht die Einflussgröße jedes Einzelnen im Kampf gegen den Hunger hervor. Hunger hätte soziale, wirtschaftliche und politische Ursachen. Dies seien Überlegungen, die nicht nur Entwicklungsländer, internationale Organisationen oder international agierende Unternehmen interessieren müssten. Wir alle hätten mit unserem Kaufverhalten die Möglichkeit, steuernd einzugreifen. Aufgabe der Politik sei es, in diesem Zusammenhang dem Konsumenten die Auswahl im Supermarkt durch entsprechende und verbindliche Kennzeichnungen der Waren zu erleichtern. Klare Regelungen verbunden mit effizienten Kontrollen seien unverzichtbar, um dem Konsumenten überhaupt die Möglichkeit zum bewussten Einkaufen zu geben.

EU mit Vorbildwirkung

Die EU hätte ihre Agrarmärkte für die ärmsten Staaten der Welt geöffnet und leistete gemeinsam mit den Beiträgen aus den Mitgliedsstaaten pro Kopf bereits doppelt so viel an Entwicklungshilfe wie die USA. Europa sei gewissermaßen einen Schritt voraus. Trotzdem müsse Entwicklungshilfe in Menge und Qualität verbessert werden. Auch andere Industriestaaten müssen endlich mehr Agrarimporte zulassen. "Da die Agrar- und Ernährungswirtschaft in den armen Ländern der Welt den weitaus wichtigsten Wirtschaftssektor darstellt, kommt diesem Sektor eine Schlüsselrolle zu. Ohne fairen Agrarhandel, ohne technische Hilfe, ohne Landentwicklung werden die meisten armen Länder arm bleiben", strich Fischler hervor.

Entwicklungsländer ernst nehmen - Chancen am Weltmarkt verbessern Weiters meinte er: "Wenn wir es mit den Entwicklungsländern ernst meinen, müssen wir ihnen eine faire Chance auf den Weltmärkten geben. Das bedeutet: Sie brauchen Handelschancen und zugleich die notwendige strukturelle Hilfe, um diese auch wahrnehmen zu können. Sie brauchen 'trade' und 'aid', um aus der Armutsfalle herauszufinden." In der laufenden Doha-Runde will die WTO für die Entwicklungsländer neue Chancen eröffnen, am Welthandel teilzunehmen.

Ausweg aus der Krise

Einen endgültigen Ausweg aus der Krise sieht Fischler im Global Marshall Plan für eine weltweite Ökosoziale Marktwirtschaft weisen. Dieser Plan mache es sich einerseits zum Ziel, bis 2015 die Millennium Development Goals zu erreichen und die dafür erforderlichen Finanzmittel zur Verfügung zu stellen. Andererseits solle Schritt für Schritt über eine internationale Kofinanzierung die globale Umsetzung von sozialen und ökologischen Standards möglich gemacht werden. Davon würden sowohl die ärmeren Länder als auch die reicheren profitieren - eine Win-Win-Strategie also.

Die gemeinsame Presseaussendung von Ökosozialem Forum Österreich, Lebensministerium und ADA zur Veranstaltung sowie Fotomaterial sind von unserer Homepage ( http://www.oekosoziales-forum.at ) herunter zu laden.

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