ÖAMTC und ÖBFV fordern: Effektiver Fahrzeugbrand-Schutz muss endlich Standard werden (Teil 1)

Präsentation eines Sicherheitspaketes zur Brandvermeidung und -bekämpfung

Wien (OTS) - "Es ist eine traurige Tatsache, dass dem Thema Fahrzeugbrand nur dann Bedeutung geschenkt wird, wenn wieder einmal etwas passiert ist", stellt ÖAMTC-Generalsekretär Hans Peter Halouska fest. Auch ohne Anlassfall muss effektiver Brandschutz endlich Standard werden. Der Österreichische Bundesfeuerwehrverband (ÖBFV) und der ÖAMTC haben nun gemeinsam wirksame Strategien zur Vermeidung und Bekämpfung von Fahrzeugbränden entwickelt. Ein gemeinsames Sicherheitspaket wurde heute, Dienstag, bei einer Reihe von Fahrzeugbrand-Vorführungen in der Landesfeuerwehrschule in Eisenstadt vorgestellt.

"Schwere Unfälle verursachen nicht nur menschliches Leid, sondern in der Behandlung und Rehabilitation von Brandverletzungen auch hohe technische Aufwände und somit Folgekosten", sagt ÖAMTC-Vizepräsident und Unfallchirurg Harald Hertz. Nach einem "normalen" Unfall steht der Verletzungsgrad eines Unfallopfers sofort fest. Nach einem Unfall mit Fahrzeugbrand müssen sofort Maßnahmen gesetzt werden, um Unfallopfer aus dem Wagen zu retten und so schlimmste Brandverletzungen zu vermeiden. "Erstens ist es wichtig, dass möglichst viele Autolenker Feuerlöscher mitführen und im Notfall benützen", sagt Hertz. "Zweitens müssen die technischen Voraussetzungen geschaffen werden, damit Brände erst gar nicht entstehen oder rechtzeitig eingedämmt werden, bevor sie ins Innere des Fahrzeugs vordringen."

"Kein Kraftfahrer darf die Augen vor der Thematik Fahrzeugbrand verschließen", appelliert Manfred Seidl, Präsident des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes. "Die Statistik des ÖBFV zeigt, dass es jeden Tag mindestens fünf Fahrzeugbränden in Österreich gibt und es eigentlich jeden treffen kann." 1.844 Fahrzeuge brannten im Jahre 2004 in ganz Österreich, darunter 1.621 Pkw und 223 Lkw. Die zunehmende Zahl der Fahrzeugbrände wird vom Österreichischen Bundesfeuerwehrverband bereits seit Jahren mit Sorge beobachtet, eine genauere Untersuchung wird angestrebt.

In der zweiten Hälfte des vorigen Jahres kam es in Ostösterreich zu einer Häufung von Fahrzeugbränden, was auch die Medien auf dieses Thema aufmerksam gemacht hat. "Nach Beschluss in der 284. Präsidialsitzung ist der ÖBFV eine Kooperation mit dem ÖAMTC eingegangen, mit dem Ziel, geeignete Vorbeugungsmaßnahmen zu fordern und Handfeuerlöscher zu entwickeln und zu prüfen. Parallel dazu sollen die Autohersteller und Autozulieferer aufgefordert werden, automatische Löschanlagen für den Fahrzeugbereich zu testen und auch einzubauen", erläutert Seidl. "Die heutige Präsentation zeigt die Effizienz von Handfeuerlöschern im Zuge eines Fahrzeugbrandes. Erstmals wird der Öffentlichkeit auch die Neuentwicklung eines automatischen Feuerlöschsystems der Firma BECOM vorgeführt, um Entstehungsbrände bei Fahrzeugen frühzeitig zu erkennen, effektiv zu bekämpfen und auch Leben zu retten."

Das nun präsentierte gemeinsame Sicherheitspaket von ÖAMTC und dem Österreichischen Bundesfeuerwehrverband enthält wichtige Forderungen zur Brandvermeidung und -bekämpfung. "Setzt man die Forderungen auf nationaler und EU-Ebene um, könnte man über 90 Prozent der Fahrzeugbrände vermeiden bzw. ihre Folgen minimieren", ist ÖAMTC-Generalsekretär Hans Peter Halouska überzeugt.

Sicherheitspaket für Pkw:

* Empfehlung an die Autolenker, einen Feuerlöscher mitzuführen: Im Idealfall sollte sich ein 2-Kilogramm-Pulverlöscher an Bord jedes Autos befinden. Gemeinsame Tests von ÖAMTC und ÖBFV haben gezeigt, dass auch Minimallösungen, wie z.B. 500-Gramm-Schaumlöscher dazu beitragen können, einen Entstehungsbrand wirkungsvoll einzudämmen.

* Forderung an die Auto- und Feuerlöscher-Hersteller, eine Befestigungsmöglichkeit für 2-Kilogramm-Norm-Feuerlöscher im Fahrzeug zu schaffen: Oft scheitert der Einbau von Löschern daran, dass im Fahrzeuginneren die Beinfreiheit des Beifahrers eingeschränkt wird. Im Kofferraum montierte herkömmliche Handfeuerlöscher nehmen viel Platz in Anspruch und können bei unsachgemäßer Montage bei einer Notbremsung zum gefährlichen Geschoss werden.

* Forderung nach Einbau von automatischen Löschsystemen: Das Prinzip des Brandschutzes muss umfassend in Fahrzeugkonstruktion und Fahrzeugbau integriert werden. Alle Pkw, Lkw und Busse sollen mit automatischen Löschanlagen ausgerüstet werden. Erstens wird dadurch ein Brand im Motorraum rasch entdeckt und gelöscht. Zweitens kann ein Brand nach einem Unfall auch dann bekämpft werden, wenn die Fahrzeugpassagiere dazu nicht in der Lage sind.

* Einbau von Einrichtungen, die im Crashfall automatisch die Stromzufuhr unterbrechen und dadurch die Gefahr des Ausbruchs von Bränden minimieren.

* Verpflichtender Theorieteil im Rahmen der Führerschein-Ausbildung: Das richtige Verhalten bei Brandunfällen soll EU-weit in die Ausbildung aller Führerscheinklassen einbezogen werden, um die Bereitschaft und Kompetenz aller Verkehrsteilnehmer zur aktiven Hilfe bei Fahrzeugbränden zu steigern.

Sicherheitspaket für Lkw und Busse:

  • Mitnahmeverpflichtung von 6-Kilogramm-Pulverlöschern: Alle Lkw und Busse sollen größere Feuerlöscher an Bord haben, um im Falle eines Brandes bei einem anderen Fahrzeug helfen zu können.
  • Einbauverpflichtung von automatischen Feuerlöschanlagen im Motor- und Insassenbereich.
  • Einbauverpflichtung von Hitzesensoren: Im Bereich von sensiblen Zonen (Reifen) müssen alle Lkw automatische Luftdruck-/Temperaturwächter eingebaut haben. Die Ausstattung soll auf EU-Ebene gesetzlich vorgeschrieben werden.
  • Einbau von Einrichtungen, die im Crashfall automatisch die Stromzufuhr unterbrechen und dadurch die Gefahr des Ausbruchs von Bränden minimieren.
  • Auch in der Berufskraftfahrer-Ausbildung muss die Handhabung von Feuerlöschern und das richtige Verhalten bei Brandunfällen verankert werden.

Der ÖAMTC hat dem Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie ein Vorschlagspapier übermittelt, damit Vizekanzler Hubert Gorbach die Erweiterung von EU-weit gültigen Bau- und Ausrüstungsvorschriften bei Pkw, Lkw und Bussen vorantreiben kann. Das Vorschlagspapier beinhaltet etwa die Forderung nach einer automatischen Unterbrechung der Kraftstoffzufuhr im Crashfall und die Schaffung einer Befestigungsmöglichkeit für 2-Kilogramm-Norm-Feuerlöscher im Fahrzeug.

Außerdem setzt sich der ÖAMTC dafür ein, dass Unfälle in Zusammenhang mit Fahrzeugbränden EU-weit einheitlich in den Polizei-Unfallprotokollen vermerkt werden, um auf einer gesicherten statistischen Basis gezielt Unfallursachen zu erforschen.

(Forts.)

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