NOVELLE DES FÜHRERSCHEINGESETZES: RISIKOPOTENZIAL FÜR JUGENDLICHE

Die achte Novelle des Führerscheingesetzes soll bereits 16-Jährigen die Motorradausbildung ermöglichen - KfV befürchtet einen Rückschritt in der Sensibilisierung junger Lenker

Wien (OTS) - Am Mittwoch wird im Verkehrsausschuss die achte
Novelle zum Führerscheingesetz behandelt. "Leider wurde in diesen Entwurf auch eine Maßnahme aufgenommen, die den Experten im Begutachtungsverfahren nicht vorlag und die wir im Sinne der Verkehrssicherheit für sehr bedenklich halten", bedauert Dr. Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV). "Die Ausbildung zum Lenken eines Motorrades soll demnach schon mit 16 Jahren möglich sein." Paradox dabei ist aber, dass die theoretische und praktische Prüfung erst mit 18 gemacht werden darf.

Nach Ansicht des KfV läuft diese Gesetzesänderung anderen Bemühungen, die Sicherheit von Jugendlichen im Straßenverkehr zu erhöhen, genau entgegen. "Zum einen wurde die Pkw-Führerscheinausbildung L17 deshalb eingeführt, um Jugendlichen möglichst frühzeitig eine Alternative zu gefährlichen einspurigen Fahrzeugen zu bieten. Diese Maßnahme war sehr erfolgreich, denn L17-Lenker verursachen um rund 15 Prozent weniger Unfälle als Jugendliche mit normaler Fahrschulausbildung", betont Thann. "Außerdem gehen auch auf EU-Ebene sämtliche Bestrebungen dahin, aufgrund der Gefährlichkeit die Altersgrenzen für Zweiräder anzuheben." Deshalb appelliert das KfV an die Mitglieder des Verkehrsausschusses, diese nicht begutachtete Maßnahme nicht zu beschließen.

Als besonders negativ betrachtet das KfV die lange zeitliche Distanz zwischen Ausbildung, Prüfung und der tatsächlichen motorisierten Teilnahme am Straßenverkehr. "Wir haben dann Jugendliche im Straßenverkehr, die mit 16 die Ausbildung machen, vielleicht - außer bei der Prüfung - vier Jahre lang keinen Kilometer fahren und sich aufgrund des Stufenführerscheins mit 20 ohne weiteres ein zweirädriges Geschoss mit bis zu 135 KW - also rund 180 PS - kaufen können", gibt Thann zu bedenken.
Zusätzlich treffen zwei besonders ungünstige Tatsachen aufeinander:
Zum einen stellen 15- bis 24-Jährige wegen ihres jugendlichen Leichtsinns und massiver Selbstüberschätzung schon jetzt ein Drittel der Verunglückten und ein Viertel der Getöteten in Österreichs Straßenverkehr. Gleichzeitig ist das Risiko, bei einem Motorradunfall tödlich zu verunglücken, dramatisch höher: Auf 1.000 Motorradunfälle kommen 29 getötete Motorradlenker - bei 1.000 Pkw-Unfällen sterben durchschnittlich 11 Pkw-Lenker. Das Tötungsrisiko ist für einen Biker also rund 2,6 Mal höher als für einen Autofahrer.

Im Jahr 2004 waren 18 Prozent der verletzten und 17 Prozent der getöteten Motorrad-Lenker zwischen 18 und 24 Jahren alt. "Unser Ziel sollte es sein, alle Potenziale auszuschöpfen, um diese Prozentsätze zu senken", fordert Thann. "Die geplante Gesetzesänderung gehört unserer Meinung nach aber nicht dazu."

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