WirtschaftsBlatt Kommentar vom 8.10.2005: UniCredit fällt unter die Heuschrecken - von Herbert Geyer

Wien (OTS) - Bist zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe liegt das erneuerte Angebot der UniCredit für die Übernahme der HVB noch nicht vor. Was immer es enthalten wird - zumindest eines scheint sicher:
Die Änderung des Angebots erfolgt vor allem deswegen, um den Italienern eine Galgenfrist von zwei Wochen zu verschaffen. Denn dass nun eine längere Kartellprüfung oder gar eine Ablehnung der Fusion der polnischen Töchter von UniCredit und BA-CA kein Grund mehr sein soll, auf eine Übernahme zu verzichten, hat ja nicht wirklich Neuigkeitswert.
Was wirklich dahinter steckt, pfeifen die Spatzen von den Dächern:
Die Italiener sind weit davon entfernt, die angestrebten 65 Prozent an der HVB zum bisher gebotenen Preis auch wirklich zu erhalten. Und sie freuen sich über jeden zusätzlichen Tag, der es ihnen ermöglicht, ihrem Ziel näher zu kommen.
Abgesehen vom Grossaktionär Münchener Rück, der sich über schöne Buchgewinne freut, weil er die HVB-Aktien noch viel billiger in seinen Büchern stehen hat, behalten die meisten Aktionäre ihre Nerven und schauen sich erste Reihe fussfrei an, was UniCredit noch alles unternehmen wird, um doch noch an die begehrten Aktien heranzukommen.

Die HVB-Besitzer geraten zusätzlich in die pikante Situation, endlich einmal auch von Hedge Fonds zu profitieren, die zuletzt ja vor allem als Heuschreckenplage auf dem Finanzmarkt verschrieen waren. Denn unter den Aktionären, die sich dem Umtauschangebot der UniCredit widersetzen, befinden sich auch zumindest zwei Hedge Fonds, die in der Hoffnung auf Übernahmegewinne bei der HVB eingestiegen sind. Von jedem zusätzlichen Cent, den diese Heuschrecken auf das Übernahmeangebot herausschlagen können, profitieren alle übrigen Aktionäre.
Und sie können entspannt zuwarten: Schlechter wird das Angebot ja nicht werden - und falls es platzt, bleibt immer noch die Hoffnung, dass eine sanierte HVB aus eigener Kraft ihren Kurs steigert.
Schade nur, dass BA-CA-Aktionäre die Sache nicht so locker sehen können: Da die Mehrheit an der BA-CA fix in der HVB verankert ist, gibt es hier keinen Übernahmepoker. Und da der BA-CA-Kurs durch das Übernahmeangebot fix an den der UniCredit gebunden ist - eine BA-CA-Aktie ist knapp 20 UniCredit-Aktien wert -, können sie nur hoffen, dass die Italiener für die HVB nicht zu viel zahlen müssen -wenn deren Kurs sinkt, würde das auch die BA-CA-Aktien entwerten.

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