"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Abgesang in Orange"(Von GÜNTHER SCHRÖDER)

Ausgabe vom Freitag, 7. Oktober 2005

Innsbruck (OTS) - Der Mann hat gut lachen. FPÖ-Obmann Strache kommentierte das Abschneiden des verhassten BZÖ bei der steirischen Landtagswahl mit einem lakonischen "Das war`s." Dabei hatte es nicht einmal seine eigene Partei in den Landtag geschafft. Doch während die Blauen nur an 920 Stimmen scheiterten, kam Haiders oranges BZÖ-Projekt mit blamablen 1,7 Prozent völlig unter die Räder. Dabei hatte BZÖ-Gründervater Jörg Haider samt der BZÖ-Ministerriege die vergangenen Wochen zum Wahlkampf in der Steiermark verbracht. Wenn Haider einige Tage später an der Glaubwürdigkeit seines jüngsten politischen Babys zweifelt und schon wieder von einem neuen Projekt, einer "Sammelbewegung", träumt, dann sollte er sich zuerst bei der eigenen Nase nehmen.

Dabei stimmt die Erkenntnis, dass die Orangen allein keine Chance haben. Allzu offensichtlich ist, was die Abspaltung wirklich war: Die Rettung der eigenen (Minister-)Posten.

Wiedervereinigungsideen werden ausschließlich von orangen Politikern bzw. von koalitionstreuen Blauen gewälzt. Die FPÖler rund um Strache - und damit auch der Tiroler FP-Chef Hauser - schauen dem Abgesang genüsslich zu. Spätestens in Wien am 23. Oktober kommt der nächste Tiefschlag.

Es scheint kaum noch eine andere Möglichkeit mehr zu geben, als die letzten Ministermonate auszukosten und auf Jobsuche zu gehen. Jörg Haider sollte sich mit dem Gedanken anfreunden, dass seine poltische Karriere diesmal wirklich zu Ende geht.

Auch wenn das so manche Nervenkrise auslöst - derzeit scheint nicht einmal Haider selbst bereit zu sein, sein politisches Sterben durch eine Koalitionskrise samt Neuwahl vorzuziehen. Die ÖVP muss sich aber spätestens Ende 2006 einen neuen Partner suchen, sie scheint ihn in den Grünen schon gefunden zu haben. Vorausgesetzt Schüssel und die Seinen überwinden den Schock des LH-Verlustes in der Steiermark. Denn auch der sitzt tief.

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