"Kleine Zeitung" Kommentar: "Warum eine Wiedervereinigung von BZÖ und FPÖ illusorisch ist" (Von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 05.10.2005

Graz (OTS) - Nach Trennungen, sagen Kundige, komme es vor, dass dann, wenn es beiden Hälften miserabel geht, eine rückwärts gewandte Sehnsucht aufflackert, es noch einmal miteinander zu versuchen.

Meist sind es sentimentale Wallungen, die an der Wirklichkeit rasch abprallen. Die Gräben, die zum Bruch geführt haben, sind immer noch da und verunmöglichen den Weg zurück in die Gemeinsamkeit.

Ähnlich ergeht es dem geschiedenen Paar BZÖ/FPÖ. Die Gegenwart ist düster und der Fluchtweg in die Vergangenheit versperrt. Er wäre auch dann nicht frei, wenn H.-C. Strache und Jörg Haider weichen würden. Es bliebe immer noch ein fundamentaler Gegensatz, der nicht auflösbar ist:

Das BZÖ bezieht seine einzige Existenzgrundlage aus der Beteiligung an der Regierung. Es lebt, solange es diese Regierung gibt. Die FPÖ bezieht ihre Existenzgrundlage aus der Nicht-Beteiligung an der Regierung. Sie lebt, solange sie ohne Scham vom rechten Rand aus Stimmung, Krawall und Opposition machen kann. In Wien wird es reichen, um halbiert im Landtag zu bleiben.

In der Steiermark hat es nicht gereicht. Und wer die schäbigen Plakate der Freiheitlichen in Erinnerung hat ("In Prag habe ich studiert, in Graz gehe ich auf den Strich"), der kann dem Stimmbürger zu dieser Resistenz nur gratulieren.

Die Wahl hat gezeigt, dass sich BZÖ und FPÖ gegenseitig ins politische Nichts parzellieren. Die Spaltung hat den Zerfallsprozess des Dritten Lagers beschleunigt. Jörg Haider hat seine In-vitro-Schöpfung BZÖ erstmals einer demokratischen Legitimation durch den Wähler unterzogen und eine seiner schlimmsten Zurückweisungen erfahren. Er sprach auf leeren Hauptplätzen und fiel hinter die FPÖ zurück. In Wien droht ähnliches Ungemach.

Das Bündnis Zukunft hat keine. Es handelt sich um ein Kunstprodukt, das ideologisch im luftleeren Raum zirkuliert. Die alten, nationalen Klassiker hält die FPÖ besetzt, und wer empfänglich ist für Heuschrecken-Schelte, greift gleich zur Platte der SPÖ. Die verbliebenen Räume macht Schüssels VP eng. Sie zeigt wenig Lust, den Bündnispartner mit gängigen Ressentiment-Themen (Türkei, Asyl) punkten zu lassen. Sie kann es auch.

Haider will "eine politische Heimat für Heimatlose" bieten. Aber wie geht das, wenn man selbst heimatlos geworden ist? Er will eine neue "Sammelbewegung'" gründen, aber vorstellbar ist weder das Sammeln noch die Bewegung. Jörg Haider kann die boomende Sehnsucht nach einem "Politiker anderen Typs" nicht mehr stillen. Er, der es so lange gewesen ist.****

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