"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Gönner wehrt sich" (Von Gerd Glantschnig)

Ausgabe vom 5. Oktober 2005

Innsbruck (OTS) - Auf 177 Seiten versucht Richterin Veronika Webhofer-Rigger zu erklären, warum Gernot Langes-Swarovski für eine Bankgarantie über 1,8 Mio. Euro nicht nur einmal, sondern zweimal zur Kasse gebeten werden soll. Die Urteilsbegründung ist ein kompliziertes juristisches Geflecht, das sich verkürzt schlicht und einfach nicht mehr darstellen lässt.

Also bleibt nichts anderes übrig, als es mit dem gesunden Hausverstand zu versuchen: Da gibt es also einen allseits bekannten Gönner des Tiroler Spitzenfußballs, der bereits oft genug tief in seine private Tasche gegriffen hat, wenn wieder einmal Not am Geld war.

Gernot Langes hilft also mit einer Bankgarantie über 1,8 Mio. Euro aus, die von der Tiroler Sparkasse dann in Anspruch genommen werden kann, wenn der FC Tirol nicht mehr in der Lage ist, seine Kreditrückzahlungen zu leisten. Ende 2000 trennt sich die Sparkasse vom FC Tirol und Langes muss für die offenen Forderungen der Sparkasse blechen. Also sind 1,8 Mio. Euro erst einmal futsch. Der FC Tirol geht zur Raiffeisenlandesbank (RLB) und bittet Langes, weiterhin mit einer Bankgarantie zu helfen. Der ist jedoch nur dann dazu bereit, wenn ihm die bereits von der Sparkasse einkassierten 1,8 Mio. Euro ersetzt werden. Das geschieht und Langes stellt für die RLB eine Bankgarantie zur Verfügung. Der FC Tirol geht schließlich doch den Bach hinunter und die RLB kassiert von Langes die 1,8 Mio. Euro.

Und nur weil die RLB direkt an Langes die 1,8 Mio. Euro ersetzt hat, die er der Sparkasse zahlen musste, heißt es, er sei als Gläubiger begünstigt worden.

Wenn allerdings die 1,8 Mio. Euro von der RLB nicht über Langes, sondern direkt an die Sparkasse geflossen wären, hätte es wohl kaum eine Klage gegeben, da nur die Gläubiger ausgewechselt worden sind. Und so könnte es passieren, dass ein unglücklicher Ablauf des Wechsels von der Sparkasse zur RLB Langes auf den Kopf fällt. Man darf gespannt sein, wie das Berufungsgericht entscheidet.

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