Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Wien (OTS) - Ernsthaft bleiben

Gemäßigt und staatsmännisch: so präsentiert sich der angehende steirische Landeshauptmann Franz Voves. Ein Musterbeispiel, wie man nach einem Wahlerfolg in der Öffentlichkeit agiert.
Und dann taucht im Fernsehen plötzlich ein steirischer ÖGB-Boss auf und verlangt, dass nun alles anders werden müsse: Vor allem müsse den Aktionären endlich verboten werden, ihre Aktien zu verkaufen. Na bumm. Welches Gesicht der SPÖ gilt nun? Wie wird sie es zumindest bis zur Nationalratswahl schaffen, alle radikalen Gewerkschafter und Gesellschaftsveränderer zu verräumen?

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Österreich hat in diesen Tagen und Stunden sehr um sein internationales Standing zu ringen. Es sollte den Eindruck vermeiden, dass bei uns irgendwelche rückständigen Hinterwäldler Amok laufen. Ob da die neueste - diesmal aus Vorarlberg geschürte - Aufregung sehr hilfreich ist? Nach erfolglosen Atomkriegen gegen Tschechien, die Slowakei, Slowenien, Ungarn und Deutschland wird nun die Schweiz attackiert, weil sie - in Wahrheit: endlich! - ein Endlager für Atommüll errichten will. Verwechselt da jemand ein Atomlager, aus dem schlimmstenfalls lokale Strahlung austreten kann, mit einem Kraftwerk? Glaubwürdigkeit gewinnt Österreich auf diese Weise sicher nicht.

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Alfred Gusenbauer hat recht: Früher wäre es leichter gewesen, die EU-Mitgliedschaft der Türkei abzuwehren. Zum Beispiel beim EU-Gipfel 1999, bei dem Österreichs Delegation von einem gewissen Viktor Klima geleitet worden ist. Wo man aber offenbar alle intriganten Energien der aufziehenden schwarz-blauen Gefahr widmen musste.

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Die Türkei wundert sich lautstark, dass ein so kleines Land wie Österreich ihre EU-Mitgliedschaft verhindern hätte können. Mit dieser Einstellung liefert Ankara gleich einen weiteren Grund, weshalb seine Mitgliedschaft ganz sicher nicht dem europäischen Geist entspricht. Als ob es an solchen Gründen gefehlt hätte.

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