Eisenbahngüterverkehr durch verbesserte Rahmenbedingungen konkurrenzfähiger machen

WKÖ-Vizepräsident Schenz: "Erfolgsmodell Anschlussbahnen in Österreich" - Rückgrat des Schienenverkehrs - Österreichische Bahnen an Mittel- und Osteuropa-Märkten orientiert

Wien (PWK734) - Als "österreichisches Erfolgsmodell" bezeichnete Richard Schenz, Vizepräsident der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), heute, Dienstag, die Anschlussbahnen in Österreich: "Sie bilden das Rückgrat des Schienenverkehrs. Über sie werden rund 60 Prozent des gesamten Schienengüteraufkommens abgewickelt", führte er in seiner Eröffnungsrede zur sehr gut besuchten Veranstaltung "Gütermobilität in Europa" im Haus der Wirtschaft aus. Immerhin 62 Anschlussbahnen wurden im Zeitraum von 2000 bis 2004 in Österreich entweder neu errichtet oder erweitert. Maßgeblicher Faktor dabei ist die Anschlussbahn-Förderung durch die öffentliche Hand.

Rund 86 Millionen Tonnen wurden im Jahr 2004 auf der Schiene transportiert, das bedeutet eine Steigerung um rund 4,3 Prozent im Vergleich zu 2003. Damit stellt sich, so Vizepräsident Schenz, die österreichische Situation Im EU-Vergleich sehr positiv dar. Während in Deutschland beispielsweise der Anteil der Schiene nur etwas 15 Prozent beträgt, kommt Österreich im internationalen Vergleich mit einem Anteil der Schiene am Gesamtverkehrsaufkommen von rund 33 Prozent eine Ausnahmeposition zu. Konsequenter Weise orientieren sich die österreichischen öffentlichen Bahnen an den "Zukunftsmärkten" in Mittel- und Osteuropa, die ein weit aus dynamischeres Wirtschaftswachstum aufweisen als die EU-15 (Rumänien 2004: +7,2 Prozent, Bulgarien +5,5 Prozent, Slowenien: + 4,0 Prozent). Der Außenhandel in diesen Staaten weist zweistellige Steigerungsraten auf.

EU-weit nimmt der Anteil der auf der Schiene transportierten Güter aber seit 30 Jahren stetig ab; die Schiene ist EU-weit der einzige Verkehrsträger, bei dem ein Rückgang zu verzeichnen ist, während alle anderen Verkehrsträger ihre Leistungen erhöhen konnten. Um im harten Wettbewerb die Konkurrenzfähigkeit der Eisenbahnen erhalten bzw. im besten Fall weiter steigern zu können, müssen aber sowohl auf europäischer wie auch auf nationaler Ebene Rahmenbedingungen geschaffen werden. Für die Europa-Ebene formulierte Jan Scherp aus der EU-Generaldirektion für Energie und Verkehr das Ziel der Aktivitäten der Kommission zur Attraktivierung des europäischen Eisenbahnverkehrs so: "Schaffung eines integrierten europäischen Eisenbahnraumes, um für die Auftraggeber die Qualität des Angebotes grenzüberschreitend sicherzustellen."

Die Frage "Welche Rahmenbedingungen brauchen die österreichischen öffentlichen Bahnen und die Anschlussbahnen" beantworten die Experten mit folgenden Notwendigkeiten:
* Harmonisierung der technischen Vorschriften (EU-Lokführerschein, einheitliche Zulassung der Betriebsfahrzeuge, gemeinsame Sicherheitsstandards)
* Konsequente Weiterentwicklung der Schienenlogistik (europaweite Terminalnetzwerke für marktfähige Produkte im kombinierten Verkehr) * Senkung der Kosten für die Bedienung eines Gleisanschlusses (Senkung des Kostenanteiles der so genannten "letzten Meile")
* Optimierung des Güterumschlages durch EDV-unterstützte Systeme
* Stärkung des Stellenwertes der Anschlussbahnen in der europäischen Verkehrspolitik

Die Hoffnungen ruhen dabei auf dem 2. Eisenbahninfrastrukturpaket aus dem Jahr 2004, das in Österreich noch umgesetzt werden muss, sowie auf dem 3. Eisenbahninfrastrukturpaket, das derzeit im Entstehen ist. (JR)

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