Welthospiztag 2005: 90 Prozent der Hospizarbeit ist ehrenamtlich

Teuschl und Landau fordern mehr Engagement der Politik

Wien (OTS) - Am 8. Oktober 2005 ist Welthospiztag. Ziel dieses weltweiten Aktionstages ist es, die Verbreitung der Hospizidee und den flächendeckenden Ausbau von Hospiz und Palliativdiensten zu fördern. Auch in Österreich hat die Hospizbewegung Einzug gehalten und zur Schaffung vieler mobiler und stationärer Hospiz- und Palliativeinrichtungen geführt. Ende 2004 wurde im Nationalrat die Art. 15a-Vereinbarung beschlossen. Doch noch bleibt viel zu tun, denn der überwiegende Teil der Hospizarbeit in Österreich ist nach wie vor stark auf Spenden angewiesen und wird ganz wesentlich von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geleistet. Etwa 3000 Personen sind österreichweit ehrenamtlich in der Hospizarbeit tätig.

Für sterbenskranke Menschen braucht es nicht nur einen letzten Zufluchtsort, die Hospizidee muss integrativer Bestandteil des Sozial- und Gesundheitswesens werden. Um darauf hinzuweisen finden in den kommenden Tagen in allen Bundesländern Bildungsveranstaltungen, Benefizkonzerte und Theateraufführungen statt. "Das Sterben geht uns alle an", sagt Mag. Hildegard Teuschl, Vorsitzende von Hospiz Österreich. "Es ist ein Teil des Lebens. Angehörige, Pflegende, ÄrztInnen und andere HelferInnen brauchen Unterstützung, damit Menschen in den letzten Tagen und Wochen in Würde und Geborgenheit leben und sterben können."

"Nicht durch die Hand, an der Hand eines Menschen sterben", ist das Credo von Wiens Caritasdirektor Dr. Michael Landau, und die Überzeugung: "wer aktive Sterbehilfe nicht will, der muss für optimale Sterbebegleitung sorgen". Die Caritas der Erzdiözese Wien hat mit dem Mobilen Hospiz hier ein wichtiges Angebot geschaffen, das gerne in Anspruch genommen wird. 15 Jahre Erfahrung in der medizinischen, pflegerischen, psychischen, sozialen und seelsorglichen Betreuung und Begleitung prägen die Arbeit. Fast jeder zweite Hospizpatient in Wien wird vom Palliativteam des Mobilen Caritas Hospizes betreut.

"Ein Großteil der Hospizarbeit in Österreich wird von Ehrenamtlichen geleistet. Es genügt aber gerade in der Hospizarbeit nicht, das Ehrenamt hochzuloben, ohne für die notwendigen Rahmenbedingungen zu sorgen. Das Ehrenamt darf nicht zum Feigenblatt für gesellschaftliches Nichthandeln werden!" mahnt Landau. Ehrenamtliche Dienste würden zwar kostenlos angeboten, aber Ehrenamtlichkeit sei bei weitem nicht kostenlos: "Ehrenamtliche Hospizbegleitung benötigt, um Qualität sicher zu stellen, eine professionelle hauptamtliche Koordination und Begleitung. Die Ehrenamtlichen benötigen eine Einschulung, Weiterbildung, Supervision", so Landau. "Das muss abgesichert werden." Die Ehrenamtlichen seien nicht zuletzt wesentlich für die Entlastung der Angehörigen und zwar über den Tod hinaus: "Die Begleitung auch in der Trauer ist eine zentrale Aufgabe!"

Das Erfordernis der Aus- und Weiterbildung betont auch Dr. Annette Henry, Ärztin im Hospiz Rennweg: "Die hochprofessionelle Arbeit der "Palliative Care" braucht eine hochqualifizierte Ausbildung. Interdisziplinäre Palliativlehrgänge gibt es in Österreich bereits in sechs Bundesländern. Sie erhöhen die Kompetenz durch interaktives Lernen und das Einüben entsprechender Haltungen. 1000 Absolventen in Österreich leisten einen entscheidenden Beitrag, die Hospizidee in das gesamte medizinische System zu integrieren."

Wie wichtig es ist, die PatientInnen, aber auch die BetreuerInnen nicht allein zu lassen, schildert sie aus ihrem Alltag als Ärztin:
"Entscheidend in der Begleitung schwerstkranker Menschen in der letzten Lebensphase ist ein multiprofessionelles Team - das erlebe ich als Palliativmedizinerin tagtäglich: PalliativmedizinerInnen, diplomierte Krankenschwestern und -pfleger, SeelsorgerInnen, TherapeutInnen und Ehrenamtliche - gemeinsam - ist es uns möglich, sowohl PatientInnen als auch deren Angehörige gut zu begleiten."

"Sterbende und ihre Angehörigen dürfen in dieser wichtigen letzten Lebensphase nicht allein gelassen werden!" fordert auch Dr. Maria Haidinger, Obfrau der Hospizbewegung Salzburg. Sie wünscht sich mehr Engagement der Politik: "Die Hospizidee hat für Betroffene Hoffnung, das Bekenntnis des Nationalrates für Hospiz- und Palliativeinrichtungen Erwartungshaltungen geweckt. Nun gilt es, den Worten Taten folgen zu lassen", sagt Haidinger auch mit Blick auf die Bundesländer: "Die Hospizarbeit kann nicht auf Dauer weitgehend nur auf Spenden angewiesen sein, will sie flächendeckend und bedarfsgerecht tätig sein!"

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Pressesprecherin Caritas der Erzdiözese Wien
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