WirtschaftsBlatt Kommentar vom 4.10.2005: Rot-Grün ist Österreichs neue Modefarbe- von Peter Muzik

Wien (OTS) - Die Deutschen legen Rot-Grün gerade ad acta - in Österreich bahnt sich eine solche Polit-Konstellation an. Der steirische Trend - die Parteien, die in Wien am Ruder sind, verlieren stark, die Opposition legt massiv zu - wird sich über die Wahlgänge im Burgenland und Wien bis zur nächsten Nationalratswahl fortsetzen. Und damit ist eine Koalition der Sozialdemokratischen Partei mit den Grünen im Prinzip gepongt; zugleich zeichnet sich ab, dass Kleinparteien wie BZÖ oder FPÖ weitgehend out sind.
Das schwere Debakel in der Steiermark, das gewiss auch eine Niederlage für Wolfgang Schüssel ist, hat sich die Volkspartei zu grossen Teilen selbst zuzuschreiben: Sie verlor nicht, weil der Gegner so stark, sondern weil sie selbst so schwach war. Waltraud Klasnic, die einzige Landesfürstin der Schwarzen, hatte zwar noch bei der letzten Wahl gross aufgetrumpft, aber seit damals schwere Fehler begangen. Das innerparteiliche Gezänk, dem der exzellente Landesrat Herbert Paierl zum Opfer gefallen ist, sowie die Estag-Affäre waren deutliche Signale des Abwärtstrends. Die schwarze Landesmutter hatte damals längst die Bodenhaftung, den Kontakt zur Basis verloren und die Zügel schleifen lassen. Spielfeld und Herberstein wurden zu Dokumenten des Abstiegs.
Wolfgang Schüssel befindet sich in einer durchaus ähnlichen Situation - und damit in einer ähnlichen Gefahr. So wie Klasnic wirkt auch er schon recht abgehoben, und auch er scheint den verhängnisvollen Fehler zu begehen, am Volk vorbeizuregieren. Genau darin liegt die grösste Chance für Alfred Gusenbauer und Alexander Van der Bellen, die die Isolation der Macht noch nicht zu spüren haben. Die beiden Oppositionsführer haben offenbar noch genügend Zeit, um mit den Bürgerinnen und Bürgern in Kontakt zu bleiben. Sie haben weiters noch einen ganz anderen Bonus - einen, der in diametralem Gegensatz zum so genannten Kanzlerbonus steht: Viele Wählerinnen und Wähler, speziell die typischen Wechsler, bekommen im Grunde genommen jede Machtkonstellation irgendwann einmal satt - und sehnen sich früher oder später nach einem Machtwechsel.
Rot-Grün ist seit Sonntag - daran gibt’s nicht mehr zu rütteln -Österreichs politische Modefarbe geworden. Schüssel wird sich sehr ins Zeug legen - und einiges anders machen - müssen, um eine Koalition SPÖ/Grüne noch zu verhindern. Ob Gusenbauer & Co. für Österreich besser wären, ist allerdings - siehe Deutschland - eine andere Frage.

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