Arbeitsmarkt Ende September: Arbeitslosigkeit steigt um 5,7%

50% mehr offene Lehrstellen - Beschäftigung steigt um 1%

Wien (OTS) - Der Bestand an vorgemerkten arbeitslosen Personen
liegt Ende September 2005 mit 220.464 um 11.845 bzw. 5,7% über dem vergleichbaren Wert des Vorjahres. Geschlechtsspezifisch differenziert ist der Anstieg der Arbeitslosigkeit bei den Frauen mit 7,0% (+7.010 auf 106.469) stärker ausgefallen als bei den Männern mit 4,4% (+4.835 auf 113.995). Gegenüber dem Vormonat ist die Arbeitslosigkeit um +1.187 bzw. +0,5% gestiegen.

Die Ursachen für diese Entwicklung liegen weiterhin in der verhaltenen Konjunktur und dem Beschäftigungsrückgang in der Sachgütererzeugung (11,4% des Anstiegs der Arbeitslosigkeit entfallen auf die Sachgütererzeugung). Weiters führe die steigende Beschäftigung im Fremdenverkehr auch zu erhöhter Sasionarbeitslosigkeit (22,4% des Anstiegs der Arbeitslosigkeit sei auf den Tourismus zurückzuführen). Auch wirke sich die gegenüber der Entwicklung in den Vormonaten deutlich erhöhte Arbeitslosigkeit im Handel und hier insbesondere im Einzelhandel aus, habei sich doch trotz steigender Beschäftigung die Arbeitslosigkeit hier um 1.494 oder +3,9% erhöht, so dass 9,9% des Anstiegs der Arbeitslosigkeit auf den Einzelhandel zurückzuführen sei. Hohe Zuwächse sind auch bei unternehmensbezogenen Dienstleistungen und hier insbesondere bei Reinigungsdienstleistungen und aus der Arbeitskräftüberlassung festzustellen: Bei steigender Beschäftigung stieg die Arbeitslosigkeit um 1.324 oder +8,8% (das bedeutet 11,2% des Gesamtanstiegs der Arbeitslosigkeit). Unverändert sei auch der Anstieg des Arbeitskräftepotentials sowie im Speziellen der anhaltende Zustrom von Arbeitskräften aus Deutschland (Ende August 2005 waren um 8.044 mehr Personen bzw. +19,7% gegenüber dem Vorjahr aus Deutschland beschäftigt).

Nach Schätzungen des Ministeriums beträgt die Zahl der unselbständig Beschäftigten Ende September 3.282.000. Das bedeutet einen Anstieg von rund 33.000 bzw. +1,0% gegenüber dem Vorjahr. Mit 23.708 (+2.917 bzw. +14,0%) haben 10,8% der vorgemerkten Personen eine Einstellzusage für einen neuen Arbeitsplatz.

Position Österreichs im internationalen Vergleich

Die österreichische Arbeitslosenquote liegt mit 5,2% (August 2005) nach Irland (4,3%; August 2005), Großbritannien (4,6% im Juni 2005), den Niederlanden (4,7%; August 2005) sowie Dänemark (4,8%; August 2005) an fünfter Stelle in der Europäischen Union. Die Arbeitslosenquote der EU-25 beträgt 8,6% (August 2005) und liegt damit weiterhin deutlich über dem österreichischen Wert. Der Jahresdurchschnittswert 2004 für Österreich beläuft sich nach der neuen Berechnungsmethode auf 4,8%. Eine saisonbereinigte EUROSTAT-Schätzung des AMS-Österreich weist für September 2005 ebenfalls eine Arbeitslosenquote von 5,2% aus.

Offene Stellen

Der positive Trend bei der Entwicklung der offenen Stellen hält weiter an: Ende September 2005 liegt die Zahl der beim Arbeitsmarktservice gemeldeten offenen Stellen mit einem Bestand von 27.947 um +13% (+3.216) über dem vergleichbaren Wert des Vorjahres. Deutliche Zuwächse verzeichnen vor allem die unternehmensbezogenen Dienstleistungen (+34,5%; +2.324), der Handel (+8,7%; +304), die sonstigen Dienstleistungen (+21,9%; +248), die öffentliche Verwaltung (+41,1%; +204) und die Sachgütererzeugung (+5,3%; +171).

Lehrstellenmarkt mit 50%-Plus an offenen Lehrstellen

Bei den gemeldeten offenen Lehrstellen ist mit +1.474 bzw. +53,6% auf 4.224 eine deutliche Zunahme zu verzeichnen. Hier wirkt sich offenbar bereits der "Blum-Bonus" aus. Damit werden Lehrstellen, die von Betrieben zusätzlich geschaffen werden, mit einem pauschalierten Zuschuss von 400 Euro pro Monat gefördert. Im Auftrag des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit werden außerdem bis zu 8.000 Ausbildungsplätze für Jugendliche, die keinen entsprechenden Lehrplatz bzw. Arbeitsplatz finden, zur Verfügung gestellt. Die Zahl der Lehrstellensuchenden stieg um +564 bzw. +7,7% auf 7.898.

Jugendliche

Die Jugendarbeitslosigkeit hat im September 2005 um +11,6% (+4.229) gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres zugenommen. In der Altersgruppe der bis 19-Jährigen ist die Arbeitslosigkeit mit +9,6% (+972 auf 11.135) schwächer angestiegen als bei den 20- bis 24-Jährigen (+12,3% bzw. +3.257 auf 29.702).

Die internationale Jugendarbeitslosenquote (15 bis 24 Jahre) liegt mit 10,2% (August 2005) nach wie vor deutlich unter dem europäischen Durchschnitt (EU-25) von 18,7% im Juli 2005. Österreich liegt damit nach Irland, Niederlande und Dänemark weiterhin an vierter Stelle in Europa.

Verweildauer

Die durchschnittliche Dauer einer Arbeitslosigkeitsepisode lag Ende September 2005 bei 108 Tagen. Die aktuelle Verweildauer liegt somit fünf Tage unter dem Wert vom September 2004.

Langzeitarbeitslosigkeit

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen mit einer Vormerkdauer über einem Jahr ist Ende September 2005 gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres mit -8.996 bzw.
-47,2% auf 10.046 kräftig zurückgegangen.

Entwicklung in den Bundesländern

Ende September 2005 ist die Arbeitslosigkeit in allen Bundesländern angestiegen. Die stärkste - relative - Zunahme verzeichnet Tirol (+13,0%; +1.719) gefolgt von Vorarlberg (+11,7%; +988), Oberösterreich (+10,2%; +2.195), Kärnten (+9,7%; +1.236), der Steiermark (+7,2%, +1.935), Burgenland (+5,2%; +304), Niederösterreich (+5,1%; +1.751), Wien (+2,1%; +1.591) und Salzburg (+1,3%; +126).

Entwicklung der Altersarbeitslosigkeit

Die Arbeitslosigkeit der über 49-Jährigen ist mit 39.771 im Vergleich zum September 2004 leicht angestiegen (+150; +0,4%). Wie in den Vormonaten ist dabei die Arbeitslosigkeit in der Altersgruppe der 50- bis 54-Jährigen (+813 oder +4,3%) gestiegen, während sie bei den 55- bis 59-Jährigen (-154 oder -1,0%) erneut gesunken ist. Rückgängig ist weiterhin auch die Arbeitslosigkeit bei den über 59-Jährigen (-509 bzw. -10,6%).

Entwicklung nach Branchen

Die Zahl der vorgemerkten Personen ist in der Öffentlichen Verwaltung (-105; -1,6%) sowie im Bauwesen (-242; -1,0%) leicht rückläufig. Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit ist insbesondere im Fremdenverkehr (+2.658; +8,5%), im Handel (+1.494; +3,9%), bei den unternehmensbezogenen Dienstleistungen (+1.430; +8,0%), in der Sachgütererzeugung (+1.346; +3,7%), bei den sonstigen Dienstleistungen (+1.104; +8,8%), im Verkehrs- und Nachrichtenwesen (+635; +7,4%) und im Gesundheits- und Sozialwesen (+391; +5,4%) zu verzeichnen.

Arbeitslosigkeit nach Ausbildungskategorien

Ende September 2005 ist bei den vorgemerkten Arbeitslosen mit höherer Schulbildung (+3,6%; +757) sowie Lehrausbildung (+2,4%; +1.630) ein unterdurchschnittlicher und mit mittlerer schulischer Ausbildung (+5,6%; +768) sowie akademischer Ausbildung (+5,1%; +489) ein annähernd durchschnittlicher Anstieg zu konstatieren. Stärker ausgeprägte Zuwächse an Arbeitslosigkeit gibt es dagegen bei der Gruppe von Personen ohne abgeschlossene Schulbildung (+16,4%; +1.694) und mit Pflichtschulabschluss (+7,5%; +6.311).

Anteilsmäßig entfallen rund 78% des Bestandes aller Arbeitslosen auf Personen ohne abgeschlossene Schule sowie Personen mit Pflichtschulabschluss oder Lehrabschluss.

Schulungen und Förderungen des Arbeitsmarktservice

Mit 49.502 liegt die Zahl der Personen in Schulungen im September 2005 um +4.374 bzw. +9,7% über dem Vorjahresniveau. Differenziert nach Altersgruppen haben die Schulungsaktivitäten für unter 20Jährige, 35- bis 39-Jährige sowie für Personen im Alter von 55 bis 59 Jahren kräftig zugenommen.

Die Schulungsteilnehmer/innen rekrutieren sich schwerpunktmäßig aus den Berufsgruppen Büroberufe (9.108), Handel (7.079), den Metall-/Elektroberufen (6.292) und den Hilfsberufen (5.834). Aus diesen Berufsgruppen kommen rund 57% aller in Schulung befindlichen Personen.

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