Einem: Wissenschaftsstandort Österreich ist in Gefahr

Unis brauchen 300-350 Mio. Euro sofort - Mangelwirtschaft an den Unis auf Kosten der Beschäftigten und des Forschungsstandorts

Wien (SK) - Der ehemalige Wissenschaftsminister, BSA-Präsident Caspar Einem, sieht Anlass zu "ernsthafter Sorge um den Wissenschafts- und Forschungsstandort Österreich". Die Universitäten sind schlecht vorbereitet und finanziell krass unterdotiert in die Autonomie entlassen worden. Dazu komme, dass das neue Management der Universitäten gerade einmal das "kleine Management-Einmaleins" beherrsche, mit der Folge: "Das wird auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen. Das erste, wo sie sparen, ist das Personal", erklärte Einem am Montag in einer Pressekonferenz. ****

Die Vorgehensweise der Vertreter des Verhandlungskomitees der Rektoren bei den derzeit laufenden Kollektivvertragsverhandlungen für die Universitäten hält Einem für "absurd und unverantwortlich". So werden Lektoren, das sind in jedem Fall Akademiker, oft auch Habilitierte, 15 Euro brutto pro Stunde geboten. Einem: "Das ist eine Zumutung der besonderen Art."

Die Arbeitgeber argumentieren überdies bei diesen Verhandlungen, sie könnten eigentlich nichts bieten, solange sie kein Globalbudget haben. Dazu merkte Einem an, dass die Universitäten damit ziemliche Schwierigkeiten bei den Verhandlungen mit dem Finanzministerium über das Budget bekommen werden, wenn sie nicht sagen können, wie viel sie brauchen.

Im weiteren ging Einem auf die Folgen der Trennung der Medizin Uni von der Uni Wien ein. Die Uniklinik Wien, also das AKH, hat zehn Prozent der Ärztestellen gestrichen, weil sie im Zuge der Ausgliederung 200 neue Verwaltungsstellen und ein eigenes EDV-System aufbauen mussten, erläuterte Einem, der das auf folgenden Nenner brachte: "Weniger Ärzte, schlechtere Patientenbetreuung, weniger Personal für wissenschaftliche Forschung." Aus dem AKH würde ihm, Einem, auch berichtet, dass mittlerweile auch schon an den wissenschaftlichen Publikationen ablesbar sein, "dass es beginnt, bergab zu gehen".

Einems Bilanz: "Auf den Rücken der Beschäftigten wird Ausgliederung gespielt. Das ist unverantwortlich von der Bundesregierung, und das ist unverantwortlich von den Rektoren. Das System Universitäten nimmt Schaden." Bei den derzeitigen Bedingungen würden nur mehr jene, die keine andere Wahl mehr haben, an die österreichischen Universitäten gehen. "Das ist kein guter Start für den weltweiten Wettbewerb der Forschungsstandorte", sagte Einem.

Die Folgen des EuGH-Urteils über den Hochschulzugang verschärfen laut Einem die Problematik. Er sei grundsätzlich gegen Zugangsbeschränkungen, trotzdem will sich Einem "nicht der Tatsache verschließen", dass man etwa bei Medizin nicht beliebig viele Studienplätze zur Verfügung stellen kann. Hier plädiert Einem dafür, dass auf jeden Fall so viele Plätze angeboten werden, dass der heimische Bedarf an Medizinern gedeckt wird.

In dem Zusammenhang zeigte sich Einem davon überzeugt, dass die bisherige Regelung mit dem österreichischen Maturazeugnis als Zugangsvoraussetzung angemessen war - wenn auch im Widerspruch zur Spruchpraxis des EuGH. Einem kann sich vorstellen, dass Österreich mit den aktuellen Zahlen über den Ansturm deutscher Studenten auf die österreichischen Medizin-Unis seinerseits zum EuGH gehen könnte und solange, bis ein Urteil gefällt ist, die alte Regelung wieder in Kraft setzt.

Jedenfalls müsse es auch eine Ausweitung der Studienplätze geben und mehr Geld für die Universitäten. Akut fehlen den Universitäten 300 bis 350 Millionen Euro pro Jahr. Diese Summen seien notwendig, "wenn wir wollen, dass der Wissenschafts- und Forschungsstandort nicht rettungslos ins Hintertreffen gerät", betonte Einem.

Zum Thema Studiengebühren meinte Einem: Die 120 Millionen Euro, die dadurch pro Jahr aufgebracht werden, seien keineswegs der größte Budgetposten der Unis; klar sei auch, dass wenn die Studiengebühren, wie von der SPÖ verlangt, gestrichen werden, müsste diese Summe aus dem Budget ersetzt werden. Angesichts des derzeitigen Zustands der Universitäten seien Studiengebühren jedenfalls "durch nichts gerechtfertigt", betonte Einem. (Schluss) wf

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