"Die neue Schule": Bildungskampagne geht an der Schulrealität vieler Kinder und Familien vorbei

Kinderfreunde fordern mehr Lehrer, gemeinsame Schule und ganztägige Schulen

Wien (SK) - "Die Schulpakete I und II ändern wenig bis nichts an der unbefriedigenden Schulrealität unserer Kinder." Die österreichischen Kinderfreunde kritisieren am Mittwoch in einer Aussendung, dass die entscheidenden Problembereiche des Schulsystems nicht in Angriff genommen werden und fordern eine substanzielle Schulreform. ****

Folgende Problembereiche bedürfen aus der Sicht der Kinderfreunde dringend einer Lösung:

* Überfüllte Klassen mit zunehmend weniger Personalressourcen haben massive Auswirkungen auf die Unterrichtsqualität und damit auf die Förderung einzelner SchülerInnen. Daran wird auch der Fördererlass des Ministeriums nichts ändern, wenn nicht gleichzeitig mehr LehrerInnen für die Förderung der Kinder sowie neue Förderkonzepte zur Verfügung stehen. "Eine "neue Schule" zum Nulltarif bzw. mit den derzeitig massiven Kürzungen ist eine bildungspolitische Farce."

* Die Schullaufbahnentscheidung mit zehn Jahren ist weder entwicklungs-psychologisch noch bildungspolitisch länger haltbar:
Alle ExpertInnen sprechen sich inzwischen dafür aus, den Kinder mehr Zeit zu geben, bevor sie sich für oder gegen die AHS entscheiden, die nachhaltig ihre Lebens- und Berufsbiografie prägen wird. "Eine gemeinsame Schule, die in Österreich bei den 6- bis 10-Jährigen hervorragend funktioniert, ist langfristig die einzige - auch international - sinnvolle Schulform auf der Sekundarstufe I, also bei den 10- bis 14-Jährigen.

* Schule löst bei vielen SchülerInnen nachhaltig Stress, Versagensängste und Schulfrust aus. Es braucht in allen Schultypen moderne methodisch-didaktische Formen, die ein zeit- und kindgemäßes Lernen ermöglichen. Good-Practice-Schulen, die ein solches Lernen in Österreich bereits praktizieren, sollten anderen Schulen und LehrerInnen ermöglichen, von ihnen zu lernen und ihnen Mut machen, neue Wege der Schul- und Unterrichtsentwicklung in einer dynamischen Gesellschaft zu gehen.

* Schule muss sich von der Halbtätigkeit verabschieden und davon, dass Unterricht nur am Vormittag und Lernen zuhause am Nachmittag passiert. "Was wir brauchen, ist ein Paradigmenwechsel in der Haltung und im Selbstverständnis der LehrerInnen und der Schulen. Ganztägige Schulen sollen attraktive Lebens- und Lernräume für Kinder sein und keine Beaufsichtigungsstätten, wie sie die derzeitige Tagesbetreuung an Schulen vorsieht. Der unerträglich hohe Aufwand an privaten Nachhilfekosten würde damit obsolet werden."

* Bildung bestimmt nach wie vor Lebens- und Berufschancen: Gerade für jene Familien, die ihren Kinder weniger Lernunterstützung anbieten können, muss die Schule eine kompensatorische Wirkung entfalten. "Jedes Kind braucht die best-möglichste Unterstützung, unabhängig von seiner Bildungsherkunft und den ökonomischen Möglichkeiten der Eltern."

"Es muss einen breiten bildungspolitischen Konsens geben, wohin sich die Schule als Ganzes entwickeln soll und welchen gesellschaftlichen Auftrag Schule in Zukunft erfüllen soll. Die Kinderfreunde sind sich mit den meisten ExpertInnen, PraktikerInnen und ElternvertreterInnen darüber einig, dass die Schulpakete I und II keine adäquate Antwort auf die brennenden Fragen des Schulsystems sind und fordern daher eine nachhaltige, substanzielle Reform des Schulsystems". (Schluss) ah/mp

Rückfragen: Schulkompetenzzentrum der Kinderfreunde, Andrea Fraundorfer, 01/5121298/20

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