Die Zeit drängt: Chronische Hepatitis im Vormarsch

1. Oktober - Zweiter Internationaler Hepatitis Awareness Day

Wien (OTS) - Weltweit sind rund 550 Millionen Menschen mit dem Hepatitis B oder Hepatitis C-Virus infiziert. Sie alle laufen Gefahr, eine chronische Form der Leberentzündung zu entwickeln. Nur bei rechtzeitiger Diagnose und rascher Einleitung der Therapie können diese Menschen vor den Spätfolgen einer chronischen Hepatitis - die von Leberzirrhose (Schrumpfleber) bis hin zu Leberkrebs reichen können - bewahrt werden.

Mangelndes Wissen über die Krankheit, über Krankheitsverlauf, Gefahren und Therapiemöglichkeiten sowie die häufig drohende Stigmatisierung der Betroffenen durch ihre Mitmenschen machen zusätzlich Angst.

Die Hepatitis-Plattform: www.hep-links.com

Als praxisnahe Unterstützung für die internationale Selbsthilfegruppengemeinschaft hat die Pharmafirma (Hoffmann la) Roche, die "European Liver Patients Association" (ELPA) - eine Plattform im Web - geschaffen, auf der Betroffene unter anderem Basisinformationen über "ihre" Krankheit, über diagnostische und therapeutische Möglichkeiten sowie Kontaktadressen von Selbsthilfegruppen finden können.

Folgende Informationen können auf der Webseite www.hep-links.com abgerufen werden:
- Fakten über Hepatitis C
- häufig gestellte Fragen und Antworten
- Links zu Selbsthilfegruppen
- Informationen über medizinische Kongresse und Meetings
- Links zu wichtigen medizinischen Zeitschriften

ELPA übergibt Petition an das EU-Parlament

Die ELPA sammelt europaweit Unterschriften für eine Petition, die eine europäische Informations- und Präventionskampagne zum Thema Hepatitis fordert. Diese Petition wird gemeinsam mit den gesammelten Unterschriften dem Europäischen Parlament am Freitag, den 30. September, übergeben. Allen Betroffenen soll ein Zugang zu Diagnose und Therapie gewährt werden.

Die Situation in Österreich

Die Vordringlichkeit, die chronische Hepatitis in Österreich in der Öffentlichkeit zu einem Thema zu machen, bestätigt sich in den nachfolgenden Aussagen renommierter heimischer Leber-ExpertInnen.

Epidemiologie

Univ.-Prof. Dr. Rudolf Stauber, Universitätsklinik Graz: "Rund 130.000 Menschen in Österreich sind von einer chronischen Hepatitis B oder C betroffen, ein Großteil weiß es aber nicht. Anhand epidemiologischer Daten - also die Zahl der durch chronische Hepatitis entstandenen Fälle von Leberzirrhose und Leberkrebs und der dadurch verursachten Todesfälle bzw. der notwendigen Lebertransplantationen - muss davon ausgegangen werden, dass die 'Spitze des Eisberges' erst in etwa zehn Jahren erreicht sein wird, wenn viele der jetzt Infizierten bereits Komplikationen entwickelt haben."

Übertragung des Hepatitis B-Virus

"Das Hepatitis B-Virus ist 100-mal ansteckender als HIV. Damit ist Hepatitis B die wichtigste sexuell übertragbare Erkrankung", erklärt Univ.-Prof. Dr. Petra Munda, AKH Wien. Und Munda weiter: "So banal es klingen mag, die wichtigsten 'Waffen' der Hepatitis B-Prävention sind die Schutzimpfung und das Kondom."

Übertragung des Hepatitis C-Virus

"Das Hepatitis C-Virus wird ausschließlich durch Blut - auch in geringen Mengen - übertragen und zwar sowohl durch direkten Blutkontakt als auch durch kontaminierte Nadeln (Drogenmissbrauch) und unter Umständen durch kleine Verletzungen (z.B. durch gemeinsames Benutzen von Rasierer oder Zahnbürste, aber auch bei Tätowierung und Piercing). Im alltäglichen sozialen Umgang oder ’beim Busserl geben’ besteht keine Ansteckungsgefahr" betont Prim. Univ.-Doz. Dr. Christian Datz, KH Oberndorf.

Rechtzeitige Diagnose

"Erhöhte Leberwerte - die z.B. im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung festgestellt werden - sind ernst zu nehmen und sollten auf jeden Fall auch hinsichtlich des möglichen Vorliegens einer chronischen Hepatitis B oder C abgeklärt werden. Bei einem Großteil der Hepatitis-Infizierten sind zum Zeitpunkt der Diagnose sowohl der Infektionszeitpunkt als auch die Infektionsquelle unklar", so Univ.-Prof. Dr. Edward Penner, AKH Wien.

Mögliche Komplikationen bei später Diagnose

Prim. Univ.-Doz. Dr. Michael Gschwantler, Wilhelminenspital Wien, warnt: "Das Problem der chronischen Hepatitis B oder C besteht darin, dass sich nach jahrelangem, scheinbar symptomlosem Verlauf bei einem Teil der PatientInnen eine Leberzirrhose oder ein Leberkarzinom entwickeln kann. Hepatitis B und C kommen wegen der durch sie entstehenden chronischen Folgeschäden größte gesundheitspolitische Bedeutung zu."

Lebertransplantation aufgrund einer chronischen Hepatitis

"Die durch Hepatitis C verursachte Leberzirrhose ist in Österreich derzeit die häufigste Ursache für eine Lebertransplantation. Konnten die Hepatitis-Viren vor der Organübertragung im Blut nicht eliminiert werden, können sich diese erneut - nach der Transplantation -innerhalb weniger Wochen bis Monate im Körper ausbreiten. Daher ist eine frühzeitige Therapie, idealerweise sogar noch vor der Lebertransplantation, wünschenswert", erläutert Univ.-Prof. Dr. Markus Peck-Radosavljevic, AKH Wien.

Therapiemöglichkeiten der Hepatitis B und C

Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Vogel, Universitätsklinik Innsbruck, zeigt auf: "Die Therapie der chronischen Hepatitis B und C hat sich in den letzten 10 Jahren grundlegend geändert. Bei einem großen Teil der Hepatitis B-PatientInnen bewirkt pegyliertes Interferon nachweislich einen anhaltenden Rückgang der Krankheitssymptome. Bei Hepatitis C ist die Kombination von pegyliertem Interferon mit Ribavirin heute der Therapiestandard."

Therapieerfolg bei Hepatitis C

"Die frühzeitige Diagnose ist der wichtigste Faktor. Je früher therapiert wird, desto größer sind die Heilungschancen. Je nach Virus-Genotyp können bis zu 84 Prozent der PatientInnen mit Hepatitis C dauerhaft geheilt werden", erläutert Univ.-Prof. Dr. Peter Ferenci, AKH Wien.

Therapie: "Blick in die Zukunft"

"Nach derzeitigem Wissensstand wird die Interferon/Ribavirin-Therapie mit dem Ziel der Elimination des Hepatitis C-Virus bei der chronischen Hepatitis C in den nächsten Jahren auch durch neue Substanzen nicht zu ersetzen sein", meint Prim. Univ.-Prof. Dr. Harald Brunner, KH Lainz Wien.

In Anbetracht der vielen tausenden noch unentdeckten Erkrankten, dem Risiko einer Ansteckung weiterer Menschen und der schwerwiegenden Folgen für deren Gesundheit betonen die ExpertInnen unisono: Dem Themenkreis Hepatitis muss in Zukunft wesentlich mehr Augenmerk geschenkt werden, als dies bisher der Fall war! Vor allem im Hinblick auf die Tatsache, dass ein Großteil der Hepatitis C-Infizierten auf Grund der heute hoch effizienten therapeutischen Möglichkeiten bei zeitgerechter Therapie heilbar ist.

Weitere Informationen: www.hep-links.com

Text und Fotos zum Download unter: www.hepatitisC.steinringer.at, Benutzername: presse, Passwort: presse

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