ÖSTERREICH IST ANDERS

Wien (OTS) - Praxisvergleich der Spitalsfinanzierung in Europa:
Experten orten verstärkte Leistungsorientierung bei der Mittelvergabe - Ordensspitäler sind benachteiligt und fordern gerechte Finanzierung mit öffentlichen Mitteln

Ein Mix aus privat-gemeinnützigen Krankenhäusern, wie den Ordensspitälern, und den öffentlich-gemeinnützigen Spitälern der Gebietskörperschaften hat Tradition in Europa. In manchen Ländern, etwa in Deutschland, wird diese Trägervielfalt sogar gesetzlich vorgeschrieben und sie trägt zur Entlastung der öffentlichen Haushalte bei. In einzelnen Ländern wird dieses System durch ein gerechtes Finanzierungssystem unterstützt - aber Österreich ist anders.

Dies sind Ergebnisse eines Hearings von Experten, die die Spitals-Finanzierungssysteme von Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien und der Schweiz praxisorientiert und im Detail verglichen haben. Die Kernaussagen wurden am 23. September 2005 bei einer Pressekonferenz in Wien präsentiert. Dabei berichteten die auf Spitalsmanagement spezialisierten Fachleute Regina Steinbiller, Wirtschaftstreuhänderin, über Österreich, Olivier Girardin, Unternehmensberater, über Italien, Frankreich und die Schweiz, und Thomas Brobeil, Krankenhausmanager, über Deutschland.

Einhellig wird der Trend zu einer rein leistungsorientierten Finanzierung des europäischen Spitalswesens gesehen. Regina Steinbiller: "Das derzeit herrschende Mischsystem mit einer Abgangsfinanzierung verschleiert die Unwirtschaftlichkeit aber auch die Wirtschaftlichkeit von Krankenhäusern".

De facto gibt es in Österreich neun Bundesländer-spezifische Finanzierungsmodelle. Dem Spital verbleibende Defizite werden bei öffentlichen Spitälern letztlich wieder aus Steuermitteln bezahlt. Bei den privat- gemeinnützigen Krankenhäusern müssen jedoch die Erhalter mit Eigenmitteln einspringen - und dies bei Erfüllung eines rein öffentlichen Auftrages im Namen einer Gebietskörperschaft. Dies, so Steinbiller, führe zu einer Benachteiligung und letztlich Existenzgefährdung dieses Sektors.

Umgekehrt besteht etwa in Deutschland, wie auch in vielen anderen Ländern, Finanzierungsgleichheit, d.h. dass die Leistungen unabhängig von der Trägerschaft in gleicher Weise abgegolten werden.

Schweiz: Gleichbehandlung von privat-gemeinnützigen und öffentlich-gemeinnützigen Krankenhäusern

Auch in anderen europäischen Ländern existieren Mischformen, jedoch nehmen die privat-gemeinnützigen Spitäler meist eine bessere Position ein als in Österreich. In der Schweiz etwa wird allen in einer "Spitalsliste" aufgeführten Krankenhäusern eine einheitliche Finanzierung der laufenden Kosten geboten. In dieser Spitalsliste sind alle Krankenhäuser, die einen öffentlichen Versorgungsauftrag haben - also auch privat-gemeinnützige Spitäler - enthalten und somit gleichberechtigt.

Olivier Girardin: "Die Verantwortlichen in der öffentlichen Versorgung realisieren allerdings zunehmend, dass private Träger, wie etwa die Ordenskrankenhäuser, besser wirtschaften und Krankenhäuser mit hoher medizinischer und pflegerischer Qualität führen. Privat-gemeinnützige Gruppen haben überdies den Vorteil, keiner Gewinnmaximierung zu unterliegen."

Hervorgehoben wurde auch, dass konfessionelle Spitäler mehrere Faktoren optimal kombinieren: Sie handeln im öffentlichen Auftrag, Qualität und Ethik werden aus ihrem Grundauftrag heraus hochgehalten und allfällige Überschüsse verbleiben im Betrieb und müssen reinvestiert werden.

Thomas Brobeil wies darauf hin, dass in Deutschland derzeit eine Substitution der kommunalen Einrichtungen durch private Träger stattfindet. Die Einführung "leistungsorientierter Diagnosefallgruppen" führt zu einer deutlichen Verweildauerverkürzung und zu einem massiven Bettenabbau. Besonders betonte Brobeil, dass in etlichen Ländern Deutschlands die Trägervielfalt, also eine Mischung aus gemeinnützigen privaten und öffentlich-rechtlichen Spitälern, gesetzlich vorgegeben ist.

"Mischung aus Qualität und Effizienz"

Auf Grund der internationalen Erfahrungen fordert die Arbeitsgemeinschaft der Ordensspitäler Österreichs eine Reform der Spitalsfinanzierung. Pater Leonhard Gregotsch, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft: "Wir brauchen unsere Leistungen nicht zu verstecken, im Gegenteil. Untersuchungen beweisen, dass wir die Mischung aus medizinischer Qualität, Zuwendung zum Patienten und hoher Leistungseffizienz optimal erbringen. Daher unser Wunsch:
Finanzierung unseres öffentlichen Versorgungsauftrags durch öffentliche Mittel, wenn Qualität und Wirtschaftlichkeit gegeben sind - so wie bei öffentlich-gemeinnützigen Spitälern".

Die Ordensspitäler sichern, so Pater Gregotsch, mit einem Betten-Marktanteil von knapp 20 Prozent in Österreich die Versorgung der Bevölkerung und entlasten durch ihre nachgewiesene hohe Effizienz die Steuerzahler.

Die Vermischung der Interessen der Länder einerseits als öffentliche Körperschaften mit Einfluss auf Finanzierungsfragen und andererseits als Rechtsträger oder Gesellschafter von Landeskrankenhäusern sei unbefriedigend und bedürfe einer klaren gesetzlichen Regelung, betonte Pater Gregotsch.

Rückfragen & Kontakt:

Arbeitsgemeinschaft der Ordensspitäler Österreichs
P. Leonhard Gregotsch
1010 Wien, Freyung 6/1/2/3
Tel.: 01/535 12 87/13
E-Mail: sk@maennerorden.at

Unitas-Solidaris Wirtschaftstreuhandgesellschaft mbH
Regina Steinbiller
1010 Wien, Annagasse 4
Tel.: 01/513 46 02/32
E-Mail: r.steinbiller@unitas-solidaris.at

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