Käthe Leichter-Staatspreis im Parlament verliehen Erinnerung an eine Vorkämpferin für Frauenrechte

Wien (PK) - Im Parlament wurden heute der Käthe Leichter-Staatspreis und die Käthe Leichter-Anerkennungspreise verliehen. Beide Auszeichnungen werden für besondere Leistungen in der
Frauen- und Geschlechterforschung im Bereich der Sozial-,
Geistes- und Kulturwissenschaften sowie für hervorragende Verdienste um die Frauenbewegung und die Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit vergeben. Die damalige Frauenministerin Johanna Dohnal griff die Initiative von Univ. Doz. Dr. Steiner
auf und überreichte den Preis erstmals im Jahr 1991. Nach einer Unterbrechung von fünf Jahren wurde der Preis von
Bundesministerin Maria Rauch-Kallat nun wiederbelebt.

Als Preisträgerinnen des Jahres 2005 durfte Nationalratspräsident Andreas Khol Dr. Edit Schlaffer, Univ.-Prof. Mag. Dr. Michaela Sohn-Kronthaler, Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Regine Bendl, Univ.
Doz. Mag. Dr. Maria Mesner und Mag. Barbara Rohregger begrüßen.

Präsident Khol würdigte in seinen einleitenden Worten die Verdienste Käthe Leichters als bahnbrechende Wissenschafterin,
die sich des tatsächlichen Lebens der Frauen angenommen habe.
Ihre Persönlichkeit und ihr Wirken sei Teil der österreichischen Kultur, die man bewusst pflegen wolle, sagte Khol.

Bundesministerin Maria Rauch-Kallat wies darauf hin, wie aktuell
die Themen und Problemfelder, denen sich Käthe leichter gewidmet hat, noch heute sind. Arbeitnehmerinnenschutz, die Vereinbarkeit
von Beruf und Familie sowie die Gehaltsschere zwischen Männern
und Frauen bildeten noch immer Kernthemen der Frauenpolitik, so
die Ministerin. Käthe Leichter teile das Schicksal vieler großer Frauen Österreichs, die für ihre Zeit innovative Leistungen erbracht hätten, aber heute oft nur mehr wenigen bekannt seien. Auch die Bundeshymne verschweige die großen Töchter Österreichs, bemerkte Rauch-Kallat kritisch. Preisverleihungen wie diese
dienten daher auch dazu, den Namensträgerinnen wieder mehr Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit zu schenken.

Der Käthe Leichter-Staatspreis des Bundesministeriums für Gesundheit und Frauen wurde von Bundesministerin Maria Rauch-
Kallat an Edit Schlaffer übergeben.

Die Anerkennungspreise gehen von der Kammer für Arbeiter und Angestellte Wien, der Österreichischen Nationalbank und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit aus. Dementsprechend wurden diese Auszeichnungen von AK-Präsident Herbert Tumpel an Regine Bendl, von Gouverneur Klaus Liebscher an Maria Mesner und Barbara Rohregger und von Bundesministerin Maria Rauch-Kallat stellvertretend für Bundesminister Martin Bartenstein an Michaela Sohn-Kronthaler überreicht.

In ihren Laudationes betonte Ministerialrat Anneliese Stoklaska, dass die Preisträgerinnen in ihrer Arbeit das ganze Spektrum des Lebens einer Frau abdeckten und die Breite der weiblichen
Existenz darlegten. Vor allem zeigten die Karrieren der Preisträgerinnen selbst ein weites Bild der Frau in der Wissenschaft.

Käthe Leichter - Kurzbiografie

Der Käthe Leichter-Staatspreis und die Anerkennungspreise sollen
an das Leben und Wirken der Nationalökonomin Käthe Leichter erinnern. Als Begründerin des Frauenreferats in der
Arbeiterkammer Wien war sie sowohl wissenschaftlich als auch politisch im Interesse der Frauen tätig. Ihre Studien und sozialpolitischen Erhebungen führten während der Ersten Republik zu substantiellen Verbesserungen für die Frauen und sind nach wie vor aktuell. Das auch heute zu den Standardwerken zählende "Handbuch der Frauenarbeit in Österreich" aus dem Jahr 1930 zeugt neben anderen Publikationen (Frauenarbeit und Arbeiterinnenschutz
in Österreich, 1927; Wie leben die Wiener Heimarbeiter, 1928; So leben wir...1320 Industriearbeiterinnen berichten über ihr Leben, 1932) vom großen sozialpolitischen Engagement Käthe Leichters.
Neu an ihren Erhebungen und Analysen war nicht nur, dass sie sich speziell mit der Situation der Frauen beschäftigten, sondern
auch, dass diese auf Erfahrungen von Frauen beruhten und von
Frauen verfasst wurden.

Käthe Leichter wurde 1895 in Wien geboren. Ihre Zulassung zum Studium der Staatswissenschaften an der Universität Wien
erkämpfte sie sich durch eine Klage beim Reichsgericht. Da ihr
die Abschlussprüfung in Wien verweigert wurde, übersiedelte sie nach Heidelberg. Auf Grund ihrer Aktivitäten in einem Kreis der Kriegsgegner wurde ihr jedoch 1917 die Einreise nach Deutschland verboten. Erst nachdem sie eine Sondergenehmigung erreicht hatte, promovierte Käthe Leichter im Juli 1918 mit Auszeichnung.

Während ihr Mann und ihre zwei Söhne im März 1938 in die Schweiz fliehen konnten, wurde Käthe Leichter durch Verrat eines Spitzels Ende Mai von der Gestapo festgenommen. Trotz zahlreicher ausländischer Interventionsversuche wurde sie im Jänner 1940 ins Frauenkonzentrationslager Ravensbrück transportiert, wo man sie
im Zuge des nationalsozialistischen Euthanasie-Programms in der Psychiatrischen Anstalt Bernburg/Saale ermordete.

Die Preisträgerinnen

Edit Schlaffer leitet die Ludwig-Boltzmann-Forschungsstelle für Politik und zwischenmenschliche Beziehungen. Sie engagiert sich insbesondere für die Etablierung der innovativen Forschungsschwerpunkte Gender und Entwicklung, für Capacity Building und angewandte Sozialisationsforschung und kann auf eine umfangreiche Publikationstätigkeit verweisen. Neben der Leitung internationaler Forschungsprojekte und Lehrtätigkeiten hat Edit Schlaffer im Jahr 2002 die Initiative "Frauen ohne Grenzen" gegründet. Ziel der Initiative ist es, in Umbruchsländern und Krisengebieten Modellprojekte zur Inkludierung von Frauen in
Politik und Zivilgesellschaft zu entwickeln.

Michaela Sohn-Kronthaler hat den Lehrstuhl für Kirchengeschichte
an der Katholisch-Theologischen Universität Graz inne und leitet das Institut für Kirchengeschichte und kirchliche Zeitgeschichte
an der Karl-Franzens-Universität Graz. Seit 1. April 2004 steht
sie der Subeinheit Kirchengeschichte und kirchliche
Zeitgeschichte vor. Wie Edit Schlaffer erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen für ihre Tätigkeit und ihre Publikationen.

Regine Bendl ist im Arbeitsbereich "Gender and Diversity in Organizations" am Institut für Management und
Wirtschaftspädagogik der Wirtschaftsuniversität Wien tätig. Sie absolvierte Forschungsaufenthalte im Ausland und ist seit 2004 zertifizierte Gender- und Diversitätsmanagement-Trainerin.

Maria Mesner ist Mitglied des Programmkomitees für Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften am Bundesministerium für
Bildung, Wissenschaft und Kultur, Präsidentin der IG externe LektorInnen und freie WissenschafterInnen und Vizepräsidentin der internationalen Tagung der HistorikerInnen der ArbeiterInnenbewegung. Derzeit hat sie eine Gastprofessur im Fachbereich Geschichts- und Politikwissenschaften an der Paris-Lodron-Universität Salzburg inne.

Barbara Rohregger ist Tutorin am Österreichischen Institut für internationale Politik in Wien. Sie organisiert diverse Diskussionsforen zu aktuellen Themen der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit mit VertreterInnen der Regierung und
des NGO-Sektors. Seit 2001 fungiert sie auch als freie
Mitarbeiterin in der Projektgruppe "Legal Pluralism" am Max-Planck-Institut für Ethnologische Forschung in Halle an der
Saale. Schwerpunkt ihrer Forschungen ist die Armutsbekämpfung und soziale Sicherheit im südlichen Afrika. Hervorzuheben ist ihre Feldforschung in Malawi. (Schluss)

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