Neues Volksblatt: "Richtungslos" (von Manfred Maurer)

Ausgabe vom 19. September 2005

Linz (OTS) - Die gute Nachricht: Rot-Grün hat keine Mehrheit mehr in Deutschland. Die schlechte: Es läuft auf eine große Koalition hinaus, die aber keinen eindeutigen Wählerauftrag hat. Denn eine Sehnsucht nach der dringend gebotenen Reformkoalition lässt sich aus den Verlusten von Union und SPD schwerlich herauslesen. Mit Gerhard Schröder ging es abwärts, seit er sich (zu spät zu zaghaft) ökonomischen Zwängen beugte. Merkels Umfragenhöhenflug endete mit der zunehmenden - durch Schattenfinanzminister Kirchhof personifizierten - Aussicht auf radikale Reformen.
Die vermeintliche Richtungswahl hat nur ein Zeichen der Orientierungs- und Mutlosigkeit gebracht. Deutschlands Wähler wissen nicht wirklich, wohin die Reise gehen soll. Rot-Grün sollte es zwar nicht mehr sein (weshalb Schröders Anspruch auf das Kanzleramt ebenso kühn wie arrogant ist), aber zu einer klaren Alternative fehlte auch der Mut. Es steht zu befürchten, dass sich diese Stimmung auf eine Große Koalition überträgt und damit die dieser Konstellation innewohnende Chance auf einen großen Wurf ungenützt bleibt. Deutschland bleibt dann der kranke Mann Europas. Und Europa kränkelt zwangsläufig mit.

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