ÖAMTC kritisiert neue Autofahrer-Schikanen, die als Feinstaub-Offensive deklariert sind

Verfrachtung ist Hauptproblem, Pkw-Verkehr kaum relevant

Wien (OTS) - "Die angedachten Tempo 50 auf den Wiener Straßen, wo bisher 60 oder 70 km/h zulässig waren, ist eine reine Schikane gegen die Autofahrer. Der Großteil des angeblich so gefährlichen Feinstaubs stammt gar nicht aus Wien. Außerdem sinken die Werte seit Jahren", sagt ÖAMTC-Jurist Martin Hoffer.

Wie vergangene Woche bekannt wurde, plant die Stadt Wien eine Absenkung von Tempolimits auf allen Straßen, auf denen bisher ein Tempolimit von mehr als 50 km/h erlaubt war. Ausgenommen davon sollen Autobahnen und Schnellstraßen sein. Abgesehen davon, dass der Begriff "Schnellstraße" falsch ist und es statt dessen "Autostraße" heißen müsste, sind in der Vergangenheit die 60- und 70-km/h-Beschränkungen in Wien deshalb festgelegt worden, um die Flüssigkeit des Verkehrs zu heben. "Das ist die effizienteste Maßnahme zur Umweltentlastung in städtischen Ballungszentren", so Hoffer: "Im Sinne des Umweltschutzes muss zum Beispiel mit 'grünen Wellen' und moderner Telematik alles getan werden, um die Flüssigkeit des Verkehrs zu erhöhen statt zu behindern. Eine Senkung der Tempolimits
ist für den ÖAMTC jedenfalls eine reine Schikane, die aufgrund der zu erwartenden restriktiven Überwachung nur die Stadtkasse füllen wird", erklärt der Jurist.

Für den ÖAMTC ist es bezeichnend, dass keine einzige ernsthafte Maßnahme zur Beseitigung der noch immer zahlreichen Kohle- und Koksöfen in Wien gesetzt wird. Überdies gilt als erwiesen, dass der Großteil der Immissionen nicht aus der Stadt selbst, sondern aus dem Um- und Ausland verfrachtet wird. Der Club fordert deshalb ein Maßnahmenpaket, das alle Verursacher mit einbezieht:
Hausbrand/Kleinverbraucher, Industrie, Kraft- und Heizwerke, Off-Road-Maschinen, Landwirtschaft. Einen gewissen Beitrag zur Belastung leistet übrigens auch die Bahn: Keine einzige ihrer Dieselloks und Triebwagen ist mit einem Partikelfilter ausgestattet. Auch vom Straßenverkehr kann man einen gewissen Beitrag erwarten, man sollte diesen Effekt aber nicht überschätzen.

Dieselruß von Lkw, Bussen und Pkw macht weniger als 15 Prozent an den gesamten Immissionen in Wien aus. Von diesen 15 Prozent entfällt aber weniger als die Hälfte auf den Individualverkehr. Der ÖAMTC erinnert auch daran, dass dieser Wert durch den verstärkten Einbau von Partikelfiltern weiter stark abnehmen wird. Als Maßnahmen im Verkehrsbereich verlangt der ÖAMTC die Abschaffung flächendeckender Tempo-30-Zonen, in denen durch Entfall aller Vorrangbeschilderungen an jeder Kreuzung abgebremst werden muss, die Einrichtung von "Grünen Wellen", ebenfalls um ständiges Bremsen und Anfahren zu vermeiden sowie eine konsequente Straßenreinigung, um die Staubaufwirbelungen zu verringern.

ÖAMTC fordert Maßnahmen für alle Verursacher

Der Club fordert daher, dass alle Verursacher in gerechtem Umfang an der Umweltverbesserung mitwirken. Einen einseitigen Kampf gegen den Verkehr lehnt der Club mit seinen 1,5 Millionen Mitgliedern ab. Es ist in der Wissenschaft bekannt, dass sich selbst bei völliger Abstellung des gesamten Individualverkehrs die Anzahl der Grenzwertüberschreitungen kaum verringern würde. Der Grund: Gerade am Verkehrssektor wurden bereits bisher zahlreiche Maßnahmen zur Feinstaub-Minimierung umgesetzt, etwa durch die Entschwefelung des Kraftstoffes und den Diesel-Partikelfilter bei Neuwagen. Der ÖAMTC hat darüber hinaus ein umfassendes Forderungspaket erstellt:

  • Verbesserung der Reinigungslogistik, insbesondere in Ballungszentren.
  • Verbesserung des Splitt-Streumaterials zur Minimierung des Feinstaubs.
  • Höhere und flächendeckende Förderung von Nachrüst-Partikelfiltern für Diesel-Kfz (Pkw, Lkw und Bus).
  • Durchgängige Flottenumstellung des Öffentlichen Verkehrs (Bahn, Post, Busse etc.) auf umweltfreundliche Kraftstoffe.
  • Anschaffung von Kraftfahrzeugen für Bund (auch Polizei und Bundesheer), Länder und Gemeinden nur mit modernster (Diesel-)Technologie, sowie Nachrüstung älterer Dienstfahrzeuge.
  • Park und Ride-Offensive.
  • Umweltgerechter, verstärkter Garagenbau in Ballungszentren.
  • Konsequenter Ausbau der Straßeninfrastruktur zur Entlastung der Ballungszentren (z.B. Lückenschluss des Autobahnringes um Wien).
  • Attraktiveres Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln - moderne Busse und Bahnen (Pünktlichkeit, Sauberkeit, Bequemlichkeit).
  • Garantierte Steuerfreiheit für Erdgas und Biogas.

(Schluss)
ÖAMTC-Öffentlichkeitsarbeit/Sabine Fichtinger

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