Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Wien (OTS) - (K)ein Konzept für Berlin

Es wird spannend, ob das angekündigte Billig-Benzin aus öffentlichen Tankstellen jemals wirklich fließen wird. Denn auch wenn der Vizekanzler in der Öffentlichkeit die "Verantwortung" übernimmt:
Quersubventionierungen sind in Österreich wie in Europa verboten. Daran sind schon ähnliche Ideen von Autofahrerklubs und Landeshauptleuten gescheitert. Die Republik darf nicht einfach die Kosten für Tankwarte und Investitionen tragen, damit das Benzin für Private billiger wird. Es sei denn, sie bezahle gleich alle Tankwarte des Landes . . .

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Manchmal ist die kleine Eitelkeit des "Habe ich doch gesagt" nicht zu unterdrücken. Denn schon vor dem Sommer stand hier der Hinweis, dass der Mega-Vorsprung der CDU vor dem Wahltag noch kräftig schmelzen werde.

Die Ursache des nun wirklich eingetretenen Schmelzens heißt Paul Kirchhof. Der designierte CDU-Finanzminister ist ein faszinierendes Synonym für ein spannendes Steuermodell. Nur: CDU/CSU haben sich nach langem Streit auf ein anderes (ebenfalls interessantes) Konzept festgelegt. Und eine Partei sollte halt nicht mit zwei unterschiedlichen Konzepten in eine Wahl gehen. Vor allem, wenn jedes für sich allein schon viel Mut verlangt.

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Da ist es noch leichter, mit absolut null Konzepten in die Kampagne zu gehen, wie es Gerhard Schröder tut. Die SPD vertraut auf seine Telegenität und Rhetorik. So schafft es Schröder, gleich in zwei TV-Debatten mit dem an sich absolut peinlichen Jubel darüber zu punkten, dass seit April die Beschäftigtenzahlen wieder ansteigen. Als ob nicht in jedem Jahr in jedem Land Europas die Zahl der Beschäftigten im Sommer höher ist als im Winter.

Ansonsten kämpfen: der grüne Fischer, der sich mittels Ausradieren seiner Vergangenheit als Staatsmann zu profilieren versucht und vor sexistischen Bemerkungen über die österreichische Außenministerin nicht zurückscheut. Und der liberale Westerwelle, der zwar ein Konzept hat, aber das Image früherer "Spaßwahlkämpfe" nicht los wird.

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