Abschied vom "Ölkoholismus"

Das Ende von billigem Erdöl und Erdgas ändert fundamental die Energiewirtschaft

Wien (OTS) - Die aktuellen hohen Erdölpreise: Warum sie keine temporären Preisschocks sind

Seit Ende 2001 haben sich die Erdölpreise verdreifacht. Dieser Preisanstieg ist nicht mit den früheren Perioden hoher Erdölpreise vergleichbar.

Die Weltwirtschaft hat in den vergangenen drei Jahrzehnten drei Preisschocks bei Erdöl erfahren, die durch eine plötzliche Verknappung des Angebots ausgelöst wurden: 1973-74 durch das Embargo der OPEC, 1979 durch die Revolution im Iran und 1990 durch die Invasion des Iraks in Kuwait.

Die derzeitigen hohen Erdölpreise sind aber getrieben durch die hohe globale Nachfrage, ausgelöst vor allem durch die hohen Verbrauchszuwächse in den USA und in China, den weltweit größten Ölkonsumenten, und anderen dynamischen Wirtschaften Asiens.
Im Gegensatz zu den früheren Erdölschocks ist diesmal nicht mehr ein Zurückpendeln auf das historische Preisniveau um 20 Dollar pro Barrel zu erwarten, da der Druck der Nachfrage auf die Preise erhalten bleiben wird und die verfügbaren Förder- und Verarbeitungskapazitäten beschränkt sind. Eine leichte Entspannung wäre denkbar, wenn das hohe Preisniveau Investitionen zur Erschließung teurerer Erdölfelder und den dazugehörigen Raffinerien rentabel macht, aber das kann noch Jahre dauern und wird nur eine leichte Dämpfung bei den Rohölpreisen bewirken.

Noch haben aber die Erdölpreise kaufkraftbereinigt nicht die Höchststände der achtziger Jahre erreicht. Das wäre erst der Fall, wenn ein Barrel die Marke von 90 Dollar übersteigt.

Peak Oil: Die globale Erdölförderung erreicht den historischen Spitzenwert

In der Mitte der fünfziger Jahre begann eine Diskussion, wann die globale Erdölförderung aufgrund der begrenzten Erdölvorräte ihren Spitzenwert erreichen könnte.

Die Association for the Study of Peak Oil and Gas (ASPO) schätzt, dass die globale Förderung bei Erdöl in diesem Jahrzehnt und bei Erdgas im nächsten Jahrzehnt den historischen Spitzenwert erreichen wird.

Dass die globale Förderkapazität derzeit nicht mehr gesteigert werden kann, das zeigt die Analyse des Ausfalls der Erdölförderung im Golf von Mexiko durch den Hurrikan Katrina. Saudi Arabien, das Land mit der weltweit größten Erdölförderung und auch den größten noch verfügbaren Reserven, war nicht in der Lage, die Fördermengen entsprechend zu erhöhen.

Es ist bemerkenswert, dass der Ölmulti Chevron eine Informationskampagne gestartet hat, in der auf die abnehmende Verfügbarkeit von Erdöl aufmerksam gemacht wird. Zentrale Aussagen dieser Kampagne sind, dass in 33 der 48 größten erdölproduzierenden Ländern die Förderung rückläufig ist und dass jedem neu entdecktem Barrel Erdöl der doppelte Verbrauch gegenübersteht.

Der Ölmulti BP artikuliert in einer ähnlichen Werbekampagne noch zusätzlich die Notwendigkeit, die Emission von Treibhausgasen zur Eindämmung des globalen Klimawandels zu reduzieren.

Abschied vom "Ölkoholismus": Die Herausforderung für die Energiepolitik

Die renommierte Wirtschaftszeitschrift Economist sieht zur Bewältigung der aktuellen hohen Erdölpreise und der nachfolgenden Preissteigerungen bei Erdgas deshalb keine Alternative als den Abschied vom "Ölkoholismus", der Chiffre für die steigende Abhängigkeit der globalen Wirtschaft von Öl und Gas.
Die technischen Optionen für eine drastische Reduktion des Verbrauchs von Erdöl und Erdgas sind verfügbar und lauten Energieeffizienz und Erneuerbare Energie.

Für die Entwicklung von konsensfähigen "Entwöhnungsstrategien" ist die Energiepolitik gefordert. Weder die Versuchung nach populären kurzfristigen Kaschierungen der Signale der Erdölmärkte noch das blinde Vertrauen auf deren Marktmechanismen wird zielführend sein.

Gefordert ist eine Energiepolitik, die vor allem technologische Orientierungen gibt. Österreich hat diesbezüglich international herausragende Beispiele im Bereich des innovativen Bauens und bei den neuen erneuerbaren Energieträgern aufzuweisen. Diese gilt es flächendeckend umzusetzen.

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