AKNÖ-Studie: Eltern fühlen sich über das Schulsystem schlecht informiert

87 Prozent für schulische Nachmittagsbetreuung

Wien (AKNÖ) - Die Schulreformdebatte ist in Gefahr, eine Schlagwortdebatte zu bleiben. 50 Prozent der niederösterreichischen Eltern wissen nicht, was sich hinter den Begriffen Gesamtschule, gemeinsame Grundschule und Ganztagsschule verbirgt. Sie fühlen sich schlecht informiert. Das geht aus einer IFES-Studie der AKNÖ hervor, die heute präsentiert wurde.

"Gleiche Bildungschancen für alle, unabhängig von sozialem oder finanziellem Hintergrund und die bestmögliche Förderung vorhandener Talente und Begabungen - dazu bekennt sich die AKNÖ seit Jahren. Allerdings wurden unsere Forderungen noch nicht umgesetzt. Sonst hätten wir bei PISA besser abgeschnitten. Fest steht, im Schulsystem muss sich etwas ändern. Dazu ist es aber auch notwendig, die Wünsche und Bedürfnisse der Eltern zu kennen", erklärt AKNÖ-Präsident Josef Staudinger. Niemand hat je ausreichend erhoben, welche Vorstellungen, Erwartungen, aber auch Befürchtungen mit den Begriffen verbunden werden und wie gut sich Eltern über die Inhalte der Schulreformdebatte und neue Konzepte informiert fühlen.

Die großen Unbekannten: Ganztagsschule, Gesamtschule und Co
Von den 800 Befragten wissen mehr als die Hälfte nicht genau Bescheid über Ganztagsschule, Tagesheimschule, Gesamtschule und gemeinsame Grundschule. Ein großer Teil der Eltern verbindet mit den Begriffen höchst unterschiedliche Schulformen. Eine Basis für eine konstruktive Auseinandersetzung ist hier nicht gegeben.

Informierte denken anders: 78 Prozent für Gesamtschule
Die Einstellung der Eltern verändert sich, wenn sie nicht nur mit Schlagworten konfrontiert, sondern über die Inhalte informiert werden. Unter der Voraussetzung, dass die Kinder stärker als bisher individuell gefördert werden, halten 78 Prozent eine neue Gesamtschule der 6- bis 14-Jährigen für offenkundig besser als unsere derzeitigen Schulformen.

Ganztagsschule: Beaufsichtigung allein genügt nicht
Vor die Wahl gestellt, ob das Kind eine Ganztagsschule mit Unterricht in aufgelockerter Form besuchen soll oder eine Schule mit bekannter Unterrichtsform und Nachmittagsbetreuung, votieren
47 Prozent für die "echte" Ganztagsschule, 41 Prozent sind für eine freiwillige Nachmittagsbetreuung. "Die gegenüber anderen Umfragen wesentlich höhere Akzeptanz der Ganztagsschule erklärt sich daraus, dass die Eltern im Rahmen dieser Umfrage ausführlicher über diese Schulform informiert wurden", interpretiert AKNÖ-Bildungsexperte Günter Kastner. Allerdings verlangen die Eltern, dass die Nachmittagsbetreuung Mittagessen, Lernhilfen und Förderangebote beinhaltet.

AKNÖ-Datenbank informiert über Nachmittagsbetreuung
Die große Mehrheit von 87 Prozent der Eltern ist für eine Nachmittagsbetreuung in den Schulen. 30 Prozent der niederösterreichischen Eltern sind aber nicht über das Betreuungsangebot in ihrer Umgebung informiert, weitere 22 Prozent nur zum Teil. Darauf hat die AKNÖ reagiert: Unter noe.arbeiterkammer.at können Eltern sehen, welche Schulen in ihrer Umgebung Nachmittagsbetreuung anbieten. "Bisher gab es in Niederösterreich kein derartiges Service", erklärt AKNÖ-Direktor Guth und kündigt noch mehr Informationen für die NiederösterreicherInnen an: "Wir selbst werden in unseren Medien und bei Veranstaltungen die Menschen aktiv über Bildungsinhalte informieren."

Mehr Information im Bereich der Nachmittagsbetreuung würde für die Eltern auch eine berufliche Chance bedeuten. Auch das geht aus der Umfrage hervor. Fast die Hälfte der Befragten gab an, dass sie selbst oder ihre PartnerInnen einen Berufseinstieg bzw. einen Wiedereinstieg überlegen würden, wenn das Kind gut untergebracht ist. "Für viele Eltern wäre ein Umstieg von Teilzeitarbeit auf Vollzeitbeschäftigung denkbar. Das ist eine Entwicklung, die gefördert werden muss", sagt Staudinger.

Echte Information gefragt

"Dass die Informationsdefizite so alarmierend sind, ist nicht die Schuld der Bevölkerung", erklärt Staudinger und meint weiter: "Die politisch Verantwortlichen müssen endlich handeln und echte Informationskampagnen starten. Angesichts der Studienergebnisse keine Gegenmaßnahmen zu ergreifen, würde ein bewusstes Inkauf-Nehmen von mangelnden Informationen und fehlender inhaltlicher Debatte bedeuten. Die AKNÖ fordert den Ausbau des Ganztagsschulsystems mit Wahlfreiheit zwischen Halbtags- und Ganztagsschule für die Eltern sowie eine gemeinsame Schule für die 6- bis 14-Jährigen mit gezielter Förderung und Chancengleichheit für alle.

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