"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Die Landesfürsten" (Von Monika Dajc)

Ausgabe vom 15. 9. 2005

Innsbruck (OTS) - Die psychologischen Aspekte sind eine Seite des steirischen "Familiendramas" mit den Hauptfiguren Klasnic und Hirschmann. Zuletzt lieferte es auch interessante Einblicke, wie österreichische Politik im dritten Jahrtausend so funktioniert.

Was hat Frau Landeshauptmann gemacht, um sich den missliebig Gewordenen mit möglichen neuen Politik-Ambitionen vom Leib zu halten? Bei Freunden in Gestalt anderer Landeshauptleute angerufen, sich für Aufträge verwendet, um Hirschmann bei seiner Firma und damit fern der Politik zu halten. Fast rührend, der von Klasnic nachgeschickte Satz, sie hätte sich auch für jeden anderen auf diese Weise eingesetzt. Nimmt man sie beim Wort, dann bekommt die erste Steirerin wohl eine ganze Menge an Mehrarbeit. Die Drähte zwischen Graz, Linz und Innsbruck würden dann mitunter wohl glühen.

Die Zeiten haben sich geändert. Aber viele sehen die Landeshauptleute aus gutem Grund unverändert als Landesfürsten oder weniger ehrfurchtsvoll als Strippenzieher. Mitunter recht wichtige Dinge erledigen Gestandene aus ihrer Riege im Bereich des Inoffiziellen. Zeitgerecht und nachdrücklich deponieren sie, wer ihrer Meinung nach die Geeignetsten für einen Spitzenjob wären. Wird die Einflussnahme oder das selbstloser klingende Sich-Verwenden publik, dann sind (siehe Steiermark) die Abfolge von in flagranti und Dementi geradezu logisch.

Als Ideengeber oder dezente Anbahner von Geschäften mischen Landeshauptleute in der Wirtschaft über Landesgesellschaften oder Beteiligungen daran kräftig mit. Sie machen ungeniert Vorgaben, wo sie nach den Buchstaben des Gesetzes nichts zu sagen hätten. Bis zum gelegentlichen Beweis des Gegenteils geschieht dies zum Wohl des jeweiligen Landes. Satte Mehrheiten sichern den meisten Landeshauptleuten die Möglichkeit, geradezu virtuos auf dem Klavier der Klientelpolitik zu spielen.

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