- 02.09.2005, 17:16:34
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"Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar"
Schafft die Schule ganz ab
Wien (OTS) - Die Schule beginnt, und damit auch wieder die Flut
schulpopulistischer Aussagen von Politikern. Umso erfrischender der
Vorschlag der Wiener Stadtschulrats-Chefin Susanne Brandsteidl, die
schulautonomen Tage abzuschaffen. Dieser ist freilich sofort von
allen abgelehnt worden ist, die glauben, mit der Forderung nach immer
noch mehr Schulferien Wählerstimmen gewinnen zu können. Brandsteidls
(Partei-)Freund Niederwieser toppt das noch mit der Idee, jeder
Schüler soll sich überhaupt gleich individuell frei nehmen können.
Neben den von Brandsteidl genannten Problemen für Eltern mit
Kindern in mehreren Schulen sollten wir aber auch Grundsätzliches
diskutieren.
Vielleicht hängt unser mageres Abschneiden bei den Pisa-Tests
nämlich - auch - damit zusammen, dass die Weltrekordnation der
Ferienmaximierer ständig die Schulzeit reduziert hat: durch
"Energie"-Ferien; durch schulautonome Tage; durch die Überlastung der
Schule mit schulfremden Themen; durch die Fünftagewoche und die
Verschiebung konzentrationsintensiver Fächer auf die Nachmittage.
Schaffen wir die Schule doch gleich ganz ab!
Wer aber unsere Kinder ernst nimmt, könnte auch eine Verkürzung
der Sommerferien fordern. Denn als Erntehelfer brauchen wir sie nicht
mehr.
*
Noch gestern habe ich an dieser Stelle die manische Suche nach
Schuldigen an jeder Naturkatastrophe kritisiert. Heute muss ich das
teilweise zurücknehmen: Es wird immer deutlicher, dass alle Hinweise
auf den Zustand der Dämme in New Orleans von den Behörden ignoriert
worden sind.
Dennoch bleibe ich dabei: 1. Kein Land der Welt kann sich auf
solche Schläge wirklich ausreichend vorbereiten. 2. Auch im nun so
oft erwähnten Irak-Krieg war die Logistik das weitaus zeitraubendste
Problem, das Monate gekostet hat. 3. Daran, dass ein Teil der vor
allem afroamerikanischen Einwohner die Anordnung zur rechtzeitigen
Räumung der Stadt einfach ignoriert haben, sollte man nicht den
Behörden Schuld geben. 4. Am miesen Charakter der Plünderer und
Vergewaltiger schon gar nicht.
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