"Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar"

Schafft die Schule ganz ab

Wien (OTS) - Die Schule beginnt, und damit auch wieder die Flut schulpopulistischer Aussagen von Politikern. Umso erfrischender der Vorschlag der Wiener Stadtschulrats-Chefin Susanne Brandsteidl, die schulautonomen Tage abzuschaffen. Dieser ist freilich sofort von allen abgelehnt worden ist, die glauben, mit der Forderung nach immer noch mehr Schulferien Wählerstimmen gewinnen zu können. Brandsteidls (Partei-)Freund Niederwieser toppt das noch mit der Idee, jeder Schüler soll sich überhaupt gleich individuell frei nehmen können.

Neben den von Brandsteidl genannten Problemen für Eltern mit Kindern in mehreren Schulen sollten wir aber auch Grundsätzliches diskutieren.

Vielleicht hängt unser mageres Abschneiden bei den Pisa-Tests nämlich - auch - damit zusammen, dass die Weltrekordnation der Ferienmaximierer ständig die Schulzeit reduziert hat: durch "Energie"-Ferien; durch schulautonome Tage; durch die Überlastung der Schule mit schulfremden Themen; durch die Fünftagewoche und die Verschiebung konzentrationsintensiver Fächer auf die Nachmittage. Schaffen wir die Schule doch gleich ganz ab!

Wer aber unsere Kinder ernst nimmt, könnte auch eine Verkürzung der Sommerferien fordern. Denn als Erntehelfer brauchen wir sie nicht mehr.

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Noch gestern habe ich an dieser Stelle die manische Suche nach Schuldigen an jeder Naturkatastrophe kritisiert. Heute muss ich das teilweise zurücknehmen: Es wird immer deutlicher, dass alle Hinweise auf den Zustand der Dämme in New Orleans von den Behörden ignoriert worden sind.

Dennoch bleibe ich dabei: 1. Kein Land der Welt kann sich auf solche Schläge wirklich ausreichend vorbereiten. 2. Auch im nun so oft erwähnten Irak-Krieg war die Logistik das weitaus zeitraubendste Problem, das Monate gekostet hat. 3. Daran, dass ein Teil der vor allem afroamerikanischen Einwohner die Anordnung zur rechtzeitigen Räumung der Stadt einfach ignoriert haben, sollte man nicht den Behörden Schuld geben. 4. Am miesen Charakter der Plünderer und Vergewaltiger schon gar nicht.

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