WirtschaftsBlatt Kommentar vom 3.9.2005: Wenn eine Weltmacht machtlos wird- von Peter Muzik

Wien (OTS) - Die für modernste Technologien aller Art bekannte Supermacht USA war wieder einmal völlig überfordert und hat kläglich versagt - so wie die mächtigste Armee der Welt damals gegen ein paar Selbstmordattentäter, die das World Trade Center zum Einsturz brachten, keine Chance hatte. Der Hurricane von
Louisiana beweist zum einen wieder einmal, dass es Menschen nicht mit Naturgewalten aufnehmen können: tausende Tote, unzählige Obdachlose und Verzweifelte, die tagelang auf Hilfe warten, zugleich hilflose Behörden, eine weitgehend verwüstete Stadt, schwere Explosionen - und die Ärmsten und politisch Schwachen hat es am ärgsten getroffen. Mitten im Horror obendrein bewaffnete Überfälle, ratlose Polizisten, die zusehen müssen, wie Plünderer ganze Kaufhäuser ausräumen, Schlägereien, Vergewaltigungen, Rettungskräfte, die vor der Anarchie kapitulieren.
Dieses unvorstellbare Chaos, das man sonst bloss aus Entwicklungsländern kennt, spielt sich mitten in der reichsten Wirtschaftsnation der Welt ab - womit der Wirbelsturm Katrina gnadenlos die eklatanten Defizite der amerikanischen Gesellschaft aufzeigt. Was Hans Rauscher im "Standard" den "Dritte-Welt-Touch" der USA nennt, hat nicht zuletzt damit zu tun, dass George W. Bush bislang alle Warnungen in den Wind geschlagen und beispielsweise das Kyoto-Protokoll nicht unterzeichnet hat. Hoffentlich wird ihm das entsetzliche Drama von New Orleans wenigs-tens bewusst machen, dass sich ein amerikanischer Präsident mit den staatlichen Pflichten in seinem Land, die immer mehr reduziert worden sind, weitaus intensiver befassen müsste als etwa mit dem Irak-Krieg. Vielleicht führt diese nationale Katastrophe auch dazu, dass die Sinnhaftigkeit des stark verbreiteten Waffenbe-
sitzes ebenso in Frage gestellt wird wie das derzeitige Krankenversicherungssystem, das Millionen Schwache durch den Rost fallen lässt.
Bush, der für eine horrende Erhöhung der US-Rüstungsausgaben auf heuer mehr als 400 Milliarden Dollar steht, sollte künftig weniger für die Rüstungsfirmen tun, die sich blöd verdienen. Dafür könnte er mehr an seine Landsleute denken, die von neuesten Präzionswaffen, unbemannten Flugzeugen, Kriegsschiffen oder Panzern so gut wie nichts haben. Sobald die Vereinigten Staaten zum Beispiel stärkere Dämme bauen, würde das der Bevölkerung mehr Nutzen bringen als die breite militärische Präsenz - und damit könnten auch gesellschaftliche Risse zumindest verkleinert werden.

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