• 02.09.2005, 11:54:17
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Niederwieser: Rückenwind vom Rechnungshof für SPÖ-Pläne für eine Neue Schule

Klassenwiederholungen nur mehr auf freiwilliger Basis

Wien (SK) SPÖ-Pläne für eine Neue Schule, die jüngst vom
Rechnungshof Rückenwind erhalten haben, präsentierte
SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser Freitag in einer
Pressekonferenz. Dazu gehören die Abschaffung von
Klassenwiederholungen - "Fördern statt Klasse wiederholen" -, eine
Erhöhung der Schülerbeihilfe, die Verbesserung des Schulklimas, eine
europaweite Koordinierung der Schulferien, die Zusammenführung der
Ausbildung der Lehrer und eine verpflichtende Lehrerfortbildung. Den
Vorschlag von Stadtschulratpräsidentin Brandsteidl, die
schulautonomen Tage abzuschaffen, hält Niederwieser für
überlegenswert; "es gibt viele Vorschläge, wie das Problem gelöst
werden kann. Vorstellbar ist auch, die schulautonomen Tage zu
individuellen freien Tagen für Schüler zu machen." Die von
Bildungsministerin Gehrer zugesagten Nachmittagsbetreuungsplätze
seien zu wenig - sie decken nicht einmal ein Drittel der in
Niederösterreich benötigten Plätze ab - und kämen sehr spät - erst
ab nächstem Herbst. ****

Niederwieser betonte, dass die Eltern momentan sehr viel
Geld für Nachhilfe ausgeben, v.a. jetzt, wo die Nachprüfungen
anstehen. Jährlich seien zwischen 40.000 und 50.000 SchülerInnen
nicht zum Aufsteigen in die nächste Klasse berechtigt. Faktum sei,
dass das Wiederholen einer Klasse bei 50 Prozent der Kinder dazu
führt, dass sie im nächsten Jahr aus der Schule aussteigen.
"Klassenwiederholungen sind eine schlechte und antiquierte
pädagogische Maßnahme, die zu dramatischen Verschlechterungen führt,
und die es in fast keinem europäischen Land mehr gibt", so der
SPÖ-Bildungssprecher. Selbst der Rechnungshof, der im Sommer einen
Bericht zu internationalen Bildungsvergleichsstudien vorgelegt und
dem Bildungsministerium Vorschläge gemacht hat, teile diese Kritik.
"Das Wiederholen von Klassen (Repetieren) wäre mit Hilfe gezielter
Fördermaßnahmen möglichst zu vermeiden", so der RH. Die SPÖ tritt
für die Abschaffung von Klassenwiederholungen ein und plädiert für
die Umwandlung in eine freiwillige Form - nur wenn Eltern, Lehrer
und Schüler dafür sind, soll eine Klasse wiederholt werden. Im
Gegenzug solle die Förderung der Kinder verstärkt werden.

Schulbeginn ohne Armutsfalle - SPÖ für Erhöhung der
Schülerbeihilfe

Schule werde für immer mehr Eltern zu einer erheblichen
finanziellen Belastung. Ein Schulstartpaket koste etwa 200 Euro,
dazu kämen noch die Kosten für Schulveranstaltungen. Der Bund habe
aber seit 1999 die Schülerbeihilfe nicht erhöht, und die
Inflationsrate sei um 13,5 Prozent gestiegen. Die Eltern würden
doppelt belastet, so Niederwieser, der für die erste
Parlamentssitzung im Herbst einen SPÖ-Antrag auf Erhöhung der
Schülerbeihilfe ankündigte.

Ein wesentlicher Faktor für den schulischen Erfolg sei auch
das Schulklima. Dieses müsse verbessert werden, und Schule müsse
verlässlicher gestaltet werden. Für den SPÖ-Bildungssprecher ist die
Forderung Gehrers, es dürfen nicht mehr als fünf Prozent der Stunden
ausfallen, zu wenig weitreichend. Jede ausgefallene Stunde bedeute
ein Minus an Bildung. Der RH habe festgestellt, dass 30 Millionen
mit vernünftigen Supplierregelungen eingespart werden könnten. Dies
soll umgesetzt und das Geld solle für Förderunterricht verwendet
werden, so Niederwieser.

Der SPÖ-Bildungssprecher forderte außerdem Ministerin Gehrer
auf, die kommende EU-Präsidentschaft für einen Vorschlag für eine
effektive, langfristige Schulferien-Abstimmung auf europäischer
Ebene zu nützen.

Schließlich solle die Aus- und Weiterbildung der LehrerInnen
zusammengeführt - derzeit gibt es rund 60 Einrichtungen zur
Lehrerausbildung - und auf eine wissenschaftliche Basis gestellt
werden. Langfristiges Ziel sei die Ausbildung an den Universitäten;
dort wo dies jetzt schon möglich ist, solle es bereits passieren.
Mittelfristig sollten in der Hochschule für alle pädagogische Berufe
alle LehrerInnen und auch die KindergärtnerInnen ausgebildet werden.
Eine gleichwertige Ausbildung der LehrerInnen aller Stufen schaffe
auch mehr Spielraum bei der Einsetzung des Personals. Die
Fortbildung der LehrerInnen solle so gestaltet sein, dass sie nicht
abgelehnt werden könne - Niederwieser rechnet aber mit dem
Engagement der LehrerInnen.

Zweifelsfrei ein Problem für die Eltern seien die
schulautonomen Tage. Die Abschaffung sei eine von mehreren
Lösungsvarianten, man könne aber auch die schulautonomen Tage zu
individuellen freien Tagen machen, oder zumindest teilweise. Auf
jeden Fall müsse man gemeinsam mit den Eltern- und
Lehrerorganisationen den richtigen Weg besprechen.

Für Niederwieser steht auch fest: 10.000 bis 12.000
zusätzliche Nachmittagsbetreuungsplätze decken den Bedarf bei weitem
nicht ab. Die SPÖ bleibe bei ihrer Forderung nach 100.000
zusätzlichen Plätzen. Das Schulpaket Gehrers werde zwar um teures
Geld in Inseraten und Plakaten verkauft, es sei der Größe der
Aufgabe aber nicht gewachsen. Außerdem müsse immer wieder darauf
hingewiesen werden, dass die Maßnahmen erst ab nächstem Herbst in
Kraft treten. (Schluss) cs/vs

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | SPK

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