Niederwieser: Rückenwind vom Rechnungshof für SPÖ-Pläne für eine Neue Schule

Klassenwiederholungen nur mehr auf freiwilliger Basis

Wien (SK) SPÖ-Pläne für eine Neue Schule, die jüngst vom Rechnungshof Rückenwind erhalten haben, präsentierte SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser Freitag in einer Pressekonferenz. Dazu gehören die Abschaffung von Klassenwiederholungen - "Fördern statt Klasse wiederholen" -, eine Erhöhung der Schülerbeihilfe, die Verbesserung des Schulklimas, eine europaweite Koordinierung der Schulferien, die Zusammenführung der Ausbildung der Lehrer und eine verpflichtende Lehrerfortbildung. Den Vorschlag von Stadtschulratpräsidentin Brandsteidl, die schulautonomen Tage abzuschaffen, hält Niederwieser für überlegenswert; "es gibt viele Vorschläge, wie das Problem gelöst werden kann. Vorstellbar ist auch, die schulautonomen Tage zu individuellen freien Tagen für Schüler zu machen." Die von Bildungsministerin Gehrer zugesagten Nachmittagsbetreuungsplätze seien zu wenig - sie decken nicht einmal ein Drittel der in Niederösterreich benötigten Plätze ab - und kämen sehr spät - erst ab nächstem Herbst. ****

Niederwieser betonte, dass die Eltern momentan sehr viel Geld für Nachhilfe ausgeben, v.a. jetzt, wo die Nachprüfungen anstehen. Jährlich seien zwischen 40.000 und 50.000 SchülerInnen nicht zum Aufsteigen in die nächste Klasse berechtigt. Faktum sei, dass das Wiederholen einer Klasse bei 50 Prozent der Kinder dazu führt, dass sie im nächsten Jahr aus der Schule aussteigen. "Klassenwiederholungen sind eine schlechte und antiquierte pädagogische Maßnahme, die zu dramatischen Verschlechterungen führt, und die es in fast keinem europäischen Land mehr gibt", so der SPÖ-Bildungssprecher. Selbst der Rechnungshof, der im Sommer einen Bericht zu internationalen Bildungsvergleichsstudien vorgelegt und dem Bildungsministerium Vorschläge gemacht hat, teile diese Kritik. "Das Wiederholen von Klassen (Repetieren) wäre mit Hilfe gezielter Fördermaßnahmen möglichst zu vermeiden", so der RH. Die SPÖ tritt für die Abschaffung von Klassenwiederholungen ein und plädiert für die Umwandlung in eine freiwillige Form - nur wenn Eltern, Lehrer und Schüler dafür sind, soll eine Klasse wiederholt werden. Im Gegenzug solle die Förderung der Kinder verstärkt werden.

Schulbeginn ohne Armutsfalle - SPÖ für Erhöhung der Schülerbeihilfe

Schule werde für immer mehr Eltern zu einer erheblichen finanziellen Belastung. Ein Schulstartpaket koste etwa 200 Euro, dazu kämen noch die Kosten für Schulveranstaltungen. Der Bund habe aber seit 1999 die Schülerbeihilfe nicht erhöht, und die Inflationsrate sei um 13,5 Prozent gestiegen. Die Eltern würden doppelt belastet, so Niederwieser, der für die erste Parlamentssitzung im Herbst einen SPÖ-Antrag auf Erhöhung der Schülerbeihilfe ankündigte.

Ein wesentlicher Faktor für den schulischen Erfolg sei auch das Schulklima. Dieses müsse verbessert werden, und Schule müsse verlässlicher gestaltet werden. Für den SPÖ-Bildungssprecher ist die Forderung Gehrers, es dürfen nicht mehr als fünf Prozent der Stunden ausfallen, zu wenig weitreichend. Jede ausgefallene Stunde bedeute ein Minus an Bildung. Der RH habe festgestellt, dass 30 Millionen mit vernünftigen Supplierregelungen eingespart werden könnten. Dies soll umgesetzt und das Geld solle für Förderunterricht verwendet werden, so Niederwieser.

Der SPÖ-Bildungssprecher forderte außerdem Ministerin Gehrer auf, die kommende EU-Präsidentschaft für einen Vorschlag für eine effektive, langfristige Schulferien-Abstimmung auf europäischer Ebene zu nützen.

Schließlich solle die Aus- und Weiterbildung der LehrerInnen zusammengeführt - derzeit gibt es rund 60 Einrichtungen zur Lehrerausbildung - und auf eine wissenschaftliche Basis gestellt werden. Langfristiges Ziel sei die Ausbildung an den Universitäten; dort wo dies jetzt schon möglich ist, solle es bereits passieren. Mittelfristig sollten in der Hochschule für alle pädagogische Berufe alle LehrerInnen und auch die KindergärtnerInnen ausgebildet werden. Eine gleichwertige Ausbildung der LehrerInnen aller Stufen schaffe auch mehr Spielraum bei der Einsetzung des Personals. Die Fortbildung der LehrerInnen solle so gestaltet sein, dass sie nicht abgelehnt werden könne - Niederwieser rechnet aber mit dem Engagement der LehrerInnen.

Zweifelsfrei ein Problem für die Eltern seien die schulautonomen Tage. Die Abschaffung sei eine von mehreren Lösungsvarianten, man könne aber auch die schulautonomen Tage zu individuellen freien Tagen machen, oder zumindest teilweise. Auf jeden Fall müsse man gemeinsam mit den Eltern- und Lehrerorganisationen den richtigen Weg besprechen.

Für Niederwieser steht auch fest: 10.000 bis 12.000 zusätzliche Nachmittagsbetreuungsplätze decken den Bedarf bei weitem nicht ab. Die SPÖ bleibe bei ihrer Forderung nach 100.000 zusätzlichen Plätzen. Das Schulpaket Gehrers werde zwar um teures Geld in Inseraten und Plakaten verkauft, es sei der Größe der Aufgabe aber nicht gewachsen. Außerdem müsse immer wieder darauf hingewiesen werden, dass die Maßnahmen erst ab nächstem Herbst in Kraft treten. (Schluss) cs/vs

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