Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Wien (OTS) - Rot-grüne Einigkeiten

Ich warte auf die erste Katastrophe, bei der nicht nachher in den Medien aller Welt kritisiert wird, wieso die Hilfsmaßnahmen zu spät und zu wenig und überhaupt falsch waren. Ich werde wohl vergeblich warten. Es bleibt beim Ritual: Jede Geschichte braucht einen Schuldigen, es schadet der Seherquote, wenn alle ihr Bestes gegeben haben.

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Eine Studie im "Spiegel" stellt die Welt mancher auf den Kopf: Es sind nicht die Schlecht-, sondern die Höchstverdiener, die bei einer Flat tax draufzahlen. Denn diese profitieren derzeit am meisten vom Dschungel der vielen Abschreibe- und Gestaltungsnischen. Dennoch kann man wetten, dass sich weder in Deutschland noch in Österreich ein Finanzminister an die Flat tax herantraut. Zumindest nicht, bis eine große Krise und die Herausforderung der Flat-tax-Länder im Osten dazu zwingt.

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Interessanter und auffällig zeitgleicher Einklang zwischen Rot und Grün schon vor der Wahl: Es muss nicht immer die Nummer eins sein, die nach der Wahl den Bundeskanzler stellt. Eine absolut legitime und verfassungskonforme Position. Nur plagt da eine dunkle Erinnerung mein Gedächtnis: Irgendwelche Parteien haben doch 2000, als Wolfgang Schüssel als Nummer drei Kanzler wurde, lauthals "undemokratisch" gerufen . . .

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Bisweilen haben auch die Gewerkschaften recht: Die Lehrervertreter lehnen den Wunsch der Universitäten ab, künftig auch die Volksschullehrer auszubilden. Dazu war die pädagogische Qualität der AHS-Lehrer-Ausbildung bisher zu schlecht, als dass die Unis ein Anrecht darauf hätten. Die Pädagogischen Akademien sind praxisorientierter.

Am besten wäre ja ein Wettbewerb: Ausbilden darf jener, dessen Absolventen nachher die besten Kenntnisse im Rechtschreiben und in den Grundrechnungsarten sowie eine Allgemeinbildung etwa auf dem Niveau der Leser einer Qualitätszeitung erworben haben. Oder ist das alles schon zuviel verlangt für unsere Volksschüler?

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