WirtschaftsBlatt Kommentar vom 2.9.2005: Es gibt keine Garantien für das Risiko - von Arne Johannsen

Wien (OTS) - "Generationsplan" heisst eines der Produkte der Fondsgesellschaft AMIS. Eine optimistische Bezeichnung: Das Unternehmen hat keinerlei Plan, wann und wie das Geld der Anleger jemals zurückgezahlt werden soll. Diese zittern täglich um ihr Erspartes, von einem Investment über Generationen kann keine Rede sein. Jetzt hat die Finanzmarktaufsicht die Notbremse gezogen und einen Regierungskommissar als Aufseher für die Fondsgesellschaft bestellt - ein für Österreichs Finanzszene einmaliger Vorgang. Für alle bankenunabhängigen Fondsanbieter ist das ein schwerer Schlag. Denn die Reaktion vieler Anleger ist vorhersehbar: Zurück zum Sparbuch bei der Hausbank, da ist das Geld sicher. Sicher ist es dort, aber mehr wird es halt auch nicht. So lautet des Sparers Dilemma.
Dabei fällt der Fall AMIS nicht in die übliche Kategorie "biete 30 Prozent garantierte Rendite, und das sofort". Betrüger, die so etwas versprechen, gibt es genug. Und es gibt auch genug Anleger, die immer wieder auf solche Fantasie-versprechen hereinfallen.
AMIS hat jedoch durchaus vernünftig erscheinende Fonds angeboten, wie andere Fondsgesellschaften es auch tun. Trotzdem ist ein erheblicher Teil der veranlagten Gelder von insgesamt rund 60 bis 70 Millionen Euro verschwunden. Ob das an tatsächlichen Kursverlusten liegt oder andere Gründe hat, muss der Regierungskommissar jetzt aufklären. Für die Anleger ist der Verlust in jedem Fall bitter. Aber er rückt auch wieder ins Bewusstsein, was angesichts ständig steigender Aktienkurse - die Wiener Börse erreicht ein Rekordhoch nach dem anderen - gerne vergessen wird: Abgesehen vom erbärmlich verzinsten Sparbuch ist jede Form der Geldanlage mit einem Risiko verbunden. Man kann darüber streiten, ob die Finanzmarktaufsicht früher hätte einschreiten können oder müssen. Nur: Auch verschärfte Kontrollen können das Verlustrisiko im günstigsten Fall nur minimieren, ausschalten können sie es nicht. Das zu erwarten, ist eine Illusion, die teuer werden kann: Viele Sparer der pleitegegangen Rieger Bank wiegten sich in falscher Sicherheit, weil das Institut von Nationalbank, Bankenaufsicht und Wirtschaftsprüfern kontrolliert wurde - eine Garantie gegen den Zusammenbruch war auch das letztlich nicht.
Das ist kein Plädoyer für eine laschere Kontrolle von Finanzdienstleistern. Aber eine Warnung vor dem fatalen Glauben, sich gegen alle Risiken absichern zu können.

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