ZU HOHES TEMPO, ALKOHOL UND DRÄNGELN: UNFALLURSACHEN AUS SICHT DER EUROPÄER

Erkenntnis schützt vor Torheit nicht: Zu hohe Geschwindigkeit wird von den Europäern als Unfallursache Nr. 1 erkannt, trotzdem hält sie weiter den Spitzenplatz

Wien (OTS) - Es sind oft mehrere ungünstige Faktoren, die bei
einem Verkehrsunfall zusammenwirken. Ein Unfallumstand ragt aber immer wieder besonders hervor: Zu hohe Geschwindigkeit hält sich mit über 36 Prozent Anteil an tödlichen Straßenverkehrsunfällen hartnäckig an der Spitze. Die europäische Studie SARTRE (Social Attitudes to Road Traffic Risk in Europe) hat bestätigt, dass nicht nur in Österreich, sondern in auch in allen anderen 22 untersuchten Ländern diese Tatsache in den Köpfen der Autofahrer verankert ist. Tatsächlich ist in allen Mitgliedstaaten der EU überhöhte und unangepasste Geschwindigkeit für rund ein Drittel aller tödlichen Verkehrsunfälle verantwortlich. "Deshalb ist es um so verwunderlicher, dass sich dieses Bewusstsein scheinbar nicht in die entsprechende Handlungsweise, nämlich angemessenes Geschwindigkeitsverhalten, umsetzen lässt", bedauert Dr. Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV).

Killer Nr. 1: Zu hohe Geschwindigkeit

Je 1.000 Pkw-Lenkern wurde in 23 Ländern von Belgien bis Zypern die Frage gestellt: "Welche Ursachen führen Ihrer Meinung nach zu Verkehrsunfällen?"
86 Prozent der Österreicher nannten als Hauptunfallursache zu schnelles Fahren und bewegten sich mit dieser Einschätzung sogar über dem europäischen Durchschnitt von 83 Prozent. Auch drei Viertel der bekennenden Schneller-Fahrer schlossen sich dieser Meinung an. Trotzdem scheint das Risiko immer nur von den anderen auszugehen, denn der eigene Tritt aufs Gaspedal wird grundsätzlich als nicht gefährlich bezeichnet. Die Geschwindigkeitsübertretungen anderer werden hingegen sehr wohl als riskant klassifiziert.
Insgesamt gab etwa ein Drittel der befragten heimischen Autofahrer an, gerne schnell zu fahren. Europäische Spitzenreiter in Sachen Gas geben sind übrigens die Polen: Fast jeder Zweite liebt dort die Geschwindigkeit. Auf Inseln geht man es scheinbar ruhiger an, denn nur 18 Prozent der Iren begeistern sich fürs Schnellfahren.

Europa ins Glas geschaut

Trunkenheit am Steuer scheint in Estland ein größeres Problem zu sein, da Alkohol mit 97 Prozent dort als absoluter Unfallgrund Nr. 1 gesehen wird. Die Österreicher stufen den tiefen Blick ins Glas gefühlsmäßig als zweithäufigste Unfallursache ein. "Auch bei dieser Frage zeigt sich die zwiespältige Haltung, dass ein Alkoholunfall nur anderen passiert", stellt Thann fest. "Denn 80 Prozent jener österreichischen Lenker, die hin und wieder mit zu viel Alkohol im Blut die Straße unsicher machen, waren auch der Meinung, dass Trinken und Autofahren eine gefährliche Kombination sind." Beunruhigend ist das Ergebnis, dass insgesamt 21 Prozent der heimischen Fahrer angaben, an drei Tagen der Woche oder häufiger Alkohol zu trinken und sich dann zum Großteil auch noch hinter das Steuer zu setzen (17%). Anders denken da wohl die Niederländer: Ein Drittel der befragten holländischen Autofahrer gab an, an drei oder mehr Tagen pro Woche Alkohol zu trinken, doch nur neun Prozent fahren dann auch noch selbst. Wenig Skrupel haben die Zyprioten: 33 Prozent lenken noch ein Auto, nachdem sie mehr Alkohol als erlaubt getrunken haben.

Für Österreicher bedrohlich: Zu dichtes Auffahren

An dritter Stelle der nach Meinung der Österreicher häufigsten Unfallursachen rangiert zu dichtes Auffahren. 80 Prozent der befragten heimischen Autofahrer glauben, dass Drängeln einer der drei Hauptgründe für Unfälle im Straßenverkehr ist. Damit befindet sich Österreich bei dieser Einschätzung hinter Großbritannien, den Niederlanden, Dänemark, Deutschland und Estland im europäischen Spitzenfeld. Obwohl also das Kleben an der Stoßstange zunehmend als bedrohlich empfunden wird und scheinbar schon zum Verkehrsalltag gehört, gab nur jeder 25. österreichische Lenker zu, oft bis immer dem Vordermann zu nahe zu kommen. Vorbildlicher stufen sich nur noch die polnischen Fahrer ein: Nur drei Prozent meinen, oft bis immer ungenügenden Abstand zu halten. In Griechenland bekannten sich hingegen 35 Prozent der Befragten zum Fahren auf Tuchfühlung. "Bei den österreichischen Autofahrern hat sich außerdem das gefährliche Zusammenspiel von zu hoher Geschwindigkeit, Alkohol und dichtem Auffahren gezeigt", zitiert Thann die SARTRE-Studie weiter. "Vor allem bekennende Schnellfahrer und Berufsfahrer gestanden, vor ihnen Fahrende häufiger unter Druck zu setzen. Auch solche Fahrer, die jenseits der Promille-Grenze unterwegs sind, zeigten einen deutlicheren Hang zum Auffahren."

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