Keine e-Card für Sozialhilfeempfänger - Ärzte empört

Brettenthaler: "Bedrückend unsensible Vorgangsweise" - soziale Stigmatisierung an der Schwelle zum Gesundheitswesen

Wien (OTS) - Vor einer "sozialen Stigmatisierung" von Sozialhilfeempfängern im Gesundheitswesen hat der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Dr. Reiner Brettenthaler, gewarnt. Anlass ist der Umstand, dass Sozialhilfeempfänger so genannte Krankenhilfe beziehen und keine e-Card erhalten. In einer Aussendung am Montag sprach Brettenthaler von einem "bedrückend unsensiblen Vorgehen", da sich in den Behörden offensichtlich niemand vorstellen könne, wie sich die Betroffenen fühlten, die sich - neben den rund 100 000 Nicht-Versicherten - als einzige gesellschaftliche Gruppe nicht über eine e-Card ausweisen könnten und damit ihre "Armut an der Schwelle zum Gesundheitssystem öffentlich kenntlich machen" müssten.

Er empfinde "aus menschlicher, aber auch aus ärztlicher Sicht absolutes Unverständnis", kritisierte der ÖÄK-Präsident. Die geschätzte 20 000 Personen umfassende Gruppe von Krankenhilfeempfängern habe erfahrungsgemäß einen höheren medizinischen Bedarf. Daher sei es äußerst unbedacht, wenn nicht gar würdelos, ihnen den Zugang zum Gesundheitssystem tendenziell zu erschweren, indem man ihnen keinen elektronischen Ausweis überlasse, betonte Brettenthaler. Es bestehe die Gefahr, dass Menschen auf diese Weise Sorge hätten, in der Ordination einen "sozialen Offenbarungseid ablegen zu müssen". Es könne aber auch sein, dass sie Scham und Schwellenangst gleich ganz abhielten, zum Arzt zu gehen. "Das entspricht nicht dem Solidargedanken", warnte Brettenthaler.

Generell erhalte jeder Mensch ohne Ansehen seiner Person seitens eines Arztes die ihm adäquate Therapie. Es müsse aber auch für Sozialbehörden zur Selbstverständlichkeit gehören, sozial Schwache nicht durch unterschiedliche Behandlung zu benachteiligen, sondern zu "in formal und menschlich korrekter Form" zu integrieren. "Wir leben immer noch in einem solidarisch geprägten Sozialstaat und nicht in einer Almosengesellschaft", erinnerte Brettenthaler abschließend.

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