"Kleine Zeitung" Kommentar: "Extremisten der Palästinenser weiter für Terror statt Frieden" (von Charles Landsmann)

Ausgabe vom 29.08.2005

Graz (OTS) - Die Gewalt ist zurückgekehrt im israelisch-palästinensischen Konflikt. Der missglückte Selbstmordanschlag vom Sonntagmorgen in Beer Shewa ist von anderer Qualität als die Messerattacke in der Ostjerusalemer Altstadt. Ein Selbstmord-attentat setzt eine terroristische Infrastruktur voraus, während Einzeltäter zum Messer greifen.

Die Tat stellt auch keine direkte Reaktion auf die provokative Tötung von fünf Palästinensern durch ein israelisches Greifkommando in Tulkarem dar. Vielmehr macht sie überdeutlich, dass extremistische Gruppierungen auf palästinensischer Seite nur auf den Abschluss der israelischen Siedlungsräumungen gewartet haben, um wieder gewaltsam zuzuschlagen.

Aber: Diesmal kam die offizielle palästinensische Verurteilung der Tat postwendend. Im Zusammenhang mit Reden und Interviews sowohl Präsident Mahmud Abbas als auch Ministerpräsident Ahmed Kureis am Wochenende wird klar, dass die Palästinenserführung jetzt entschlossen scheint, die Initiative zu ergreifen. Sie hat erkannt, dass sie nun gefordert ist und hat taktisch schlau reagiert.

Abbas versucht die Extremisten in den politischen Prozess einzubinden. Dies aus der Überzeugung heraus, dass die von Israel und den USA geforderte Zerstörung der so genannten terroristischen Infrastrukturen zu bewaffneten Zusammenstößen mit unbekanntem Ausgang oder gar zu einem Bürgerkrieg führen könnte.

Er hat deshalb die Parlamentswahlen auf den 25. Januar festgelegt, verbunden mit der Aufforderung an die rivalisierenden Hamas-Islamisten, an diesen erstmals teilzunehmen, und in der Hoffnung, Hamas werde sich zumindest bis Ende des israelischen Truppenabzuges aus dem Gazastreifen an den vereinbarten Waffenstillstand halten und ihren Kommandos Anschläge wie denjenigen in Beer Shewa untersagen.

Abbas Ankündigung im israelischen Rundfunk, dieser Waffenstillstand sei keineswegs zeitlich begrenzt, sondern immerwährend, zeigt seinen Willen auf, der Gewalt auf palästinensischer Seite endgültig zu entsagen. Er käme so seiner wichtigsten Verpflichtung nach, während Israel bereits wieder unter Zugzwang stehen würde.

Die Palästinenserbehörde könnte sich mehr oder weniger ungestört daran machen, in Gaza die Grundlagen für einen Staat Palästina zu schaffen. Die Israelis würden ihrerseits unter internationalem Druck endlich gezwungen werden, die illegalen Siedlungs-Außenposten im Westjordanland zu räumen. ****

Rückfragen & Kontakt:

Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
redaktion@kleinezeitung.at
http://www.kleinezeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKZ0001