AK Untersuchung: Statt Firmenbuchveröffentlichung setzen viele Unternehmen auf Bilanzverheimlichung

AK fordert härtere Sanktionen und schärferes Durchgreifen der Firmenbuchgerichte

Wien (OTS) - Neun Jahre ist es her seit BIPA und Merkur zuletzt
ihre Bilanzen beim Firmenbuch hinterlegt haben, obwohl laut Gesetz GmbHs oder Aktiengesellschaften in Österreich das spätestens neun Monate ab Bilanzstichtag erledigen müssen. Die "Rauch-Fruchtsäfte GmbH" hat überhaupt noch nie eine Bilanz veröffentlicht. Das zeigt eine aktuelle Stichproben-Untersuchung der AK Betriebswirtschaftsexperten im Firmenbuch-Compass. Bei 150 Stichproben wurden 47 Unternehmen gefunden, die ihrer Veröffentlichungspflicht nicht ordentlich nachkommen - quer durch alle Branchen: Schöps, Ölz, Lugner, Magna, Adecco, Mautner Markhof, UCI Kino, Spitz oder Mc Donalds. "Veraltete Zahlen interessieren Historiker. Im schnelllebigen Wirtschaftsleben kann sie kein Mensch brauchen, weil sie nichts mehr über Liquidität oder Ertragslage eines Unternehmens aussagen. Gläubiger und Kunden müssen aber wissen, mit wem sie sich einlassen", sagt Heinz Leitsmüller, stellvertretender Leiter der AK Abteilung Betriebswirtschaft, "es stellt sich schon die Frage, warum so viele Unternehmen auf Heimlichtuerei setzen. Wollen sie Gewinne vor den Kunden oder Arbeitnehmern verstecken?" Das Handelsgesetzbuch sieht bei Verletzung der Veröffentlichungspflicht Strafen bis maximal 3.600 Euro vor. "Das ist viel zu wenig", sagt Leitsmüller, "das zahlen große Unternehmen aus der Portokassa." Die AK fordert daher: Schärfere Strafen, die vom Umsatz und der Zeitüberschreitung bei der Veröffentlichung abhängen, und eine härteres Durchgreifen des Firmenbuchgerichts.

Österreichische GmbHs oder Aktiengesellschaften müssen ihre Jahresabschlüsse nach der Generalversammlung bzw Hauptversammlung -spätestens aber nach neun Monaten ab Bilanzstichtag beim zuständigen Firmenbuch einreichen. Aktiengesellschaften müssen ihre Bilanz zusätzlich in der Wiener Zeitung veröffentlichen. "Diese Veröffentlichungspflicht ist sinnvoll", sagt Leitsmüller, "Gläubiger, Kunden und Arbeitnehmer haben ein Recht darauf zu erfahren, wie’s mit der wirtschaftlichen Lage eines Unternehmens ausschaut."

47 "Veröffentlichungs-Sünder" bei 150 Stichproben

Vom 16. bis 19. August haben die Betriebswirtschafts-Experten der AK Wien im Compass-Firmenbuch stichprobenartig untersucht, wie es österreichische Unternehmen mit der Veröffentlichungspflicht halten. Bei 150 Stichproben wurden 47 Unternehmen gefunden, die ihrer Veröffentlichungspflicht nicht ordentlich nachkommen. Spitzenreiter waren die Firmen Rauch Fruchtsäfte, BIPA, Rewe Austria AG und Merkur, die noch nie, oder zuletzt vor neun Jahren veröffentlich haben. Die Manpower Holding GmnH, Raiffeisen Lagerhaus GmbH, die Öltz GmbH oder die Meinl am Graben GmbH etwa haben zuletzt in den Jahren 2000 bis 2002 veröffentlicht. Die übrigen Verspätungen reichen von minimalen elf Tagen (Emma Otto GmbH) über 214 Tage (Niki Luftfahrt GmbH) bis zu 426 Tagen (Dm-Drogeriemarkt).

AK fordert schärfere Strafen und härteres Durchgreifen

Die Arbeiterkammer fordert die betreffenden Unternehmen auf, sich an die Gesetze zu halten und die entsprechenden Informationen rechtzeitig zur Verfügung zu stellen.

+ Darüber hinaus soll das zuständige Firmenbuchgericht härter durchgreifen und so wie es das Gesetz vorsieht, die Sünder von Amts wegen auffordern, ihren Verpflichtungen nachzukommen.

+ Die im Handelsgesetzbuch vorgesehenen Sanktionen sind viel zu gering. Vor allem für große Kapitalgesellschaften scheint die Maximalstrafe von 3.600 Euro keinerlei abschreckende Wirkung zu haben. Die Strafe sollte deutlich verschärft und vom Umsatz sowie der Zeitdauer der Verspätung abhängig gemacht werden. Größeren Kapitalgesellschaften sollen auch höhere Strafen drohen, sonst bleibt das Gesetz zahnlos.

+ Weiters sollte im Bestätigungsvermerk des Wirtschaftsprüfers dargestellt werden, ob das Unternehmen der Veröffentlichungspflicht im vorangegangenen Jahr entsprechend nachgekommen ist.

Hinweis: Die AK Stichprobenuntersuchung zu den Firmenbuchveröffentlichungen finden Sie auf www.wien.arbeiterkammer.at

Rückfragen & Kontakt:

Christian Spitaler
AK Wien Kommunikation
tel.: (+43-1) 50 165 - 2152
mobile: (+43) 664 45 43 43 6
christian.spitaler@akwien.at
http://wien.arbeiterkammer.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AKW0001