DER STANDARD-Kommentar "Fehlende Flut-Diskussion" von Michael Möseneder

Ausgabe vom 27./28.8.2005

Wien (OTS) - Wird scho’ werd’n" ist ein beliebter österreichischer Hinweis in Krisensituationen. Ebenso wie die Überzeugung, dass der Staat schon für seine braven Bürger sorgen wird, wenn etwas Schlimmes passiert. Ein Irrglaube, wie auch nach dieser Flut wieder viele Hausbesitzer erkennen werden müssen. Und möglicherweise verblüfft feststellen werden, dass der Bekannte in einem anderen Bundesland um ein paar Tausend Euro mehr für den gleichen Gebäudeschaden bekommt wie man selbst.

Eine Ungerechtigkeit, keine Frage. Eine andere Frage ist, wie dieses Problem gelöst werden kann. Indem sich die Bundesländer bitte an einen Tisch setzen und ihre Gesetze angleichen, wie man im Umweltministerium meint? Oder indem, wie im europäischen Ausland, eine Pflichtversicherung oder Versicherungspflicht kommt, die dafür auch den vollen Schaden deckt?

Zweiteres würde auf jeden Fall die Assekuranzen freuen, ist die Nachfrage nach privatem Hochwasserschutz doch eher mau. Kein Wunder, außer in Wien wird die Versicherungsentschädigung überall von der staatlichen Hilfe abgezogen - ein wirklicher Anreiz vorzusorgen, ist das nicht. Andererseits: Wie in der Schweiz jährlich mehr als 200 Euro zahlen, selbst wenn man in einem vor Überschwemmung und Lawinen geschützten Gebiet lebt? Und damit Solidarität mit Leuten üben, die sich ihre Häuser irgendwo in rote Zonen gebaut haben?

Eine wirkliche Diskussion darüber wurde auch nach dem "Jahrhunderthochwasser" 2002 nicht geführt. Im Gegensatz zur mit Inbrunst behandelten Frage, ob jetzt mehr oder weniger Dämme gegen das mit großer Wahrscheinlichkeit immer häufiger überschwappende Wasser helfen. Vielleicht wird’s ja nach dieser Katastrophe etwas damit.

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